Das Absterben der Kiefer nimmt dramatisch zu
Region - Bei der Jahresversammlung der Forstlichen Betriebsgemeinschaft Schwabach-Heideck standen der Waldumbau und Sicherheitsfragen bei der Waldarbeit im Mittelpunkt. Die Forstexperten sind sich einig: „Die fortschreitende Waldschädigung infolge des Klimawandels ist nicht zu leugnen.“ Ein Waldumbau mit passenden Laub- und Mischbaumarten sei dringlich, um unsere Wälder zu stabilisieren und zu vitalisieren.
ROTH – Bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Heideck-Schwabach hat Geschäftsführer Hans Stromberger die wirtschaftliche Bedeutung der Holzvermarktung für den Landkreis und die Stadt deutlich gemacht.
78 080 Festmeter Holz aus den Wäldern des FBG-Gebiets haben 5,561 Millionen Euro in die Kassen jener 800 Waldeigentümer gespült, die ihr Holz mit Unterstützung der FBG an verschiedene Abnehmer verkauft haben. Aufgrund der zweithöchsten Menge im Zehn-Jahres-Verlauf und eines „wahren Preisfeuerwerks“, wie Stromberger betonte, sind damit 1,35 Millionen Euro mehr eingenommen worden, als 2024.
Ein weiterer positiver Aspekt der Holzmenge des Jahres 2025 war der geringe Anfall an Schadholz. Unerwartet. Denn ein von historischer Trockenheit geprägtes Frühjahr hatte „Schlimmstes bezüglich der Schadholzentwicklung“ befürchten lassen, wie Hans Stromberger sagte. Schließlich hatte das gesamte Jahr mit nur 700 Liter Niederschlag pro Quadratmeter rund ein Viertel weniger Regen zu verzeichnen als im langjährigen Mittel. Bayern lag außerdem mit einer Temperatur von 18,4 Grad im Sommer 2,6 Grad über dem langfristigen Jahresschnitt. Auf längere Zeit gefährdet das insbesondere die Kiefer, die mit 55 Prozent Anteil an der verkauften Gesamtholzmenge augenblicklich immer noch den Löwenanteil im Holzhandel der FBG bildet.
Denn laut Stromberger sei die fortschreitende Waldschädigung infolge des Klimawandels selbst dann nicht zu leugnen, wenn ein Jahr einmal ohne große Schadholzmengen abgeschlossen werden könne. Insbesondere bei der Brotbaumart Kiefer bleibe fraglich, ob sich ihr Zustand jemals wieder bessern werde. „Umso dringlicher ist daher der Waldumbau mit passenden Laub- und Mischbaumarten, um unsere Wälder stark zu stabilisieren und zu vitalisieren“, appellierte Stromberger an die Waldeigentümer.
Auch der Abteilungsleiter „Forst“ am Landwirtschaftsamt in Roth sah die Kiefer unter enormem Druck. „Ihr Absterben nimmt dramatisch zu“, stellte Steffen Taeger fest. „Deshalb müssen wir den Waldumbau wirklich umsetzen“, lautete auch sein Resümee in Richtung Waldeigentümer. Er sicherte die Unterstützung seiner Behörde zu. „Als starke Partner müssen wir hier mit einer Stimme sprechen“, sagte Taeger.
Wie intensiv der Waldumbau in Teilen der Region bereits umgesetzt wird, machte das Schwabacher Stadtratsmitglied Bernhard Spachmüller deutlich. Er verwies auf ein Projekt im Stadtteil Wolkersdorf, das 2025 mit dem Natur- und Umweltpreis der Stadt Schwabach ausgezeichnet worden ist. „17 Waldeigentümer haben auf 32 Hektar 117 000 Setzlinge gepflanzt, um einen klimaresilienten Mischwald vorzubereiten“, so der Grünen-Politiker. Armin Heidingsfelder, wies auf eine neue Option zur besseren Kooperation zwischen Jägern und Waldeigentümern hin. „Das neue Jagdgesetz wird hier eine Absprache ohne Abschussplan zulassen, damit der Waldumbau besser klappt“, erklärte der Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Mittelfranken.
Jürgen Bauernfeind, Sicherheitsfachmann der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung, wies darauf hin, dass ein Wald mit großem Schadholzfanfall ein erheblich größeres Gefahrenpotential in sich berge. „Das Risiko für Unfälle ist unseren Zahlen zufolge dort höher“, erklärte Bauernfeind. Für Bayern ergibt sich hier ein weit überdurchschnittliches Risiko, denn 21 der bundesweit 35 Waldunfälle mit Todesfolge im Jahr 2024 haben sich im Freistaat ereignet. „Das liegt an der kleinteiligen Eigentümerstruktur, in deren Folge Waldbesitzer mit kleinen Flächen oft selbst ernten, weil der maschinelle Einsatz zu teuer ist“, so Bauernfeind, der darin ein wichtiges Argument für Unterstützung durch die FBG sah. „Denn maschinelle Holzernte mit dem Harvester ist sicherer als manuelles Arbeiten mit der Motorsäge“, fasste Bauernfeind zusammen.
Manfred Dorner hob die gute Zusammenarbeit zwischen FBG und Bauernverband hervor. Zugleich machte er auf die Vorteile des Heizens mit Holz aus seiner Sicht aufmerksam. „Es ist günstig und die Wertschöpfung bleibt vor Ort“, so die Argumente des Kreisobmanns des Bayerischen Bauernverbands. Dorner betreibt in Eysölden selbst ein kleines Nahwärmenetz, das mit Holz aus der Region gespeist wird. Stellvertretender Landrat Walter Schnell (Freie Wähler) betonte den gesamtgesellschaftlichen Nutzen intakter Waldflächen. „Deshalb muss der Freistaat seine Programme für die notwenige Unterstützung der Waldbauern verbessern“, verlangte er.
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