Bayerns Ausgleichsflächen unter der Lupe

Region - Expertinnen und Experten im Auftrag des LBV bewerten derzeit bayernweit Kompensationsmaßnahmen – Bericht über Missstände und Erfolge

  • Orchideen auf Ausgleichsfläche

    Orchideen auf Ausgleichsfläche
    © Marianne Kunkel / LBV Bildarchiv

Hilpoltstein/Freising, 19.05.21 – Derzeit sind auf den Ausgleichsflächen im Freistaat Expertinnen und Experten unterwegs. Noch bis Ende Mai bewerten vier unabhängige Planungsbüros im Auftrag des bayerischen Naturschutzverbands LBV rund 60 Kompensationsmaßnahmen überall in Bayern. Auf den nach Eingriffen in Natur und Landschaft gesetzlich geforderten Ausgleichsflächen können und sollen wertvolle Lebensräume entstehen, die im durch das Volksbegehren gesetzlich verankerten Biotopverbund zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Allerdings sieht die Realität im Freistaat oft anders aus: in den vergangenen Jahren haben LBV-Studien und andere wissenschaftliche Arbeiten aus verschiedenen Landkreisen immer wieder Defizite bei der Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen aufgezeigt. Demnach wird im Schnitt jede vierte Ausgleichsfläche erst gar nicht umgesetzt. Etwa die Hälfte der Flächen befindet sich laut der Studien in einem mäßigen bis schlechten Zustand. Im Rahmen des LBV-Projekts sind deshalb aussagekräftige und aktuelle Fallbeispiele gefragt. Mithilfe der Ergebnisse der Bewertungen will der LBV konkret auf Missstände und Erfolge bei Ausgleichsflächen aufmerksam machen. „Eines ist jetzt schon klar: Das wird kein Spaziergang. Unzureichend umgesetzte Ausgleichsflächen sind leider keine Einzelfälle“, so der erste Eindruck von Elisabeth Fisel, eine der beauftragten Landschaftsarchitektinnen.

Nach Erfahrungen der Expert*innen sind oft nur Teile der Ausgleichsverpflichtung verwirklicht, zum Beispiel Gehölzpflanzungen. Andere Maßnahmen wiederum, zum Beispiel die fachgerechte Anlage einer arten- und blütenreichen Wiese, haben nicht stattgefunden. Es gibt aber auch Beispiele, auf denen jetzt schon wertvolle Lebensräume entstanden sind. „Da diese Ausgleichsflächen ja Verluste für Natur und Landschaft aufgrund von Bauvorhaben ausgleichen sollen, schauen wir genau hin, um die tatsächliche Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen zu beurteilen. Gleichzeitig ist es wichtig, vergleichbare und objektive Ergebnisse zu erhalten. Ich arbeite für dieses Vorhaben besonders gerne mit dem LBV zusammen, weil wir dazu beitragen können, dass in Zukunft hoffentlich wesentlich mehr und am besten alle Ausgleichsflächen zu Erfolgsgeschichten für die Artenvielfalt werden“, so die Landschaftsarchitektin von Fisel und König, einem der Planungsbüros, die der LBV mit der Bewertung der Ausgleichsflächen beauftragt hat.

Doch wie genau werden die Ausgleichsflächen bewertet? Die Expert*innen der Planungsbüros unterziehen jede Ausgleichsfläche einem Ist-Soll-Vergleich. Das bedeutet, dass der derzeitige Zustand der Ausgleichsfläche mit dem festgelegten Zielzustand verglichen wird. Der Zielzustand ist für jede Ausgleichsfläche im Rahmen der Bauleitplanung bereits konkret definiert, sowohl was die Anlage als auch eine gegebenenfalls erforderliche Pflege betrifft. Dabei kann es sich beispielsweise um das Anlegen und die Pflege von Streuobstwiesen oder extensivem Grünland handeln. Aber auch die Renaturierung von Gewässern oder die Schaffung spezieller Lebensräume für Amphibien, Vögel oder Kleinsäuger kommen als Entwicklungsziele in Frage.

Mit einem kurzen Spaziergang auf der Blumenwiese ist die Arbeit der vom LBV beauftragten Expert*innen nicht getan. „Für jede Fläche füllen wir ein vom LBV vorgegebenes, mehrseitiges Bewertungsprotokoll aus. Je nachdem, welcher Zielzustand vorgesehen ist, werden unterschiedliche Kriterien zur Bewertung herangezogen“, erklärt Elisabeth Fisel. „Wenn zum Beispiel auf einer Ausgleichsfläche eine magere Extensivwiese vorliegen soll, untersuchen wir unter anderem, ob die richtigen Standortbedingungen hergestellt worden sind, ob typische Arten vorkommen und ob geeignete Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Bewertung werden dabei zusätzlich in einem kurzen Bericht dargestellt“, erklärt Fisel weiter.

In diesem Bericht können die Expert*innen der Planungsbüros auch eine Einschätzung abgeben, welche Maßnahmen notwendig sind, um Ausgleichsflächen zu verbessern, die den Zielzustand noch nicht erreicht haben. Relevant sind einerseits detaillierte Planungsvorgaben und in der Folge die richtigen Anlage- und Unterhaltungsmaßnahmen. So sollen in Zukunft auf allen Ausgleichsflächen wertvolle Biotope entstehen, die dazu beitragen, dass der Artenschwund in Bayern gebremst wird und tatsächlich ein naturschutzfachlicher Ausgleich für Eingriffe durch Baumaßnahmen erreicht werden kann. Die Ergebnisse der Bewertungen will der LBV im frühen Sommer dieses Jahres veröffentlichen.

Hintergrund
Details zum LBV-Projekt Ausgleichs- und Ersatzflächen und zu den politischen Forderungen des LBV zur Kompensation in Bayern finden Sie unter www.lbv.de/ausgleichsflaechen. Wer sich einen Überblick über die Ausgleichsflächen in der Umgebung verschaffen will, kann dafür die LBV-App AuFi unter www.lbv.de/aufi nutzen. Mit AuFi können Ausgleichsflächen ganz einfach gefunden und Beobachtungen zu den Flächen gemeldet werden. Antworten auf die häufigsten Fragen zu Ausgleichs- und Ersatzflächen finden Sie online unter www.lbv.de/ausgleichsflaechen/faq-ausgleichsflaechen/

Von: Markus Erlwein (LBV-Pressestelle), Mittwoch, 19. Mai 2021
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »LBV Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/lbv-bayern

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