Aus für den Gießroboter
Schwabach - Das meier Magazin hat bereits mehrmals über den Einsatz eines Gießroboters der Gärtnerei Schwarz auf dem Schwabacher Waldfriedhof berichtet. Nach mehreren Probebetrieben hat der Schwabacher Ausschuss für Bau, Umwelt und Mobilität dem Projekt nun den Todesstoß versetzt. "Die Schäden sind nicht akzeptabel", hieß es. Gärtnerei-Chef Heino Schwarz sieht eine Behinderung des Fortschritts.
Nach acht Jahren Hin und Her ist nun endgültig Schluss. Der Schwabacher Ausschuss für Bau, Umwelt und Mobilität hat es mit knapper Mehrheit abgelehnt, dem Gießroboter auf dem Waldfriedhof eine dauerhafte Betriebserlaubnis zu erteilen. Damit ist die Limbacher Gärtnerei Schwarz nach jahrelangem Einsatz und mehreren monatelangen Probebetrieben damit gescheitert, eine innovative Entwicklung in Schwabach dauerhaft zu verankern.
Hauptgrund für die Ablehnung waren die Schäden, die der Roboter in mehreren Probebetrieben verursacht hatte. Das hat die Friedhofsverwaltung mit Bildern aus den Jahren 2025 und 2026 dokumentiert. „Kaputtgemacht haben wir nichts“, erklärte Gärtnerei-Chef Heino Schwarz auf Nachfrage. „Es sind Abdrücke und Spuren auf Rasenflächen entstanden.“ Etwa zehn weitere so genannte „Drehschäden“ hätte die Gärtnerei im Herbst selbst nachgesät.
Nach den Darstellungen des zuständigen Baubetriebsamts in der Beschlussvorlage lässt sich insgesamt aufgrund gewisser Maßnahmen „eine maximale Verbesserung der Schadenssituation gegenüber dem Probebetrieb 2025 feststellen“. Trotzdem bleibe festzuhalten, „dass der Gießroboter auf den unbefestigten Flächen des Waldfriedhofes Fahrspuren und in Bereichen mit Gefälle oder Steigungen sowie auf häufig befahrenen Strecken dauerhafte Schäden am Untergrund hinterlässt.“ Diese ließen sich auch perspektivisch nicht durch weitere technische Maßnahmen komplett vermeiden. Eine Zunahme von sichtbaren Fahrspuren bei anhaltender Trockenheit im zweiten Halbjahr sei nicht auszuschließen, hieß es.
Der Gießroboter versorgt nach Angaben der Familie Schwarz gegenwärtig 300 Gräber mit Wasser. Weitere knapp 300 werden per Hand gegossen. Die 50 Grabstellen der „Sonnenspirale“ erhalten ihr Wasser per Beregnung, was Heino Schwarzs Angaben zufolge den doppelten Wasserverbrauch mit sich bringt wie mit dem Roboter. Sein Einsatz garantiert zweierlei: Geringeren Bedarf an ohnehin knappem Fachpersonal, somit geringere Kosten und damit die Möglichkeit für die oft hochbetagten Eigner, ihre Grabstelle zu behalten. „Nun aber werden wir zwischen 200 und 300 Gräber kündigen müssen, weil uns das Personal fehlt“, so Senior-Chef Heino Schwarz. Für die Preisfrage verweist Schwarz auf andere Friedhöfe in der Region. Dort werde nach tatsächlichen Gießgängen bezahlt oder das Gießen ausschließlich monatlich angeboten. „Da kommen dann meist Gesamtpreise heraus, die über dem doppelten meiner aktuellen Schwabacher Pflegepreise liegen“, glaubt Schwarz. Ein Jahr Grabpflege auf dem Waldfriedhof kostet bei ihm 220 Euro. „Das ist nicht haltbar, wenn wir Fachpersonal einsetzen müssen“
Die Grabpflege auf dem Waldfriedhof ist von mehreren Faktoren bestimmt, die sie langfristig teurer machen, sagt Heino Schwarz. Die Sommer würden heißer, die Niederschläge geringer, und zugleich habe der Friedhof Sandboden. Konkret bedeute das: „Der Gießaufwand nimmt zu.“ Trotz einer Ausbildungsoffensive sei es der Gärtnerei nicht gelungen, beim Personal den Generationenwechsel hin zu einer jüngeren Mannschaft zu gestalten. Und drittens stiegen die Lohnkosten regelmäßig.
Folge höherer Preise könnte sein, dass viele ihre Grabstelle aufgeben. „Das würde das Kulturgut ‚Waldfriedhof‘ bedrohen“, ist Schwarz überzeugt. Er verweist außerdem auf die ökologischen Werte des mitentwickelten und selbst programmierten vollautomatischen Gießroboters. „Er fährt mit Ökostrom und verbraucht knapp acht Prozent weniger Wasser“, schildert Schwarz die Vorteile. Für die Zukunft sieht er aber keine Chance mehr für einen Einsatz. „Das Thema ‚Gießroboter‘ ist in Schwabach durch“, ist er überzeugt. „Solange ich noch Chef bin, werden wir keine weiteren Anträge mit Verbesserungen stellen, denn wir haben ungefähr 150 000 bis 180 000 Euro in den Schwabacher Gießroboter gesteckt“, rechnet Schwarz vor.
Dass der Bestand des Waldfriedhofs bedroht wäre, wenn es dort keinen Gießroboter geben wird, das sieht man im Baubetriebsamt anders. „Wir werden Konzepte entwickeln, um den Bestand zu sichern, denn wir sind stolz auf den Waldfriedhof“, sagte Baubetriebsamtsleiter Matthias Eitel auf Nachfrage.
Erstaunlich ist, dass je ein Gießroboter aus dem Hause Schwarz seit 2022 auf dem Rednitzhembacher und seit 2024 auf dem evangelischen Friedhof in Ansbach arbeitet. Jeweils ohne die geringsten Beanstandungen. An beiden Orten wird das vollautomatisierte Gießen sehr geschätzt. Die Schwabacher Problematik, dass teils unübersehbare und sanierungsbedürftige Schäden auf Wegen, an Grabstellen und den Tankstationen entstehen, liegt nach Darstellung von Baurat Ricus Kerckhoff am sandigen Untergrund und der Topographie des Waldfriedhofs. An vielen Stellen gebe es eine Hanglage, zahlreiche Rasenflächen seien hügelig und manche Gräber ließen sich nicht über befestigte Wege erreichen, ergänzte das Baubetriebsamt. Kerckhoff zufolge sind die Schäden im neuerlichen Probebetrieb seit März zwar zurückgegangen. „Sie sind aber immer noch nicht akzeptabel“, so die Meinung des Baurats. Heino Schwarz berief sich allerdings auf die Beschlussvorlage. „Danach sieht das selbst die Friedhofsverwaltung anders“, erklärte er auf Nachfrage.
Laut Heino Schwarz ist der Ansbacher Stadtfriedhof um ein wesentliches herausfordernder als der Schwabacher Waldfriedhof. „Der Heilig-Kreuz-Friedhof in der Bezirkshauptstadt ist nicht so ein junges Ding, wie der Schwabacher Waldfriedhof. Er habe schon ein paar Jahrhunderte mehr auf dem Buckel. „Als umsäumter Pestfriedhof gestartet wurde jahrhundertelang auf jedem freien Platz beerdigt.“ Dementsprechend wenig befahrbare Wege gebe es. „Dagegen ist der Schwabacher Waldfriedhof total einfach.“
Die Entscheidung des Ausschusses war recht schnell ohne große Diskussion getroffen. Ausschließlich die Grünen Ausschussmitglieder brachten eine Anregung ein, die vom ablehnenden Beschlussvorschlag des Oberbürgermeisters abwich. „Wir könnten uns vorstellen, den Betrieb weiterzuführen, wenn die Schäden regelmäßig auf Kosten der Gärtnerei beseitigt werden, wenn die Programmierung regelmäßig angepasst und eine Gebühr für die Verwaltungsprozesse bezahlt wird“, so Stadtratsmitglied Bernhard Spachmüller (Grüne). „Das hätten wir sofort unterschrieben“, sagt Heino Schwarz. Schließlich habe man eine ganz ähnliche Vereinbarung bereits mit dem Baubetriebsamt besprochen.
Eine Abstimmung darüber ist letztlich daran gescheitert, dass der Antrag nicht schriftlich vorlag, denn Bürgermeister und Ausschussvorsitzender Oliver Memmler drängte auf eine Entscheidung. „Das ist alles gut gemeint, aber die Kriterien sind wachsweich, deshalb stimmen wir nun auf der Grundlage der Fakten über den Beschlussvorschlag ab“, lautete Memmlers Kommentar zur Wortmeldung der Grünen. Neun Ausschussmitglieder stimmten zu. Sieben waren dagegen. Darunter Axel Rötschke. Er hatte sich vom Innovationsgeist der Familie Schwarz überzeugen lassen. „Ich bin sicher, dass es in Zukunft einmal einen Gießroboter auf dem Waldfriedhof geben wird“, prognostizierte der CSU-Fraktionschef.
Den Betrieb eines Gießroboters sieht Heino Schwarz allerdings auch jenseits seiner Firma äußerst kritisch. „Bei einer einzigen Firma in Europa, die aktuell Gießroboter herstellt, liegt das eher im Bereich eines Märchens“, wird er recht deutlich. „Selbst wenn von außen jemand kommen sollte und die ultimative Technologie mitbringt, müsste der schon total unbeeindruckt sein von solch jahrelanger Diskussion, um wieder so ein Projekt in Schwabach zu beginnen.“ Hier werde sich keiner die Finger verbrennen, ist Schwarz überzeugt. „Dafür gibt es genügend Friedhöfe, bei denen die Zuständigen deutlich entspannter reagieren und sich die Politik nicht dem Fortschritt in den Weg stellt“, sagte der enttäuschte Schwabacher Unternehmer.
