Advent, Advent...

Region - Meist erleben wir die sogenannte „besinnliche“ Zeit als eine Zeit der Hektik, der stauverstopften Straßen, Schlangen in Geschäften, dringenden Jahresabschlüsse und hunderten von Dingen, die unbedingt noch erledigt werden müssen. Doch Hand aufs Herz, wer will das schon so?

  • „Der andere Advent“/Wehrkirche Katzwang

    „Der andere Advent“/Wehrkirche Katzwang
    © Pfarrer Joachim Nötzig

Advent, das soll doch die Zeit sein, in der die Menschen zur Ruhe kommen, ihr Leben entschleunigen, eine Zeit der Vorfreude und der Nähe zu Freunden und Angehörigen, eine Zeit für Herz und Seele, fürs Krafttanken und Innehalten. Doch wie gelingt der Spagat zwischen dem Erledigen vieler anstehender Aufgaben und der dringend nötigen Besinnlichkeit dazwischen?

Die meier Redaktion spricht mit Joachim Nötzig, dem evangelischen Pfarrer für die Kirchengemeinde Katzwang. 

„Plätzchen, Punsch, Glühwein und Lebkuchen“

so seine ersten Worte auf die Frage nach dem Advent. Überraschend für einen Geistlichen, könnte man meinen, doch im Gesprächsverlauf wird klar, was Pfarrer Nötzig damit sagen möchte. Sich mit den Menschen hinzusetzen, bei Gemeindesitzungen, im Religionsunterricht, in der Seelsorge, im Kindergarten, in der Familie, im Freundeskreis und gemeinsam Plätzchen, Glühwein und Lebkuchen zu genießen bedeutet: Runterkommen, zusammen langsamer machen. Denn es sind doch genau diese Begegnungen, die dem Advent seine Wärme und Besinnlichkeit verleihen. Und auch in einer Kirchengemeinde und bei den vielen Aufgaben, die der Beruf eines Pfarrers mit sich bringt, ist der Trubel in der Vorweihnachtszeit enorm und das bewusste Entschleunigen umso wichtiger.

Ein symbolisches Zeichen sieht der Seelsorger aus Katzwang beispielsweise in traditionellen Adventskalendern. 

„Sie helfen beim Zur-Ruhe-Kommen“

dabei meint er insbesondere die Kalender, deren Inhalt mit Liebe gewählt wurde – sei es selbstgemacht oder mit Bedacht eingekauft. Kleine Aufmerksamkeiten, Bilder, Gedanken, Sprüche. Jeden Tag ein neues Türchen, Vorfreude und Wertschätzung. Jeden Tag eine kleine, lieb gemeinte Botschaft im Alltagsstress, mit deren Hilfe sich Schritt für Schritt die Freude aufs Weihnachtsfest einstellen kann.

Mit seiner Kirchengemeinde und Unterstützung der Katzwanger Feuerwehr, der Kärwaburschen und der Landfrauen sowie dem Eine-Welt-Laden organisiert Joachim Nötzig zur Einstimmung auf die Adventszeit

den „Anderen Advent“.

Einen schönen Adventsmarkt, der ganz bewusst weg von Kommerz und Konsumzwang gestaltet wird. Ein Markt zum Basteln und Geschichten erzählen, ein Raum für Begegnungen, zum gemeinsamen Essen und Trinken, zum Kosten, Reden, Erleben und Beisammensein.

Der beliebte „Andere Advent“ findet am Samstag, vor dem ersten Adventssonntag, dem 26. November von 16 bis 20 Uhr, rund um die schöne Kulisse der Katzwanger Wehrkirche statt. Romantisch und besinnlich mit Musik, Feuerschalen und Kerzenschein im Wehrgang. „Es helfen alle mit. Das fördert den Zusammenhalt und stärkt die Gemeinschaft, schafft Nähe und vertreibt die Einsamkeit“.

Fasten und Verzicht, auch das passt in die Adventstage

findet Pfarrer Nötzig. Er selbst verzichtet in den Wochen vor Weihnachten auf den Konsum von Fleisch. Dieses persönliche Statement ist ihm wichtig. Er möchte damit ein positives Zeichen für die Entwicklung in der Welt setzen. Es gehört für ihn dazu, um sich auf das Wesentliche zu besinnen und Ziele und Wege wieder neu zu definieren.

Sich selbst zu finden und den eigenen Wert erkennen

Das wünscht sich der Pfarrer aus Katzwang von Herzen für die Menschen da draußen. Mit Gott kam für ihn die Anerkennung auf die Welt. Und wenn es etwas ist, das er sich für die besinnliche Adventszeit wünscht, dann ist es „dass die Menschen ihren eigenen Wert erkennen können und ihr Tun und Handeln danach ausrichten“. 

Die Adventsgottesdienste zum zweite, dritten und vierten Advent finden in diesem Jahr in der Katzwanger Hoffnungskirche am Friedhof statt.

Ein wichtiges Zeichen der Kirchengemeinde für das Einsparen von Energie, da das Beheizen der schönen, stattlichen Wehrkirche einen wesentlich höheren Energieverbrauch mit sich bringt und dies nur moralisch und wirtschaftlich vertretbar ist, wenn alle Plätze benötigt werden. Deshalb werden nur die Weihnachts-Gottesdienste und der Gottesdienst zum ersten Advent in der Wehrkirche abgehalten.

Von: Anja Albrecht (meier Redaktion), Freitag, 04. November 2022 - Aktualisiert am Mittwoch, 23. November 2022
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