100 Jahre Kiefernforschung in Schwabach

Schwabach - Vor fast 100 Jahren hat die Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) 33 000 Kiefern im Schwabacher Stadtwald angesät und sie seither im Wuchs beobachtet. Damit handelt es sich um die älteste Kiefernforschungsfläche weltweit. LWF-Präsident Dr. Peter Pröbstle war nun mit seinen verantwortlichen Mitarbeitern nach Schwabach gekommen, um die wichtigsten Erkenntnisse dieses außergewöhnlichen Forschungsprojekts vorzustellen.

  • Forschungsleiter Dr. Hans-Joachim Klemmt (2. v. re.) erklärt anhand einer Grafik die Ergebnisse zur Wuchsentwicklung der verschiedenen Kiefern.

    Forschungsleiter Dr. Hans-Joachim Klemmt (2. v. re.) erklärt anhand einer Grafik die Ergebnisse zur Wuchsentwicklung der verschiedenen Kiefern.
    © Robert Schmitt

  • LWF-Chef Dr. Peter Pröbstle war selbst aus Freising gekommen, um die Forschungserkenntnisse von 100 Jahren Kiefernversuch in Schwabach zu erläutern.

    LWF-Chef Dr. Peter Pröbstle war selbst aus Freising gekommen, um die Forschungserkenntnisse von 100 Jahren Kiefernversuch in Schwabach zu erläutern.
    © Robert Schmitt

SCHWABACH – Ein Wald muss in anderen Zeiträumen gedacht werden als ein Mensch. Was für eine Generation kaum mehr als eine Momentaufnahme ist, kann sich über Jahrzehnte völlig anders entwickeln. Wie wertvoll deshalb ein langer Atem in der Forstforschung sein kann, zeigt eine Versuchsfläche im Schwabacher Stadtwald Brünst. Seit rund 100 Jahren wird dort beobachtet, wie sich Kiefern unterschiedlicher Herkunft unter gleichen Bedingungen entwickeln. 1927 sind in der Brunst auf verschiedenen Flächen zwischen 200 und 700 Quadratmetern 33 000 Kiefern angesät worden.

Am Freitag machte sich der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Dr. Peter Pröbstle, vor Ort ein Bild von dem außergewöhnlichen Forschungsprojekt. Mit dabei waren unter anderem Schwabachs Oberbürgermeister Peter Reiß, Stadtkämmerin Stefanie Rother, Stadtförster Thomas Knotz sowie Ludwig Schmidbauer, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg. 

Auf der Versuchsfläche „Schwabach 304“ wurden die Kiefernherkünfte aus Bamberg, Unterfranken und Schwabach miteinander verglichen. Die Bamberger Herkunft hatte dabei zunächst das Nachsehen. Über die Jahrzehnte änderte sich das Bild jedoch grundlegend. Von 1927 bis 2025 erreichten die Bamberger Kiefern eine Gesamtwuchsleistung von 1095 Vorratsfestmetern je Hektar. Rund zehn Prozent mehr als die Schwabacher Herkunft. Um das festzustellen, braucht es gar keine aufwändige Kontrolle. „Die LWF ist heute zum zwölften Mal hier“, sagte Forschungsleiter Dr. Hans-Joachim Klemmt

Gerade dieser Verlauf macht den Wert der Versuchsfläche deutlich. Eine Kiefernherkunft, die in den ersten Jahrzehnten schlechter wächst, muss langfristig nicht die schlechtere sein. Erst die ungewöhnlich lange Beobachtungsreihe macht solche Entwicklungen sichtbar. „Das Besondere an dieser Versuchsfläche ist, dass wir einerseits 100 Jahre in die Vergangenheit blicken können“, erklärte LWF-Präsident Pröbstle. Man könne sehen, wie die Kiefern auf frühere Umweltveränderungen reagiert hätten, und gleichzeitig beobachten, wie dieselben Bäume mit den heutigen Bedingungen zurechtkämen. Angesichts des raschen Klimawandels sei dieses Wissen besonders wertvoll. 

Dabei geht es längst nicht mehr allein um die Frage, welche Kiefer am schnellsten wächst. Die alten Versuchsflächen liefern heute Antworten auf Fragen, die bei ihrer Anlage noch gar nicht gestellt wurden. Ein Beispiel ist die Kiefernmistel, die sich gerade in Mittelfranken in den vergangenen Jahren deutlich ausgebreitet hat. Warme und trockene Jahre begünstigen ihre Entwicklung. Die Mistel entzieht dem Baum auch unter Trockenheit Wasser und kann dadurch den ohnehin vorhandenen Trockenstress verstärken. 

Damit ist die Schwabacher Versuchsfläche zu einer Art Zeitmaschine der Waldforschung geworden: Die Forscher können nicht nur aktuelle Zustände messen, sondern Entwicklungen über viele Jahrzehnte verfolgen. Genau solche langen Messreihen helfen dabei, heutige Veränderungen einzuordnen und Erkenntnisse für die Bewirtschaftung der Wälder von morgen zu gewinnen. Für die Stadt Schwabach ist die Fläche zugleich ein Stück eigener Forstgeschichte. Oberbürgermeister Reiß bezeichnete es als etwas Besonderes, dass im Stadtwald seit einem Jahrhundert wissenschaftliche Beobachtungen stattfinden. Die Erkenntnisse könnten helfen, Veränderungen besser zu verstehen und daraus Schlüsse für die Zukunft der Wälder zu ziehen. 

Für Schwabach kommt eine weitere Dimension hinzu. Stadtförster Thomas Knotz erläuterte, dass die gesamte Brünst seit 2008 „parkähnlich bewirtschaftet“ werde und dabei der Waldumbau hin zu klimaresistenten Arten eine besonders wichtige Rolle spiele. „Uns helfen dabei der Eichelhäher und das Eichhörnchen“, erklärte Knotz einen Teil des Erfolgs. Außerdem werde eine starke Bejagung des Rehwilds organisiert, damit der Verbiss gering bleibt. Entwickelt hat sich in dieser Zeit ein Wald mit vielfältiger Verjüngung und zahlreichen Baumarten. „Eichen, Buchen, Hainbuchen, Lärchen und Birken helfen, den Wald der Zukunft zu bauen“, lobte Peter Pröbstle das Engagement der Stadtförsterei.

Die Versuchsfläche „Schwabach 304“ gehört zum Forstlich-Ertragskundlichen Versuchswesen in Bayern, das vor mehr als 150 Jahren begründet wurde. Heute umfasst das Netzwerk 157 Versuchsstandorte mit rund 1400 Versuchsparzellen im Freistaat. Im Landkreis Roth existiert ein Düngeversuch der Kiefer bei Hofstetten und Waldschutzbeobachtungsfläche bei Kammerstein. Bei Weißenburg gibt es zudem eine Fläche mit einem Fichtendurchforstungsversuch. Der Schwabacher Versuch zeigt dabei besonders eindrucksvoll, was Waldforschung braucht: Zeit. Sehr viel Zeit. 

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Samstag, 26. September 2026 - Aktualisiert am Sonntag, 27. September 2026
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