Dachbodengespräch bei Karl Freller
Schwabach - Der Schwabacher Landtagsabgeordnete Karl Freller hat zu seinem 138. Dachodengespräch eingeladen. Thema: Die Zukunft des Handwerks.
Thomas Pirner (CSU) ist nicht nur Landtagsabgeordneter aus dem Stimmkreis Nürnberg-Nord. Der Friseurmeister hat als langjähriges Nürnberger Stadtratsmitglied Erfahrung in der Kommunalpolitik und ist seit 2015 Präsident der Handwerkskammer Mittelfranken. Er ist also erster Ansprechpartner für die Nöte des Handwerks im gesamten Bezirk. Diese Kompetenz hat nun Karl Freller genützt. Denn beim 138. Dachbodengespräch des Schwabacher Landtagsabgeordneten ging es um die Zukunft des Handwerks.
Der Kreishandwerksmeister Klaus Weber und fünf weitere Schwabacher Meister diskutierten mit den Politikern über Bürokratie, Betriebsnachfolge und Nachwuchsmangel. Dabei zeigte sich Freller insbesondere zufrieden damit, dass im Schwabacher Stadtrat mittlerweile aus seiner Sicht ausreichend Handwerkskompetenz vertreten ist. Bäckermeister Gerd Distler und sein Metzgerkollege Joseph Weyh sind Mitglieder der CSU-Fraktion im Schwabacher Verwaltungsgremium. Beim Dachbodengespräch vertraten sie die Interessen ihrer Branchen. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster komplettierte die Politikerrunde.
Roland Janich ist Chef eines Heizungsbaubetriebs. Ihn begleiteten die Branchenkollegen Markus Rühl und Frank Winter. „Wir sind die letzte Generation“, griff Janich zu einem drastischen Bild, um die Bedrohung seines Betriebs durch fehlende Nachfolge plastisch zu machen. Für Thomas Pirner durchaus eine schwierige Situation, die sich auf die Gesamtlage der Wirtschaft auswirkt. „Wenn Handwerksbetriebe sterben, fällt Leistung und Know How unwiederbringlich weg“, warnte er und erinnerte daran, dass das Handwerk als ganzes ebenfalls viele Arbeitsplätze biete, aber bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit von der Politik erhalte wie die Industrie. „Das Handwerk stirbt leise“, so Pirner.
Laut offizieller Zahlen waren 2023 8,15 Millionen Menschen in der deutschen Industrie beschäftigt. Das Handwerk hat bundesweit 5,4 Millionen Menschen Arbeit gegeben. „Handwerk und Mittelstand hat Habeck aber drei Jahre lang vergessen“, stellte Pirner fest und forderte „eine wirtschaftsorientierte Regierung, die die Bremsklötze löst“. Für Roland Janich hat sich die Auftragslage vor allem in jüngster Zeit enorm verschlechtert. „Von 300 Prozent auf Null innerhalb eines Monats“, rechnete er vor und forderte einen entscheidenden Bürokratieabbau. „Ich bin jetzt 40 Jahre Heizungsbauer, sitze aber nur noch im Büro“, schilderte Janich die Folgen überbordender Vorschriften und erhielt Zustimmung von Josef Weyh. „Das ist nicht mehr verhältnismäßig, aber wer hat das Zeug dazu, das abzuschaffen?“, fragte der Metzgermeister mit 50 Angestellten. „Eine Mammutaufgabe“, fügte Pirner hinzu. Insbesondere für Gründer sieht Weyh durch hohe Hürden schwarz. „Man braucht heute zwei Millionen Euro, bevor man die erste Wurst verkauft“. Janich war in Sachen Bürokratieabbau völlig desillusioniert. Es sah das Gegenteil von Abbau. „Jahr für Jahr kommen neue Fettnäpfchen hinzu“, erklärte er.
Kreishandwerksmeister Klaus Weber ist Maurer und sah es ähnlich wie sein Heizungsbaukollege. „Für uns ist es schon zehn nach zwölf“ schilderte Weber die Lage des Bauhandwerks und machte die Ampel dafür verantwortlich. „Sie hat das Land gegen die Wand gefahren und ist Argumenten nicht zugänglich“, fand der Kreishandwerksmeister. In Sachen Fachkräfte- und Azubi-Mangel brachte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelfranken-Süd allerdings ein anderes Argument in die Runde. „Die Geburtenrate sinkt kontinuierlich, dann ist klar dass weniger bei uns ankommen“, so Sebastian Dürr. Weber sah noch eine Ursache. „Die Mittelschulen bluten aus, alle wollen studieren“, so seine Feststellung.
Josef Weyh will dem dadurch entgegentreten, dass er bald fünf junge Leute aus Indien und Vietnam als Auszubildende in seinen Betrieb einstellt. „Sie sind willig und geben Gas“, prognostizierte er. Eine Annahme, die Weyh aus Gesprächen mit Kollegen mitgenommen hat, die diesen Weg bereits gegangen sind. „Die Delle der sinkenden Geburtenrate müssen wir mit kontrollierter Zuwanderung ausgleichen“, so Weyh. Insgesamt war man sich auch einig, dass Förderprogramme und Subventionen nicht der richtige Weg sind, die Wirtschaft in Deutschland wieder in die Spur zu bringen. „Besser wären allgemeine Steuersenkungen“, hieß es. Gerd Distler erinnerte sein Kollegen indes noch daran, dass man auch als Unternehmer gefragt ist. „Der Motor in unserem Betrieb, das müssen immer wir selber sein“, war der Chef von 110 Mitarbeitern überzeugt.
Weitere Seiten zum Thema:
