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Schatten auf der Seele
Gerade die dunkle und kalte Jahreszeit schlägt vielen Menschen auf’s Gemüt. Jeder kennt Tage, an denen die Stimmung ihren Tiefpunkt erreicht. Das ist völlig normal – aber was, wenn die trüben Gedanken bleiben und man aus diesem schwarzen Loch nicht mehr herausfindet?
Dann steckt vermutlich eine Depression dahinter, die schnell und effektiv behandelt werden sollte, damit sich aus einer anfangs leichten depressiven Verstimmung nicht eine schwere Depression entwickelt.
Immerhin begehen 10–15% aller daran Erkrankten Selbstmord!
Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 40 Prozent aller Menschen zumindest einmal in ihrem Leben an einer depressiven Episode. Somit sind Depressionen, nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zweithäufigste Erkrankung in den industrialisierten Ländern.
Auch heute noch glauben viele Menschen, dass eine Depression keine Krankheit sei, sondern eine persönliche Schwäche oder Versagen. Vor allem gut gemeinte Ratschläge „sich doch zusammenzureißen“, verstärken noch die Verzweiflung der Betroffenen. Depressive sind nicht unwillig – sie sind krankheitsbedingt einfach unfähig etwas an ihrer Situation zu ändern.
Bei Menschen, die an depressiven Verstimmungen leiden, besteht ein Mangel an bestimmten Botenstoffen im Gehirn. Es fehlt z.B. am »Glückshormon« Serotonin, und an den Antriebs- hormonen Noradrenalin und Dopamin. Durch dieses Ungleichgewicht kommt es zu Störungen der Gedanken, der Gefühle, des Verhaltens und der Körperempfindung.
Es gibt viele verschieden Arten von Depressionen und ebenso viele Auslöser.
Manche Depressionen treten im Zusammenhang mit anderen organischen Erkrankungen auf:
z.B. nach Schlaganfällen, als Folge von Infektionskrankheiten, bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, nach Schädel-Hirn-Verletzungen oder bei Herzinsuffizienz.
Depressionen sind auch häufig eine Begleiterscheinung bei Drogenmissbrauch, bei Angststörungen oder bei Essstörungen.
Bei Menschen mit einer so genannten »Winterdepression« kommt es zu Leistungsmangel und Energielosigkeit. Sie haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis und klagen über einen Heißhunger auf Kohlenhydrate. Dies führt dann häufig zu einer unerwünschten Gewichtszunahme. Mit einer speziellen Lichttherapie und mit viel Bewegung an der frischen Luft kann meist schnell Abhilfe geschaffen werden.
Bestimmte Formen der Depression betreffen nur die Frauen:
Die Wochenbettdepression und die »klimakterische« Depression in den Wechseljahren. Die Ursachen sind zum einen hormonelle Veränderungen, zum anderen die Umstellungen im persönlichen Leben, und damit verbunden, psychische Belastungen.
Besonders schwer zu erkennen ist die »larvierte« Depression.
Bei dieser Form klagen die Menschen meist nur über körperliche Beschwerden, wie z.B. Rücken- oder Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Herzklopfen oder Schlaflosigkeit. Die depressive Verstimmung und andere psychische Symptome treten hierbei in den Hintergrund. Deshalb sind oft viele Arztbesuche nötig, bis die richtige Diagnose gestellt werden kann.
Eine weitere Form ist die »endogene« Depression; d.h. „von innen heraus kommend“.
Bei dieser Art gibt es keine erkennbaren Auslöser – jeder Mensch kann also jederzeit daran erkranken.
Die meisten Menschen leiden jedoch als Folge persönlicher oder sozialer Probleme an einer Depression. Oft sind Störungen in der Familie als Auslöser zu sehen: Trennungen, Erkrankungen von Familienmitgliedern, Wohnortwechsel, Partnerschaftsprobleme, Tod eines Nahestehenden oder andauernde Spannungen. Auch ständiger Stress und Überforderung, Arbeitslosigkeit oder Pensionierung können schuld sein am Ausbruch einer Depression.
Belastende Erlebnisse, die bis in die Kindheit zurückreichen können und die nie richtig verarbeitet wurden, können in Form einer Depression wieder ans Licht kommen.
Tiefenpsychologische Verfahren, wie die katathym-imaginative Psychotherapie oder die Gesprächspsychotherapie können hier eingesetzt werden.
Folgende Symptome können auf eine Depression hinweisen:
• depressive Denkinhalte, ständiges Grübeln
• Verlust von Interessen, Freudlosigkeit,
• ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“
• Antriebslosigkeit, Ermüdbarkeit, Erschöpfung
• innere Unruhe, Nervosität
• Konzentrations – und Gedächtnisstörungen
• Schlafstörungen
• verminderter Appetit und Gewichtsverlust
• Ängste (bzgl. Verluste, Trennungen, Besitz, Gesundheit)
• negative Sicht der Zukunft, Hoffnungslosigkeit
• vermindertes Selbstwertgefühl
• Selbstmordgedanken
• Magen – und Darmstörungen
• Herz- und Kreislaufbeschwerden, Schwindel
• Kopf – und Rückenschmerzen
• sexuelle Unlust, Impotenz
Behandelt werden Depressionen mit Medikamenten und Psychotherapie.
Bei leichteren Verstimmungen hilft oft die Einnahme von hochdosiertem Johanniskraut. In schwereren Fällen wird der Arzt Antidepressiva verschreiben, die übrigens nicht abhängig machen. Diese Medikamente wirken stimmungsaufhellend, so dass der Betroffene die Lösung seiner Probleme besser in Angriff nehmen kann.
In der Psychotherapie hat sich die »kognitive Verhaltenstherapie« gut bewährt.
„Es sind nicht die Dinge an sich, die uns unglücklich machen, sondern unsere Sicht der Dinge“. Diese erstaunlich moderne Erkenntnis stammt vom griechischen Philosophen Epiktet (50 n. Chr.) und bildet die Grundlage dieser Therapie. Depressive Menschen entwickeln ein negatives Denkschema, das sich ständig wiederholt. Mit Hilfe eines Therapeuten werden die negativen Gedanken näher beleuchtet. Viele Menschen schleppen jahrelang Überzeugungen mit sich herum, die ihnen das Leben schwer machen. Klassiker der negativen Selbstsicht sind:
„keiner mag mich“, „ich bin an allem schuld“, „ich bin unattraktiv und dumm“, oder „ich bin ein Versager“. Dieses negative Denken wird in der Therapie gestoppt und die schädlichen Gedanken durch sachlichere und wahrheitsgemäße Aussagen ersetzt.
Neue Verhaltensmuster und Strategien werden gemeinsam mit dem Therapeuten entwickelt, um dann zukünftig besser mit Problemen und Belastungen umgehen zu können. Dies hebt das Selbstbewusstsein des Patienten und trägt zu einer positiven Sicht der Zukunft bei.
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Geschrieben von Karin Kutz für meier-Magazin |
Montag, 07. März 2005
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