40 Jahre Kleinkunst im Casa de la Trova

Wendelstein - Die Wendelsteiner Kleinkunstbühne Casa de la Trova hat mit einem Straßenfest 40. Geburtstag gefeiert. Seit zehn Jahren führt Frank Schmidt das Lebenswerk seiner Eltern Christa und Klaus in deren Sinne fort. Pro Jahr setzt er im Schnitt 24 Veranstaltung in Szene. Doch für die Fans des intimen Kunstgenusses mit Wohnzimmeratmosphäre gibt es eine schlechte Nachricht: Ende des Jahres könnte das Casa seine Tore für immer schließen.

  • Mathias Rösels Dixie-Drive-Band hielt die Stimmung auch nach Verlagerung ins Innere der Casa auf hohem Niveau.

    Mathias Rösels Dixie-Drive-Band hielt die Stimmung auch nach Verlagerung ins Innere der Casa auf hohem Niveau.
    © Robert Schmitt

  • Frank Schmidt ist seit zehn Jahren Chef der Casa und hat das Lebenswerk seiner Eltern in deren Sinne weitergeführt. Doch Ende des Jahres will der 58-jährige aufhören.

    Frank Schmidt ist seit zehn Jahren Chef der Casa und hat das Lebenswerk seiner Eltern in deren Sinne weitergeführt. Doch Ende des Jahres will der 58-jährige aufhören.
    © Robert Schmitt

  • Klarinettist und Bandleader Mathias Rösel mit Dixie Drive vor dem Gewitter.

    Klarinettist und Bandleader Mathias Rösel mit Dixie Drive vor dem Gewitter.
    © Robert Schmitt

Frank Schmidt bringt es in seiner Begrüßung der Förderer, Freunde und regelmäßigen Besucher der Casa de la Trova auf den Punkt. „Niemand hätte es für möglich gehalten, dass so eine kleine Bühne so lange überlebt.“ Das erlesene Zentrum der Kleinkunst im Landkreis Roth hat am Sonntag 40. Geburtstag gefeiert. Seit 1986 ist die Casa de la Trova in Wendelstein ein Ort für anspruchsvolle, nicht-kommerzielle Kultur abseits des Mainstreams. „Unsere DNS ist politisches Kabarett und Weltmusik im weitesten Sinne“, fasst Frank Schmidt zusammen. „Keine Comedy und kein Rock, Pop, Schlager.“ 

Das Straßenfest mit wechselnder musikalischer Unterhaltung auf großer Bühne vor dem kleinen Eingang aber könnte durchaus der letzte Geburtstag gewesen sein, der dort gefeiert wurde. Die großen Namen der vier Jahrzehnte Casa-Programm würden damit endgültig Geschichte werden: Sigi Zimmerschied, Urban Priol, Günther Schramm und viele andere. Der erste Auftritt war am 22. Oktober 1986. Der passauer Kabarettist Rudi Klaffenböck gab sich die Ehre. 

Seither hat sich im ehemaligen Hobbyraum eine sehr klein, aber hochfeine Bühne mit moderner Technik und kleiner Bar entwickelt. Etwa 60 bis 70 Zuschauer finden dort Platz. Die Atmosphäre ist also familiär. So gut wie nirgendwo in der Region kommen sich Künstler und Publikum näher. Das Casa war in 40 Jahre häufig der Ort für die Vorpremieren bekannter Kabarettisten. „Sie müssen beides ausprobieren können: Die Wirkung auf der großen und der kleinen Bühne“, weiß Frank Schmidt. 

Nach zehn Jahren, in denen der 58-jährige das Lebenswerk seiner Eltern Christa und Klaus als Verantwortlicher an der Spitze des Trägervereins und für das künstlerische Programm weitergeführt hat, denkt er Ende des Jahres ans Aufhören. „Denn immerhin bin ich gegenwärtig Leiter der größten und kleinsten Versammlungsstätte Nordbayerns“, sagt Schmidt augenzwinkernd.

Im Hauptberuf ist Frank Schmidt nämlich Geschäftsführer des Nürnberger Stadions, das ja große Umwälzungen vor sich hat und deshalb enormen Einsatz erfordert. „Wenn sich niemand findet, der die Kleinkunst-Szene kennt und liebt und die Ehrenamtlichen motivieren kann, dann ist Schluß.“ Schließlich sind die Bühnenabende nur möglich, weil Küche und Kasse, Tresen und Technik von Vereinsmitgliedern geschultert werden. Jüngst sind so etwa 24 Veranstaltungen pro Jahr möglich gewesen. „Zu den Hochzeiten meiner Eltern waren es häufig 50“, erinnert sich Frank Schmidt.

Die Casa de la Trova ist 1986 von der Falken-Kulturkooperative Wendelstein e.V. gegründet worden. 1990 und 1991 folgten die entscheidenden Ausbauprojekte. Der Verein verfolgt seit jeher klare Ziele: Die Belebung der Sinne, aufklärenden Diskurs und die Förderung vergangener wie gegenwärtiger kultureller Werte. Das Haus bietet bewusst Platz für musikalische, kabarettistische und schauspielerische Glanzleistungen, die dem kommerziellen Alltag und kulturellem Populismus entgegenstehen. „Wir wollten kleine Schritte tun, um Menschen mit Kultur Erlebnisse und Erfahrungen zu vermitteln, die im Zuge einer florierenden Eventkultur zunehmend verschüttet werden“, schilderte Casa-Gründer Klaus Schmidt in der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum 2006 die Vereinsziele. 2019 ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.

Der Name „Haus der Trova“ ist aus Kuba importiert. „Trova“ ist eine traditionelle kubanische Musikrichtung. Liedermacher singen zur Gitarre eigene Kompositionen mit romantischen oder gesellschaftskritischen Texten und einer Mischung aus spanischen, afrikanischen und kubanischen Musikeinflüssen. Auf Kuba sind es traditionelle Musikhäuser, in denen Musiker zusammenkommen, improvisieren und auftreten. Klaus Schmidt hat den Namen bewusst gewählt, weil er für intime, authentische und nichtkommerzielle Livemusik steht. 40 Jahre lang also ein Haus der Lieder und Geschichten fernab vom großen Betrieb. 

Über vier Jahrzehnte hinweg hat sich die Casa so als fester Bestandteil des fränkischen Kulturlebens etabliert. Sie brachte unzählige Künstlerinnen und Künstler aus Kabarett, Chanson, Jazz, Weltmusik und Literatur nach Wendelstein. Ehrenamtliche Arbeit bildete dabei immer das Rückgrat. Ein Engagement, das in Zeiten sinkender Helferzahlen zunehmend herausgefordert ist. Die Casa de la Trova steht für Kleinkunst mit Haltung: Intim, vielfältig, mutig und fernab von Massenproduktion. Das Straßenfest zum 40. Geburtstag war ein würdiges Fest der Dankbarkeit an alle, die diese Institution vier Jahrzehnte lang mit Leben gefüllt haben, und ein Aufruf, die Kleinkunstbühne auch in Zukunft zu tragen. Denn selbst nach 40 Jahren lohnt sich die Casa immer. Das Programm bleibt abwechslungsreich und qualitativ hochwertig: Von Chansons bis zu anspruchsvollen Kabarett- und Musikabenden.

Der Verlauf des Geburtstagsfests war angesichts der dunklen Wolken, die gegenwärtig mit der drohenden Schließung über der Casa hängen, hoffentlich als Symbol zu werten. Schließlich zwang ein heftiges Gewitter Gäste und Band bald nach dem offiziellen Beginn aus dem Open-Air-Bereich ins Innere. Nach etwa einer Stunde aber schien die Sonne wieder. Dank des Einsatzes der Casa-Crew war schnell alles so instandgesetzt, dass das Fest wie geplant weitergehen konnte. 

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Montag, 01. Juni 2026 - Aktualisiert am Dienstag, 02. Juni 2026
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