Bewegende Lesung in Allersberg – Eine Geschichte gegen das Vergessen
Allersberg - Die Initiative „Allersberg ist bunt“ hatte die Illustratorin Stefanie Lunkewitz eingeladen, um ihr Buch „Ich war Eva Diamant“ vorzustellen. Es handelt von der berührenden Lebensgeschichte der heute 93-jährigen Eva Szepesi, einer Holocaust-Überlebenden, die als Kind die Schrecken des NS-Regimes erlebte.
Ein voller Saal, andächtige Stille und sichtlich bewegte Gesichter: Am 20. April verwandelte sich das evangelische Gemeindehaus in Allersberg in einen Ort der Erinnerung. Die Initiative „Allersberg ist bunt“ hatte die Illustratorin Stefanie Lunkewitz eingeladen, um aus ihrem Bilderbuch „Ich war Eva Diamant“ zu lesen – eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Das Publikum, bunt gemischt aus Menschen aus nah und fern, tauchte ein in die Welt der heute 93-jährigen Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi, die als Kind den Namen Eva Diamant trug. Lunkewitz’ Kunst vermochte es, die Zuhörer*innen mitzureißen: In ihren Gouache-Illustrationen spiegeln sich Schmerz und Ohnmacht eines jüdischen Mädchens, das zunächst eine glückliche Kindheit in Ungarn hatte und dann die Grauen der NS-Zeit mit Flucht und Deportation nach Auschwitz-Birkenau erleben musste.
Doch dieser Abend war mehr als eine Lesung. Lunkewitz gewährte Einblicke in die Entstehung des Buches, das aus einer tiefen Begegnung entstand: Nach einem Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz 2014 reifte in ihr der Wunsch, selbst einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten. Eine Begegnung mit Eva Szepesi wurde zum Wendepunkt. „Wenn eine Shoah-Überlebende berichtet, hat man zuzuhören“, sagte Lunkewitz – und so saß sie viele Stunden lang in Evas Wohnzimmer in Frankfurt, hörte zu, zeichnete und korrigierte. In vielen Stunden Arbeit entstanden die 20 finalen Illustrationen, jede wurde mit Szepesi abgestimmt.
Die Besucherinnen im Saal lauschten gebannt. Die Geschichte des jüdischen Mädchens Eva Diamant ließ niemanden unberührt – weil es eine wahre Geschichte ist. Zahlreiche Fragen der Zuhörerinnen folgten, auch Persönliches aus dem Leben der Zeitzeugin kam zur Sprache. Eva Szepesi konnte an dem Abend in Allersberg nicht persönlich anwesend sein, obwohl sie sich auch im hohen Alter noch unermüdlich gegen das Vergessen einsetzt und viele Termine wahrnimmt. Aber ihre Präsenz war doch spürbar.
„Nur wenn man sich erinnert, kann man aufklären“, sagte Lunkewitz. Ein Satz, der über den Abend hinaushallt und daran erinnert, dass Erinnerung nicht nur Sache von Initiativen oder Gedenkstätten ist – jede*r Einzelne trägt die Verantwortung, die Stimmen der Zeitzeug*innen weiterzutragen. Gerade heute.
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