50 Jahre Schloss-Serenade
Kornburg - Der Männergesangsverein Kornburg trägt die Verantwortung für eine der traditionsreichsten Chorveranstaltungen der Region. Seit einem halben Jahrhundert ist das Schloss Kornburg Schauplatz des jährlichen Konzerts.
Viele aus der Region werden es überhaupt nicht wissen: In Kornburg gibt es ein Schloss. Das burgartige Gebäude, umgeben von einer Mauer und einem ehemaligen Wassergraben befindet sich zwischen Kornburger Hauptstraße und Florentiner Straße. Dort thront es inmitten von Wohnhäusern östlich des Evangelischen Gemeindehaus und westlich der Kirche St. Nikolaus. Obwohl die umgebenden Straßen einschlägige Namen wie „Am Schlossgraben“ und „im Schloßhof“ führen, kommt das Kornburger Schloss eher unscheinbar daher. Es ist völlig in die Ortsbebauung integriert. Einmal im Jahr wird es zum Schauplatz einer besonders traditionsreichen Gesangsveranstaltung.
Dann strömen die Besucher über die Zugbrücke durch das imposante Tor in den Hof, um die Schloss-Serenade des Männergesangsvereins Kornburg zu erleben. Sie hatte 1976 Premiere und hätte in diesem Jahr zum 50. Mal stattgefunden, wäre sie während Corona nicht zwei Mal ausgefallen. Noch heute ist ihr Termin regelmäßig eine Woche nach der Kornburger Kirchweih.
Ins Leben gerufen hat den Chorabend Rudolf Löw. Der Kornburger ist 1955 Mitglied des Männerchors geworden und hat 1957 als 18-Jähriger noch vor seinem Musikstudium die Leitung übernommen. 1976 war er Kreischorleiter im Sängerkreis Nürnberg-Schwabach, der zu dieser Zeit mehr als 80 Chöre umfasste. Von den Proben zur ersten Schloss-Serenade existieren heute noch Aufzeichnungen. Im Probenbuch kann man nicht nur nachlesen, wer zu den Übungsabenden im Gasthaus zum Roten Ochsen gekommen ist. Auch das Liederprogramm des ersten Auftritts im Schlosshof ist verzeichnet. „Es zog der Maienwind zu Tal“, das „Rennsteig-Lied“, das „Heidenröslein“ und die „Amselpolka“ gehörten zu den acht ausgewählten Stücken des Auftaktjahres.
Seit 2013 steht Petra Piccu als Dirigentin und Leiterin an der Spitze des Männergesangsvereins. „Musik, die uns schon lange begleitet“, hatte sie als Motto der diesjährigen Schloss-Serenade gewählt. Titelsongs aus Filmen und TV-Serien bildeten den Kern des Programms. Höhepunkt war aber ein Evergreen aus den Hitparaden der 1970er Jahre. „Der Junge mit der Mundharmonika“ hatte Bernd Clüver damals gesungen. Das bot dem 80-jährigen Ernst Markert Gelegenheit für einen wunderbaren Instrumental-Auftritt. Mit der Mundharmonika interpretierte er jene Teile des gefühlvollen Schlagers besonders emotional, die bei dem ein oder anderen Hörer schon 1973 gewiss feuchte Augen zur Folge hatten. „Lilli Marlen“, „La Paloma“, ein Western-Medley und das äußerst rhythmische „Mathilda“ von Harry Belafonte begeisterten das Publikum ebenfalls.
Alexander Ilg ist Musiklehrer am Wendelsteiner Gymnasium. Der 42-jährige Wendelsteiner hat sich auch als Komponist und musikalischer Mentor der katholischen Kirche „Maria Königin“ in Kornburg einen Namen gemacht. Anläßlich des 200. Geburtstags von Johann Strauß hat er zu dessen Ehren zahlreiche Werke des Walzerkönigs in einem Werk für Orchester zusammengefasst. Der „Naschmarkt-Walzer“ macht für das Publikum aber auch auf dem Keyboard großen Spaß, wie Ilg unter Beweis stellte.
Mundharmonika-Solist Ernst Markert ist seit 1983 Mitglied im Männergesangsverein Kornburg. Damals waren noch 35 bis 40 Sänger aktiv. Heute sind es etwa die Hälfte, die das Vereinsleben organisieren und die Schloss-Serenade gestalten. 2001 hat der Chor sein 100-jähriges Gründungsjubiläum gefeiert. Ob er den 150. Geburtstag noch erreichen wird, steht in den Sternen. „Die Alten sterben weg und Neue kommen nicht hinzu“, stellt Ernst Markert resigniert fest.
Er ist seit 22 Jahren Vorsitzender des Vereins mit 96 Mitgliedern. „Schon als ich erstmals gewählt wurde, habe ich es gemacht, dass es überhaupt weitergeht“, weiß er noch heute. Die Schloss-Serenaden seiner Jahre sind ihm in bester Erinnerung. Oft seien namhafte Künstler aus dem Nürnberger Raum dabei gewesen. Egon Helmhagen, Sven Bach oder Johnny Hechtel, zählt er auf. „Rudolf kannte jeden und hat alles organisiert“, würdigt er den ehemaligen Chorleiter. Noch länger zurückblicken können der 89-jährige Martin Beer und der 88-jährige Reinhart Pösl. Beide waren bei 47 von 48 Schloss-Serenaden unter den Chorsängern. „Musik ist schon was schönes“, sagen sie und heben die große instrumentale Vielfalt im Begleitprogramm hervor. „Die Kornburger Stub’nmusi mit Quetsch’n, Klarinette und Zither, heute Alexander Ilg am Klavier.“
Die Schloss-Serenade trägt stets zum Erhalt des Kornburger Wahrzeichens bei. Denn der Eintritt ist frei. Die Spenden des Publikums gehen seit jeher vollständig an Schlosseigentümer Alfred Kraus, der damit Teile des aufwändigen Erhalts finanziert. Erstmals erbaut wurde das Kornburger Schloss im 13. Jahrhundert. Im Verlauf seiner Geschichte ist es mehrmals zerstört und wiederaufgebaut worden. Zahlreiche Erweiterungen bis zu seiner heutigen Erscheinung komplettieren die Baugeschichte des Rieterschlosses, wie es seit 1474 immer genannt worden ist. Zu dieser Zeit erwarb Peter Rieter das Schloss. Es blieb bis 1753 in Familieneigentum und gehörte bis 1812 der Rieter-Stiftung.
