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Kinder und Haustiere
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„Ich will einen Hund! Und wenn es kein Hund sein kann, dann wenigstens ein Meerschweinchen, einen Hasen oder einen Goldhamster!“ So oder so ähnlich können Kinder ihre Eltern über Monate oder gar Jahre nerven. Viele Eltern können ein Lied davon singen denn früher oder später werden die meisten Eltern mit dem Wunsch nach einem Haustier konfrontiert.
Oft sind sie hin- und hergerissen. Einerseits verstehen sie den Wunsch des Kindes. Andererseits bedeutet ein Haustier Arbeit und Sorge: Es braucht täglich Futter, kostet Geld und macht eine Menge Schmutz. Tiere brauchen Aufmerksamkeit, Pflege und hin und wieder einen Tierarztbesuch. Ganz zu schweigen von der Unterbringung während der Urlaubszeit.
Die Entscheidung ist für Eltern mit einer großen Verantwortung verbunden, denn häufig lebt das Tier länger, als das Kind Interesse daran hat. Nachdem man dem Kind nicht wirklich die Verantwortung übergeben kann, sind letztlich die Eltern für das Tier verantwortlich und müssen sich schließlich darum kümmern. Insofern ist es wohl keinen Eltern zu empfehlen ein Tier anzuschaffen, um das sie sich im Zweifelsfalle nicht selbst kümmern möchten!
Nach Informationen von »Kinder- und Jugendärzte im Netz« (www.kinderaerzteimnetz.de) und »Eltern im Netz« (www.elternimnetz.de) der offiziellen Website des Bayerischen Landesjugendamtes weisen mehrere Studien darauf hin, dass Haustiere einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern haben können.
So sind Tiere für Kinder der ideale Spielpartner, oft sogar ein echter Kumpel und das beste Mittel gegen Langeweile. Kinder mit Haustieren sind aktiver und leiden weniger unter Einsamkeit und Isolation. Hunde und Katzen fordern regelmäßig zum Spielen auf, sie brauchen Ansprache und Bewegung. Selbst hartnäckige "Computerhocker" und "Fernsehglotzer" lassen sich von Tieren zum Herumtollen animieren und durch das tägliche Gassigehen mit dem Hund vom Bildschirm weglocken.
Auch sind Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, häufig weniger aggressiv, zeigen mehr Mitgefühl, Geduld und soziale Kompetenz. Kinder nehmen sehr schnell wahr, dass ein Tier kein Spielzeug ist. Sie erkennen, dass es ein eigenständiges Wesen ist, um das man sich kümmern und dessen Bedürfniss man respektieren muss. Sie lernen, genau auf die Reaktionen des Tieres zu achten: Möchte die Katze nicht schmusen, wird sie dies deutlich zeigen. Tiere zeigen Kindern durch ihr Verhalten, wo Grenzen liegen.
Nach Meinung der Forscher kommen Hunde und Katzen den Kindern aber auch psychisch zu Gute: Nach einer Untersuchung von Dr. June McNicholas von der Universität Warwick wendet sich die Hälfte der Kinder mit Haustieren dem tierischen Freund zu, wenn sie Kummer haben oder wenn es Streit mit anderen Familienmitgliedern gegeben hat. Ein Drittel flüchtet zu Ihm – bevorzugt sind in diesem Fall Hunde als Beschützer – wenn sie Angst haben.
Kinder haben in ihrem Tier einen Freund, dem man einfach alles anvertrauen kann. Ganz egal, was das Kind dem Tier erzählt, es wird jedes Geheimnis bewahren. Hunde sind wachsam und können Kindern das Gefühl von Sicherheit vermitteln. So kann der Hund z.B. äußerst beruhigend auf das Kind einwirken, wenn er als wachsamer Kamerad vor der Tür oder dem Kinderbett liegt bis es eingeschlafen ist.
Auch haben Kinder mit Haustieren – einer Studie zufolge – ein stärkeres Immunsystem und sind dadurch seltener krank. Forscher der britischen Universität Warwick haben untersucht, wie oft Kinder, die Haustiere haben, wegen Krankheit in der Schule fehlen. Diese Zahl verglichen sie mit Kindern, die keine Haustiere haben. »Das Halten von Tieren lies sich ganz klar mit einem besseren Unterrichtsbesuch verbinden«, sagte die Psychologin June McNicholas. »Das war in allen Altersklassen so, aber besonders in der Grundschule.« »Zwar könnten Tiere auch Krankheiten übertragen, sagte McNicholas, aber insgesamt scheinen die Vorteile für Kinder ganz klar zu überwiegen.«
Beachten Sie die wichtigsten Hygiene-Regeln:
• Kleinkinder stecken gerne alles in den Mund und dürfen nicht mit Katzenklo, Futternapf, Tierspielzeug … in Berührung kommen
• Das Katzenklo ist zum Spielen tabu.
• Das Tier hat nichts am Esstisch zu suchen.
• Schmusen ist ok, das heißt aber nicht, sich gegenseitig abzulecken.
• Vor dem Essen und nach dem Spielen mit dem Tier: Hände waschen!
• Haustiere sollten regelmäßig vom Tierarzt untersucht, geimpft und entwurmt werden.
• Durch die tägliche Fellpflege werden Zecken, Flöhe oder andere Parasiten erkannt und können bekämpft werden.
Eine Anschaffung sollte gründlich bedacht und in der ganzen Familie besprochen werden. Gehen Sie einfach diese Checkliste durch.
• Welches Tier passt am besten in die Familie? Hat ein Familienmitglied eine ausgesprochene Abneigung beispielsweise gegen Katzen, muss darauf unbedingt Rücksicht genommen werden.
• Wie viel Platz braucht das Tier? Die Größe der Wohnung spielt eine erhebliche Rolle. Ein Hund braucht mehr Platz als eine weiße Maus. Ein Tier muss artgerecht gehalten werden. Denken Sie bei einem großen Hund nicht nur an seine Schulterhöhe. Kalkulieren Sie auch die Körperlänge und Kraft eines solchen Tieres ein, dessen übermütiges Herumtollen für kleine Kinder schnell gefährlich werden kann. Denken Sie auch an den Transport – also ob das Tier in Ihrem Auto Platz hat.
• Ist es erlaubt, ein Haustier zu halten? Bevor Sie sich ein Tier anschaffen, sprechen Sie unbedingt mit dem Wohnungseigentümer. Die Haltung von Kleintieren ist in einer Mietwohnung grundsätzlich erlaubt. Mit einem Hund oder einer Katze aber muss der Vermieter einverstanden sein.
• Was kostet das Tier? Nicht nur die Anschaffung des Tieres kostet, auch Futter, Käfig oder Aquarium, Katzenstreu, eventuelle Tierarztkosten und Versicherung... Gründliche Information vor der Anschaffung schützt Sie vor bösen Überraschungen.
• Wer versorgt das Tier in den Ferien? Gibt es eine Nachbarin, Großeltern oder Freunde, die das Tier bei Abwesenheit übernehmen?
• Wie lange möchten wir ein Tier? Überlegen Sie, wie lange Sie sich an ein Haustier binden wollen. Viele Tiere leben länger als die Begeisterung der kleinen Tierfreunde anhält. Kleintiere leben einige Jahre. Hunde und Katzen können weit über 10 Jahre alt werden. Schildkröten sind oft beim Auszug des Sprösslings noch in der Blüte ihrer Jahre.
• Wie viel Pflege braucht das Tier? Ein Hund muss in der Regel drei- bis viermal täglich spazieren gehen. Er muss gefüttert und sein Fell gepflegt werden. Bei einer Katze kommt zum Füttern und Pflegen das Reinigen des Katzenklos hinzu. Bei Kleintieren und Vögeln die Reinigung des Käfigs.
• Wie viele Tiere möchten wir? Manche Tiere wie Meerschweinchen und Zwergkaninchen sind gesellig und fühlen sich zu zweit am wohlsten. Achten Sie darauf, dass Sie gleichgeschlechtliche Tiere anschaffen um Zuwachs zu vermeiden.
• Wie wär’s mit einem Probelauf? Vielleicht können Sie das Tier von Nachbarn oder Freunden in Pflege nehmen. Oft merkt man sehr schnell, mit welchen Eigenheiten eines Tieres man nicht zurechtkommt.
• Tierhaar-Allergie: Liegt bei einem Familienmitglied eine Allergie-Neigung vor, sollten besser keine Tiere mit Fell im Haushalt leben. Machen Sie vorsichtshalber einen Allergietest.
Welche Tiere sind geeignet?
Greifen Sie nicht nach Meerschweinchen, Zwergkaninchen oder Goldhamstern nur um dem Drängen des Kindes nachzugeben. Das Interesse an dem Tier kann schnell schwinden und die Pflege des Tieres wird zum täglichen Kampf. Meerschweinchen und Zwergkaninchen sind geeignete Spielgefährten und gewöhnen sich auch schnell an den Menschen, doch gerade Meerschweinchen sind recht sensible und geräuschempfindliche Tiere die man nicht einfach kleinen Kindern überlassen sollte.
Für nicht mehr ganz kleine Kinder sind die recht lebhaften »Mongolischen Wüstenrennmäuse« oder »Gerbils« eine Alternative. Die lustigen Gesellen gehören zur Gattung der Hamster und leben ursprünglich in der Mongolei. Sie sind tag- und nachtaktiv und werden bei guter Haltung bis zu 5 Jahre alt. Sie dürfen jedoch auch nicht einzeln gehalten werden – gleichgeschlechtliche Tiere vertragen sich gut miteinander; bevorzugt Männchen.
Goldhamster sind wenig geeignet da sie nachtaktiv sind und tagsüber schlafen möchten. Für sie ist es eine Quälerei, wenn sie zum Spielen aufgeweckt werden. Sie sind typische Einzelgänger.
Katzen und Hunde sind Tiere für die ganze Familie. Hunde lassen sich gut überall mithinnehmen, sind sehr anhänglich und stark auf den Menschen bezogen. Katzen sind eigenständiger und nur selten lieben Katzen das Reisen. Kleine Katzen haben einen ausgeprägten Spieltrieb und sind sehr verschmust. Katzen sind eigenwillig und fordern Respekt.
Hunde sind ideale Spielkameraden. Sie müssen täglich mehrmals Gassi geführt werden. Informieren Sie sich genau, welche Hunderasse Sie wählen oder lassen Sie sich in einem Tierheim beraten. Dort haben Sie auch die Möglichkeit mit Hunden verschiedenen Alters, Rasse und Größe Gassi zu gehen und finden auch verschiedene Kleintiere.
Vögel sind als Streicheltiere wenig geeignet. Sie brauchen dennoch Zuwendung und Ansprache und einen möglichst großen Vogelkäfig oder eine Voliere.
Wünscht sich das Kind ein Streicheltier, ist der Kauf eines Aquariums mit Zierfischen vermutlich erst einmal eine Enttäuschung. Doch das Schwimmen der Fische im Wasser hat oft eine beruhigende Wirkung auf Kinder.
Keinesfalls sollten Sie ein Tier einfach verschenken. Diese Überraschung ruft nicht immer Freude hervor. Es handelt sich schließlich nicht um ein neues Spielzeug, sondern um ein Lebewesen.
Die ganze Familie muss an der Entscheidung, welches Tier angeschafft wird, beteiligt sein und gemeinsam die Verantwortung tragen.
Finger weg von Reptilien.
Greifen Sie nicht zu Wasserschildkröten, Schildkröten oder anderen Reptilien. Diese Tiere sind keine Alternative zu Hund oder Katze und sind schon garnichts für Kinder.
Die Tiere sind bei der Anschaffung zwar oft recht putzig und klein, doch sie wachsen schnell und benötigen einen hohen Pflegeaufwand. Reptilien brauchen kostspielige und spezielle Terrarien, sind in den laufenden Kosten recht teuer, werden nicht selten viel größer als man vermutet und zudem sehr alt.
Selbst nach einer gründlichen Reinigung kann ein Terrarium schon nach kurzer Zeit wieder recht streng riechen. Reptilien sind keine gewöhnlichen Haustiere, sie sind ein zeit- und geldintensives Hobby von Liebhabern!
Nehmen Sie bei Interesse Kontakt mit speziellen Tierauffangstationen, Tierärzten oder anderen Organisationen auf. Dort werden Sie auch kompetent und neutral beraten.
Wenn das geliebte Haustier stirbt.
Kleintiere leben nur einige Jahre. Tiere können krank werden oder es kann ihnen etwas zustoßen. Viele Kinder machen nun erste Bekanntschaft mit dem Tod. Sie lernen zu trauern und Schmerz zu bewältigen – dies sind schmerzliche aber wichtige Lebenserfahrungen. Für Kinder ist der Verlust ihres Lieblings in der Regel sehr schwer. Kein Wunder: Es ist meist ihre erste Begegnung mit dem Tod.
Kinder bewältigen solche Erlebnisse auf ihre eigene Weise: Sie malen ein Bild von ihrem verstorbenen Schützling, sammeln alle Tierspielsachen in einer kleinen Schachtel ...
Es hilft, wenn man diese und viele kleine Dinge, die mit dem Tier zu tun haben, mit dem Tier zusammen vergräbt, das „Grab“ vielleicht mit einem schönen Stein kennzeichnet.
Das Kind kann das »Grab« mit Pflanzen, Blumen oder Kerzen schmücken. Diese Rituale helfen Kindern, den Tod des geliebten Freundes zu verkraften.
Schaffen Sie nicht sofort einen „Ersatz“ an. Ihr Kind hatte eine besondere Beziehung zu genau diesem Tier. Es wird Ihnen von selbst sagen, wenn es wieder ein Tier möchte.
Ist das Tier krank, unterrichten Sie Ihr Kind. Es spürt sowieso, wenn mit dem Tier etwas nicht stimmt. Diese Offenheit ist zwar meist schmerzhaft, letztendlich kann das Kind aber den späteren Tod besser verkraften.
Quelle: »Kinder- und Jugendärzte im Netz« www.kinderaerzteimnetz.de,
Bayerischen Landesjugendamtes »Eltern im Netz« www.elternimnetz.de
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Geschrieben von Angela Hintermeier für meier-Magazin |
Mittwoch, 17. November 2004
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