CSU Roth feiert 80. Geburtstag
Roth - Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer war eigens aus Berlin gekommen, um der CSU in der Kreisstadt zu gratulieren und hob dabei die enorme Bedeutung der politischen Basisarbeit hervor. Zwei ihrer herausragenden Repräsentanten in Roth sind dafür geehrt worden. Der 80-jährige Heinz Bieberle und der 86-jährige Leonhard Steib sind jeweils seit einem halben Jahrhundert Mitglied der CSU.
In diesem Jahr kann nicht nur der CSU-Kreisverband 80. Gründungsjubiläum feiern. Auch die CSU Roth ist vor 80 Jahren aus der Taufe gehoben worden. Bereits am 6. Januar 1946 haben sich ihre Gründungsväter im Gasthaus „Zum Goldenen Hirschen“ getroffen, um eine bayerische Volkspartei zu gründen, die über Jahrzehnte hinweg sowohl die Kreisstadt als auch den Freistaat geprägt hat. Zur Geburtstagsfeier mit vielen regionalen CSU-Repräsentanten sowie Gästen war als Hauptgratulant Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer nach Roth gekommen, der in einer etwa einstündigen Rede Einblick in seinen privaten wie politischen Lebenslauf ermöglichte. Seine Erfahrungen aus dem ersten knappen Jahr als Minister in Berlin schilderte er ebenfalls.
Absoluter Höhepunkt aber war die Ehrung zweier langjähriger Mitglieder für ihre Treue und ihren Einsatz: Das aktive Stadtratsmitglied Heinz Bieberle und das ehemalige Stadtratsmitglied Leonhard Steib haben die Rother CSU in mehr als der Hälfte der Zeit ihres Bestehens geprägt. Beide sind für 50-jährige Mitgliedschaft in der CSU ausgezeichnet worden. Die Leistungen der Kommunalpolitiker sind mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt worden. Der Rother CSU-Chef Gerd Müller und Daniela Matulla als Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion gehörten zu den ersten Gratulanten.
„Sie stehen für Verantwortung in unserer Partei über Jahrzehnte hinweg: Ohne großes Aufheben, aber mit großer Wirkung“, sagte Matulla, um schließlich die zentralen politischen Persönlichkeitsmerkmale der beiden CSU-Senioren zu schildern: „Sie repräsentieren das, was Kommunalpolitik im Kern ausmacht: Verlässlichkeit, Präsenz und Einsatz.“
Der 80-jährige Bieberle sitzt seit 1996 ununterbrochen im Stadtrat. Von 2002 bis 2014 war er Fraktionsvorsitzender der CSU. Von 2014 bis 2020 versah er das Amt des Dritten Bürgermeisters. Bieberle ist Geschäftsführer des Kreisverbands und tritt bei der kommenden Kommunalwahl erneut an. Der 86-jährige Steib war Einzelhändler in Roth und zog ebenfalls 1996 in den Rother Stadtrat ein. Mit einer Pause in den Jahren von 2008 bis 2011 vertrat er dort die Interessen der Bürger bis 2014.
Daniel Matulla war es auch, der einen kurzen Blick auf 80 Jahre CSU in Roth warf und dabei ihre Entwicklung als Stadtratspartei in den Mittelpunkt stellte. „Die CSU hat sich das Vertrauen der Rotherinnen und Rother erarbeitet“, erklärte Matulla, ehe er schilderte, dass die CSU nach der ersten Kommunalwahl 1946 mit drei Stadtratsmitgliedern vertreten war. 1952 waren es sogar nur zwei. Die Mehrheit im damals 15-köpfigen Gremium stellte lange die SPD. Das hat sich 1978 geändert. „Bei der Wahl am 5. März erreichte die CSU erstmals Stimmenmehrheit im Stadtrat, und seitdem sind wir stärkste Fraktion im Gremium und stehen für Stabilität, Maß und Gestaltungswillen“, so der Fraktionschef.
80 Jahre CSU in Roth, das sind für Matulla vor allem auch Menschen. „Hans Popp, Manfred Weiß, Georg Engelhardt, Jürgen Gsänger, Günther Fichtner, Hans Gsänger und Helga-Maria von Schlenk als zweite Frau überhaupt im Rother Stadtrat“, zählte der promovierte Politologe Parteimitglieder auf, die sich über die Jahrzehnte hinweg um die Rother CSU verdient gemacht haben. Ebenso hob er den heutigen Bundestagsabgeordneten Ralph Edelhäußer hervor. „Er war von 2011 bis 2021 einziger CSU-Bürgermeister Roths.“ Matulla dankte aber auch den vielen Menschen innerhalb der CSU, die man nicht immer auf Stimmzetteln finde, die sich aber als fleißige Arbeiter für die Partei zeigten. „Ohne diese Basis würde Kommunalpolitik nicht funktionieren“, war Matulla überzeugt.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sah es ebenso. Er richtete zu Beginn sofort einen „Dank an die treuen Mitglieder der CSU, denn ohne Basisarbeit und Multiplikatoren vor Ort geht gar nichts“, so der Gast aus Berlin. Ebenso brach er eine Lanze für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume in Deutschland. „Für mich gehören die Bauern und ihre Arbeit zur kritischen Infrastruktur in unserem Land, denn ohne sie fehlt uns die Ernährungssouveränität.“ Rainer forderte deshalb einen entschiedenen Bürokratieabbau sowie mehr Planungssicherheit für die Landwirtschaft. Ebenso trat er für mehr Tierwohl, bessere Exportchancen für deutsche Produkte und eine pragmatische Wolfspolitik ein.
Selbst für eingefleischte CSU-Mitglieder wird seine Familiengeschichte eine Überraschung gewesen sein. Die Rainers aus Haibach im Landkreis Straubing werden häufig als „Kennedys des Bayerwalds“ bezeichnet. Sie sind eine der bekanntesten CSU-Familien Bayerns mit langer politischer Tradition. Vater Alois war Erster Bürgermeister seiner Heimatgemeinde sowie Landtags- und Bundestagsabgeordneter. Sohn Alois Rainer war ebenfalls 18 Jahre lang Erster Bürgermeister und ist 2013 in den Bundestag gewählt worden. Eine seiner fünf Schwestern ist Gerda Hasselfeldt. Die 75-Jährige war von 2011 bis 2017 die erste Frau als Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Von 2005 bis 2011 war sie Vizepräsidentin des Bundestags und von 1989 bis 1992 gehörte die diplomierte Volkswirtin als Ministerin dem zweiten und dritten Kabinett Kohl an.
CSU-Kreisvorsitzender Volker Bauer setzte die Leistungen der Rother CSU-Mitglieder hoch an. „Ihr seid 80 Jahre für Frieden, Freiheit und Demokratie in Roth eingetreten und habt dabei vieles richtig gemacht“, so der Kammersteiner Landtagsabgeordnete. Der Rother Bundestagsabgeordnete Ralph Edelhäußer sprach sich klar für eine stärkere Verteidigungsbereitschaft Deutschlands aus. Bezirksrätin Cornelia Griesbeck und Kreistags-Fraktionsvorsitzender Michael Kreichauf betonten beide die Notwendigkeit einer Reform des Sozialstaats. Außerdem trat Kreichauf dafür ein, die gesamten Investitionshilfen aus Berlin im Landkreis Roth dafür zu verwenden, „die Berufsschule auf den neuesten Stand zu bringen“.
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