„Caution! Banned Books“

Region - Verbotene Bücher in den USA – Gemeindebücherei Wendelstein setzt ein Statement.

  • Auswahl an „Banned Books“ im zweiten Stock der Gemeindebücherei

    Auswahl an „Banned Books“ im zweiten Stock der Gemeindebücherei
    © Alexandru Măgurean

Seit einem halben Jahrzehnt werden in den USA immer mehr Bücher aus den Regalen von Bibliotheken und Schulen entfernt – oft ohne plausiblen Grund. Tausende von Büchern sind jährlich betroffen. In Wendelstein wird, trotz der räumlichen Ferne dieser Ereignisse, Initiative gegen die massenhafte Zensur gezeigt.

So startete die Gemeindebücherei im Altort Wendelsteins kürzlich eine Aktion gegen die Verbote, indem sie eine Auswahl der betroffenen Werke aus ihrem Sortiment besonders prominent ausstellte. Unter der Überschrift „Caution! Banned Books“ werden Bücher wie das Tagebuch der Anne Frank oder auch Klassiker wie „Die Tribute von Panem“ zum Ausleihen angeboten.

Beim Gespräch in der Bücherei schilderte Lilli Langhans den Grund ihrer Aktion: Ihrer Meinung nach könne man die kontroverse Geschichte oder kulturelle Probleme eines Landes mit solchen Zensuren nicht vertuschen. Außerdem dürfe eine Regierung dem Volk nicht die eigenen Ideale aufzwingen. Man solle Jugendliche aufklären und ihnen die Chance geben, sich ihre eigenen Meinungen zu bilden. Zensuren und Verbote seien dabei keine Hilfe.

Wie es zu den Verboten kam, ist aber ziemlich einfach: Vor allem seit Donald Trumps zweiter Amtszeit stürzen sich konservative Gruppen wie die „Parents Defending Education“ („Eltern, die die Bildung beschützen“) auf lokale Bibliotheken und Schulen. Sie reichen unzählige Beschwerden ein und drohen mit kostspieligen Gerichtsverfahren – irgendwann geben die Einrichtungen von selbst nach.

Unter dem Vorwand, sie seien „zu gewaltvoll“ oder „zu sexuell“ für Jugendliche, drängen sie überwiegend zur Zensur von Büchern mit queeren Themen oder Gesellschaftskritik. Doch auch vor Fantasy-Büchern wird kein Halt gemacht: Das Verbot von „Harry Potter“ wurden mit „satanistischen Inhalten“ und der „Verherrlichung von Magie und Zauberei“ begründet. Laut der Organisation „PEN America“ sind mittlerweile an die 10.000 Werke von Zensuren betroffen, die Dunkelziffer weit höher.

Es entstanden schnell Gegenbewegungen wie der „Banned Book Club“ oder die „Banned Books Week“, welche die zensierten Bücher weiterhin zur Verfügung stellen. Beide Organisationen versuchen, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

Der Banned Book Club bietet über Umwege viele der Bücher weiterhin für Jugendliche online an. Die Banned Book Week hingegen regt dazu an, vor allem im Netz auf die Zensuren aufmerksam zu machen und sich dagegen auszusprechen. Sie veröffentlichen jährlich eine Liste mit den „Top 10 umstrittensten Büchern“, gegen welche am meisten Beschwerden eingereicht wurden. Dieses Jahr war es das Buch „All Boys Aren't Blue“ von George M. Johnson, welches sich gegen klassische Geschlechterrollen ausspricht.

Falls du die ganze Top-10 der am meisten betroffenen Bücher sehen willst, geht das unter: www.bannedbooksweek.org/about/ – und wie immer freue ich mich über dein Feedback an  jugendredaktion@meier-magazin.de

Von: Alexandru Magurean (Jugendredaktion), Freitag, 26. September 2025 - Aktualisiert am Sonntag, 28. September 2025
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