Das duale Studium – zwei Fliegen mit einer Klappe

Region - Ein duales Studium verbindet eine betriebliche Ausbildung mit einem Studium. Am Ende hat man – idealerweise – zwei Abschlüsse in der Tasche. Allerdings: ein duales Studium ist anspruchsvoll und nichts für Feiglinge.

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Es klingt wie das Beste aus zwei Welten: beim Studium an der Uni gleichzeitig eine Lehre im Betrieb absolvieren. So wird ein profundes Wissen mit viel Praxis verbunden, und neben dem doppelten Abschluss – zum Beispiel dem Ingenieurstitel plus einem Handwerksberuf – ist auch noch gleich die Anstellung im Betrieb recht sicher. „Wir haben 2018 erstmals zwei Azubis nach dem dualen Studium eingestellt und schon jetzt ist klar: beide werden nach dem Abschluss übernommen“, erklärt Gerhard Schuhmacher von der Firma Brema-Werk in Schwabach. Das Einstiegsgehalt ist dann in der Regel höher. Ein weiterer Vorteil: Das Studium kann durch die Ausbildungsvergütung ganz oder teilweise mit finanziert werden. Das klappt allerdings nur, wenn eine gute Wahl getroffen wurde. Mehr als 1500 duale Studiengänge werden mittlerweile angeboten, die Inhalte und Rahmenbedingungen fallen aber sehr unterschiedlich aus, denn der Begriff ist nicht geschützt. Wichtige Eckpunkte sind: die Bezahlung während des Studiums, die Studien- und Ausbildungsinhalte, die Dauer des Studiums und die Studiengebühren. Dauert das angebotene duale Studium weniger als drei Jahre, ist Vorsicht geboten: In dieser Zeit lassen sich die Inhalte einer Ausbildung und eines Studiums kaum vernünftig vermitteln. Alles in allem ist klar: Das duale Studium bietet tolle Möglichkeiten, aber geschenkt gibt‘s hier nichts. Der Studierende/Auszubildende muss strammes Pensum absolvieren, Semesterferien gibt es keine, nur den gesetzlich vereinbarten Urlaub.

Zwei Formen für Auszubildende
Für Auszubildenden gibt es zwei Formen des dualen Studiums. Die Arbeitsbelastung ist unterschiedlich, aber auch die Qualifikation. Beim ausbildungsintegrierenden dualen Studium erreicht man zwei Abschlüsse, arbeitet im Unternehmen, nimmt an den Vorlesungen der Hochschule teil und an der Berufsschule. Das Arbeitspensum ist entsprechend hoch, wer diesen Weg anstrebt sollte also sehr belastbar sein. Eine softere Version ist das praxisintegrierende duale Studium. Neben den Vorlesungen an der Hochschule werden zusätzlich Praxiserfahrungen in einem Betrieb gemacht, jedoch ohne eine zusätzliche Ausbildung zu absolvieren. Das kann man in einem, aber auch in unterschiedlichen Betrieben tun. Der Vorteil: man sammelt Erfahrungen in verschiedenen Bereichen und kann am Ende des Studiums bereits auf eine Reihe Kontakte zurück greifen. Weil nicht zusätzlich auch noch die Berufsschule ansteht, ist dieser Weg nicht ganz so strapaziös.

Zulassungsberechtigung

Für ein duales Studium wird als Zulassungsberechtigung die allgemeine Hochschulreife oder ein Fachabitur voraus gesetzt. Mit dem Fachabitur ist das duale Studium grundsätzlich nur an Fachhochschulen und Berufsakademien, aber nicht an Universitäten möglich. Üblicherweise werden duale Studiengänge aber ohnehin überwiegend an Fachhochschulen angeboten und eher selten an Universitäten. Wer bereits eine abgeschlossene Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann oder die Fortbildung zum Meister, Techniker oder Betriebswirt absolviert hat, hat auch ohne Abi die Möglichkeit, an einem dualen Studium teilzunehmen. Zusätzlich hat fast jedes Unternehmen und jede Hochschule noch ein eigenes Auswahlverfahren, meist in Form eines Assessment Centers, sowie Tests mit fachspezifischen Fragen.
Zusätzlich fordern manche Studiengänge den sogenannten Numerus Clausus (NC). Das ist besonders bei gefragten Studiengängen der Fall, wie etwa Betriebswirtschaft oder Bauingenieurwesen, bei denen mehr Bewerber als Plätze vorhanden sind. Bei einem NC kann man sich nur dann bewerben, wenn man einen bestimmten Notenschnitt vorweisen kann und/oder eine gewisse Anzahl an Wartesemstern. Ein Wartesemester ist ein Halbjahr, an dem man an keiner Hochschule eingeschrieben war. Pro Wartesemester werden in der Regel 0,2 Notenwerte abgezogen. Liegt also der NC bei 2,8, erreicht man diesen zum Beispiel auch mit der Note 3,0 plus einem Wartesemester.

Wie einen Studienplatz finden?

Der Weg zum dualen Studium führt entweder über den Arbeitgeber oder über die Hochschule. Für Bewerber sehr angenehm ist der Weg über den Arbeitgeber, da die Unternehmen häufig bei der Einschreibung an der Hochschule behilflich sind. Die Bewerbung beim Unternehmen läuft wie eine reguläre Bewerbung auf eine Ausbildungsstelle ab. Der andere Weg führt über die Hochschule. Die Bewerbungsmodi sind hier sehr individuell, oftmals kann man sich online auf den Seiten der Hochschule oder Akademie für den Studiengang bewerben. Andere Hochschulen verlangen ein persönliches Anschreiben. Eine verlässliche Auskunft erhält man nur beim jeweiligen Institut.

Wann bewerben?

Der Start für das Ausbildungs- und Studienjahr liegt meist zwischen dem 1. Juli und dem 1. Oktober. Das ist in der Regel auch der Zeitraum, in dem Unternehmen anfangen, neue duale Studierende für das Folgejahr zu suchen und Stellen auszuschreiben. Einige Firmen beginnen schon eineinhalb Jahre vorher mit der Ausschreibung – besonders große und namhafte Unternehmen beginnen sehr zeitig mit der Suche nach dem Nachwuchs. Als Faustregel gilt: zu früh kann man eigentlich nie mit dem Bewerben dran sein. Eine gute Gelegenheit, sich zu informieren, sind auch hier die vielen Messen in der Umgebung. Fast alle davon haben auch das Thema duales Studium auf dem Zettel.

Von: Kristin Wunderlich (meier Redaktion), Samstag, 19. Januar 2019 - Aktualisiert am Montag, 04. März 2019
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