50 Jahre Städtebauförderung für Roth
Roth - Seit 50 Jahren kann die Kreisstadt Roth öffentliche und private Bausubstanz besonders gut erhalten und weiterentwickeln, weil Bund und Land hohe Summen aus der Städtebauförderung überweisen. Das hat man mit einem Fest in der Innenstadt gefeiert. Die Uraufführung eine Info-Films, Informationen zu den Projekten sowie eine umfangreiche Broschüre mit allen Fakten standen im Mittelpunkt.
Wer durch Roth schlendert, ist gewiss beeindruckt von der baulichen Lage der Stadt. An vielen Stellen prägt blitzsaubere historische Bausubstanz verschiedener Epochen das Zentrum und andere Teile der Kernstadt. Doch auch moderne Entwicklungen wie die Kulturfabrik, der neue Verwaltungstrakt hinter dem alten Rathaus und die Stiebertalbrücke setzen charakteristische Maßstäbe. Seit 50 Jahren helfen Bund und Land mit der Städtebauförderung bei der baulichen Entwicklung der Städte und Gemeinden in Deutschland. Am Samstag hat die Stadt Roth den bundesweiten Tag der Städtebauförderung mit einem großen Jubiläumsfest zum 50-jährigen Bestehen des Förderprogramms gefeiert.
Unter dem Motto „50 Tage Städtebauförderung“ hat die Stadt ins Foyer der Stadtbücherei im Schloss Ratibor und in den Markgrafensaal eingeladen. Das Programm bot Rückblicke, detaillierte Informationen zu Projekten und Führungen. Höhepunkt war die Uraufführung eines etwa elf-minütigen Films zur Städtebauförderung: „Eine Stadt verändert sich“, so sein Titel, zeigte Projekte wie Industriemuseum, Bürgerhaus in der Zeughausgasse und Kugelbühlplatz, ließ Zeitzeugen wie ehemalige Bürgermeister, den Stadtbaumeister sowie Investoren zu Wort kommen und vermittelte emotionale Einblicke in die Stadtentwicklung. Stadtbaumeister Wolfgang Baier leitete mehrere Führungen zu den Schlüsselprojekten in der Stadt.
Erster Bürgermeister Andreas Buckreus konnte beeindruckende Zahlen schildern. Seit 1976 sind 352 Maßnahmen in Roth umgesetzt worden. 188 städtische und 164 private. Dabei sind Gesamtinvestitionen von rund 91 Millionen Euro geflossen, davon 33 Millionen von Bund und Land. Für 188 städtische Erneuerungsmaßnahmen hat die Stadt Roth knapp 36,2 Millionen Euro geleistet und zu den 164 privaten Initiativen hat sie 3,885 Millionen Euro beigesteuert. 17,571 Millionen Euro haben die privaten Eigentümer aufgewendet. „Im Jubiläumsjahr sollen die geleistete Arbeit und die tollen Ergebnisse präsentiert und gewürdigt werden“, sagte der SPD-Politiker. Dazu hat die Stadt eine 67-seitige Info-Broschüre mit den bedeutendsten Projekten aufgelegt. Mit Richard Erdmann war auch ein Vorgänger des aktuellen Stadtoberhaupts zu Gast bei der Feier. Auch während seiner Amtszeit von 1999 bis 2011 war die Städtebauförderung ein wichtiger Baustein. "Wenn bei der Regierung noch Geld dafür da war", erinnerte er sich an finanziell bessere Zeiten, "dann konnten wir stets noch Projekte nachschieben, weil auch wir noch Geld hatten."
Stadtbaumeister Wolfgang Baier sah in der Städtebauförderung einen entscheidenden Motor für die Entwicklung einer Stadt. „Denn Städte sind lebendige Organismen, die sich stetig verändern“, sagte Baier. Diesen Wandel müsse man so gestalten, erklärte Baier weiter, „dass Roth auch für kommende Generationen ein lebenswerter Ort bleibt“. Viele Projekte wären ohne die Zuschüsse von Bund und Land schlicht nicht realisierbar gewesen. „Nur so konnten wir die historische Altstadt sanieren, neue Stadtquartiere erschließen sowie Freiräume und Begegnungsorte schaffen“, zählte Baier auf. Die einzelnen Projekte standen auch im Zentrum der Informationen beim Tag der Städtebauförderung.
Begonnen hat sie in Roth mit dem Umbau der damaligen Industriestraße zur Stieberstraße. Einschließlich des Umbaus eines zentralen Leoni-Gebäudes zur Kulturfabrik von 1981 bis 1993 hat das 9,234 Millionen Euro gekostet. 4,006 Millionen Euro hat die Städtebauförderung bezahlt. Die Sanierung des Schlosses Ratibor als Wahrzeichen der Stadt hat von 2006 bis 2023 stattgefunden und mit Gesamtkosten von 5,022 Millionen Euro zu Buche geschlagen. 2,290 Millionen Euro davon kamen aus Berlin und München. Von 1997 bis 2009 ist das Rathaus umgebaut und erweitert worden, was circa zwölf Millionen Euro gekostet hat. Die Förderung durch Bund und Land betrug 2,5 Millionen Euro.
Das Schloss Ratibor war nicht nur Veranstaltungsort des Jubiläumsfestes, sondern auch eines der prominentesten Beispiele der Städtebauförderung. Markgraf Georg der Fromme ließ es 1535 bis 1538 als Jagdschloss errichten. Im 19. Jahrhundert diente es den Fabrikantenfamilie Stieber u. a. als Wohn- und Produktionsstätte. 1942 schenkte die Witwe des Freiherrn Wilhelm von Stieber das Schloss der Stadt Roth. In den 1970er Jahren begann eine grundlegende Sanierung: Der Nordflügel (Marstall) wurde entkernt und beherbergt heute die Stadtbücherei sowie den Markgrafensaal als Sitzungssaal des Stadtrats. Die historische Ausstattung im Hauptgebäude und Südflügel wurde umfassend restauriert. Dort befindet sich das Stadtmuseum und der Prunksaal. Weitere Meilensteine waren:
Ab 2006: Erneuerung des voluminösen Dachstuhls und der Westfassade (ca. 1,8 Millionen Euro). Das Schloss war zeitweise mit Planen verhüllt – eine Phase, die kreativ für Werbebanner genutzt wurde. 2015: Sanierung der Ratsstuben und Anhebung des Bodens im Prunksaal (ca. 1,5 Millionen Euro). 2022: Barrierefreie Umgestaltung des Schlosshofs. Weitere Sanierungen (u. a. Süd- und Ostflügel) sind geplant. Das Schloss soll ein lebendiges Zentrum für Kultur, Verwaltung und Bürgerbegegnung bleiben.
Die Stieberstraße mit der Kulturfabrik (KuFa) waren besonders dicke Brocken. Beides zählte zu den zentralen Führungspunkten und verkörpert den Wandel von industrieller Vergangenheit zu moderner Nutzung. Das ehemalige Fabrikgebäude (erbaut 1918–1920 als Teil der Leonischen Drahtwerke) diente bis 1960 der Drahtproduktion. In den späten 1970er Jahren begann der Umbau zur Kulturfabrik (KuFa) – ein gelungenes Beispiel früher Städtebauförderung. Heute ist sie ein beliebter Veranstaltungsort mit Konzerten, Ausstellungen und Begegnungen. Begleitend entstanden Infrastrukturmaßnahmen wie ein neues Parkdeck. Die Sanierung der Straße und angrenzender Bereiche trug zur Aufwertung des gesamten Altstadtrings bei und verband historischen Charme mit zeitgemäßer Funktionalität.
Die KuFa ist ein Mehrspartenhaus mit einer Veranstaltungshalle von 273 Quadratmetern (bis zu 800 Stehplätze, bestuhlt 450), einer festen ca. 75 Quadratmeter großen Bühne, einem großzügigen Foyer (ca. 400 Quadratmeter) und kleineren Mehrzweckräumen. Sie ist barrierefrei und wird auch von Vereinen und Firmen genutzt. Seit ihrer Eröffnung ist die KuFa der zentrale Veranstaltungsort Roths und die einzige regelmäßig bespielte Kulturstätte der Stadt. Sie ist Hauptspielort der Rother Bluestage, des Kindertheaterfestivals und des Rother Kabarettherbsts. Zahlreiche Größen aus Musik, Kabarett und Theater traten hier auf, u. a. James Brown, Gary Moore, Eric Burdon, Konstantin Wecker, Dieter Nuhr, Monika Gruber.
Die Umnutzung war anfangs nicht unumstritten. So gab es kontroverse Diskussionen im Stadtrat. Sie hat sich aber als großer Erfolg erwiesen und zeigt eindrucksvoll, wie Städtebauförderung industrielle Bausubstanz bewahren und neu beleben kann. Für 2027/2028 ist eine umfangreiche Sanierung der technischen Ausstattung (Brandschutz und Haustechnik) geplant.
Der Rathauskomplex profitierte ebenfalls stark von der Städtebauförderung. Das ehemalige Zeughaus in der Zeughausgasse („Zeughausstüberl“) war ein marodes Gebäude. Es wurde erhalten (Außenwände blieben stehen), kernsaniert und 2020 als Bürgertreff wiedereröffnet – mit barrierefreiem Zugang, Räumen für Vereine und Büros für Stadtplanung.
Weitere Highlights aus der Ausstellung und den Führungen waren das Jugendhaus im Neuen Gässchen, das ein ehemaliger Betsaal der Stieber-Fabrik war. 1991 ist es nach Umbau neu eröffnet worden. Die Gesamtkosten lagen bei rund 2,5 Millionen Euro, davon 1,2 Millionen aus der Städtebauförderung. Heute ein lebendiger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche mit vielfältigen Angeboten. Die Sanierung von Stadtmauer-Fragmenten wie Diebes- und Pulverturm: Erhalt und Restaurierung historischer Befestigungsreste mit hohem denkmalpflegerischem Aufwand. Ebenso öffentliche Plätze, Fassadensanierungen und private Modernisierungen, die das historische Stadtbild stärken.
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