Der gute Vorsatz für’s neue Jahr: plastikfrei und Spaß dabei

Region - Silvester rückt näher und die Entscheidung über die guten Vorsätze hängt drohend wie ein Damoklesschwert über uns. Wie wir alle wissen klappt das selten mit der großen Revolution, deswegen vertagen wir das Thema immer wieder oder lassen es ganz sein.

  • Nadine Schubert

    Nadine Schubert

Es geht aber auch ganz anders: mit einer Revolution in kleinen Schritten. Und das Beste daran: jeder kleine Schritt ist eine gute Tat, man kann es immer wieder aufs Neue tun und immer besser werden. Einen kleinen Fehler muss man nicht persönlich nehmen, man macht es einfach das nächste Mal wieder besser. Und geholfen hat man ohnehin schon mit jedem bisschen.

Wovon wir reden? Von Plastikvermeidung.

Spätestens seit der Veröffentlichung des Fünf-Punkte-Plans zur Reduzierung von Plastik unserer Umweltministerin Svenja Schulze im November wird uns klar: Ohne uns wird das nix. Das schöne daran: wir haben eine Prominente Expertin direkt in unserer Nähe. Nadine Schubert, die Autorin des Spiegel-Bestsellers „Besser leben ohne Plastik“ lebt nämlich in Unterfranken, 20 Kilometer westlich von Bamberg. Nun ist ihr neues Buch erschienen, „Noch besser leben ohne Plastik“, und in Feucht hat sie Ende November bei einem Vortrag schon eine ganze Reihe Menschen inspiriert. „Man kriegt richtig Lust, sofort loszulegen“, so der Tenor unter den 180 Besuchern der Veranstaltung.

Hier also ein 5-Punkte-Plan für jeden, angeregt von der Bestseller-Autorin Nadine Schubert.

Regional kaufen
Nicht im Supermarkt einkaufen, sondern regional beim Händler, wo weder die Gurke unsinnigerweise in Plastik eingeschweißt ist, noch die unsäglichen „Hemdchentüten“ angeboten werden. Wer einen weiten Weg zum nächsten Händler hat, kann in den Supermarkt kleine Gazebeutelchen oder wiederverwendbare Netze mitnehmen. ReWe etwa bietet diese zum Kauf an.

No more Coffe-to-go
Zumindest nicht in Wegwerfbechern. Pro Stunde laden in Deutschland 320.000 Becher im Müll. Geht’s noch? Mit einem Minimum an Eigenleistung schafft man es, einen eigenen Becher mit zunehmen, wenn man den Kaffee vom Bäcker oder Coffeeshop so sensationell gern mag. In vielen Geschäften kann man sie gleich kaufen und kriegt eine Gratis-Füllung dazu.

 Seife statt Duschgel
Statt Duschgels und Shampoo verwendet die Autorin Seifen. Seifen gibt es für jeden Zweck, von der Handwaschseife über die Körperseife bis hin zur Haarseife. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich im Bad keine Plastikflaschen mehr hatte“, erklärt Nadine Schubert. Kein Grund, aufzugeben. Irgendwann sind auch die letzten aufgebraucht.

Wasser nur Mehrweg
Mineralwasser ist der Deutschen liebstes Getränk, rund 137 Liter trägt jeder jedes Jahr nach ­Hause. Vier von fünf sind PET-Flaschen, das meiste davon Mehrweg. Für die Abfüllung von 1000 Liter Wasser in 1-Liter-PET-Einwegflaschen werden rund 35 Kilogramm Materialien benötigt, in 1-Liter-PET-Mehr­wegflaschen weniger als 10 Kilogramm. Und eine Glasflasche wird 50 mal wiederbefüllt. Also: raffen wir uns auf, konsequent Mehrweg-Flaschen zu benutzen. Wenn das mal nicht klappt, gibt es wunderbares Wasser aus dem Hahn – das am besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt. Die Anschaffung eines Wassersprudlers wäre natürlich die cleverste Lösung.

Einkaufstaschen mitnehmen
In vielen Läden gibt es schon gar keine Plastiktüten mehr, oftmals muss man Tragetaschen bezahlen. Das einfachste ist es aber doch, einfach immer ein paar Taschen dabei zu haben. Es gibt faltbare Exemplare, die wirklich in jede Handtasche passen.

Klingt das alles mühselig?
Eigentlich nicht. Und wenn man bedenkt, dass jede eingesparte Plastikverpackung eine gute Sache ist, dann kann man dabei richtig Freude haben. Hier noch einmal ein paar Fakten, die motivieren, Plastik zu vermeiden.

Jeder Deutsche produziert jedes Jahr 37 Kilo Plastikmüll. Bedenkt man, wie locker man so einen vollen gelben Sack heben kann, so hat der meisten nur ein Kilo. 37 prallvolle gelbe Säcke jedes Jahr. Will ich dafür wirklich verantwortlich sein?
Jedes Jahr landen 50.000 Tonnen Mikroplastik allein in Deutschland in der Umwelt. Das werden wir nie mehr los – und es landet auch in unserem eigenen Körper, nicht nur im Fisch.
Mehr als 10 Millionen Tonnen Abfälle gelangen jährlich in die Ozeane. Sie kosten Zehntausende Meerestiere das Leben.

Angesichts solcher Zahlen bedeutet doch jedes eingesparte Stück Plastik pure Freude. Fangen wir einfach an – und werden wir jeden Tag ein bisschen besser. Oder mit Nadine Schuberts Worten: eine kleine Revolution kann der Verbraucher durchaus auslösen.

Lesetipps:

Anneliese Bunk, Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik
112 Seiten, Preis: 13.00 € ISBN-13: 978-3-86581-784-6 Erscheinung: Februar 2016
Erhältlich als e-Book, www.oekom.de

Nadine Schubert Noch besser leben ohne Plastik
112 Seiten, Preis: 13.00 € ISBN-13: 978-3-96238-087-8 Erscheinung: August .2018
Erhältlich als e-Book, www.oekom.de

Veranstaltungstipp
Vortrag: Nadine Schubert – Noch besser Leben ohne Plastik
Dienstag, 13, März 2019
Südpunkt, Nürnberg
Infos & Voranmeldung:
bz.nuernberg.de

Einkaustipp:
Zero Hero, Unverpackt-Laden in Nürnberg
Obere Kanalstraße 11a, 90429 Nürnberg
www.zerohero-nuernberg.de

Webtipps:

www.besser-leben-ohne-plastik.de

www.plastikfreileben.de

www.plastikfreier-leben.de

www.utopia.de/tag/plastikfrei/

Tipp der Redakteurin
Bei manchen Produkten haben wir einfach keine Wahl: wir bekommen sie nur In Plastik. Die Verantwortung wird auf uns Verbraucher abgewälzt, die Industrie behauptet, wir wollten das so. Wollen wir nicht! 94 Prozent der Deutschen wünschen sich weniger Plastik – das hat der Verbraucherschutz in einer Umfrage heraus gefunden. Die Kosten für den Grünen Punkt werden auf uns abgewälzt und die Entsorgung pappt auch noch an uns. Unfairer geht's kaum. Deswegen gebe ich jede unnötige Verpackung an den Handel zurück. Dieser ist verpflichtet, Verpackungen zurück zu nehmen, das ist in der Verpackungsordnung geregelt: Wer Verpackungen in Umlauf bringt, muss sie auch wieder zurücknehmen. Das gilt für Verpackungen aller Art. Tut das jeder, kriegt der Handel ein Müllproblem und wird das an die Hersteller weiter geben. Das ist jedenfalls meine Theorie, und zumindest habe ich dieses Zeug, das ich nie wollte, nicht auch noch in meinem Haushalt herumliegen.

Von: Kristin Wunderlich (Dipl. Biol. ), Sonntag, 09. Dezember 2018 - Aktualisiert am Mittwoch, 19. Dezember 2018
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