Die Edelkastanie

Wendelstein - Lange bevor Kartoffeln und Mais in Europa ihren Siegeszug antraten waren Edelkastanien für eine breite Bevölkerungsschicht ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Aus ihrem Mehl wurde das „Brot der Armen“ gebacken und so halfen sie über manche Hungersnot hinweg. Heute sind Esskastanien und Maronen vor allen Dingen als typischer Wintersnack auf dem Weihnachtsmarkt bekannt. Doch die Edelkas­tanien können viel mehr.

  • Die Umhüllung der Edelkastanie ist mit sehr feinen Stacheln bedeckt und erinnert an kleine Igel.  Auch die Blätter der Edelkastanie sind am Rand gezähnt.

    Die Umhüllung der Edelkastanie ist mit sehr feinen Stacheln bedeckt und erinnert an kleine Igel. Auch die Blätter der Edelkastanie sind am Rand gezähnt.
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  • Fruchtgehäuse und Früchte der Edelkastanie

    Fruchtgehäuse und Früchte der Edelkastanie
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Esskastanie, Maronen oder Maroni – die Begriffe werden oft synonym verwendet, meinen aber genau genommen nicht das Gleiche. Beide Früchte, die botanisch gesehen zu den Nüssen gehören, sind Unterarten der Edelkastanie.

Maronen, in Österreich Maroni genannt, sind etwas größer und leicht herzförmig, während Esskastanien kleiner und runder daherkommen. Mit der weit verbreiteten Rosskastanie sollte man die Edelkastanien auf keinen Fall verwechseln. Diese gehört zu den Seifengewächsen, was schon erahnen lässt, dass die Früchte dieses Baumes unbekömmlich, in größeren Mengen sogar giftig sind. Als Unterscheidungsmerkmal dient die grüne Umhüllung der Früchte: diese trägt bei der Rosskastanie deutlich gröbere Stacheln, wohingegen das Fruchtgehäuse von Maronen und Esskastanien mit sehr feinen Stacheln bedeckt ist.

Viel Gutes drin

Esskastanien bestechen durch ihre enorme Vielfalt an Inhaltsstoffen: Wertvolle Kohlenhydrate, hochwertiges Eiweiß, Ballaststoffe sowie unzählige Vitamine und Mineralstoffe. Sozusagen eine geballte Ladung nahezu aller (lebens)-wichtigen Nährstoffe, vereint mit einem köstlichen Geschmack.

Daneben können Esskastanien als hochwertige Energiespender punkten: sie enthalten einen hohen Anteil an komplexen Kohlenhy­draten, wodurch sie nicht nur besonders gut sättigen, sondern auch dafür Sorgen, dass der Blutzucker nur langsam ansteigt und lange stabil bleibt.

Damit nicht genug, sind Edelkastanien glutenfrei und im Handel zu vielerlei Produkten verarbeitet erhältlich: als Edelkastanienmehl, -­flocken, -chips, -püree, -aufstriche und vieles mehr. Allein aus dem Edelkastanienmehl können viele Back- und Teigwaren wie Brot und Nudeln, aber auch viele Nachspeisen hergestellt werden.

Doch auch für den Rest der Bevölkerung sind die Edelkastanien abgesehen von den vielen positiven Eigenschaften einfach auch ein leckeres und vielseitiges Nahrungsmittel. Die Nuss, die ursprünglich aus Kleinasien und dem Kaukasus stammt und mit den Römern nach Europa kam, kann zu Suppen, Püree oder Salaten verarbeitet werden und ergibt mit Gemüse kombiniert eine deftige und sättigende Beilage. Edelkastanien ergänzen Pastagerichte, schmecken im Risotto oder verfeinern Aufläufe. Als Füllung schmecken sie nicht nur in der Weihnachtsgans, sondern zum Beispiel auch im Kürbis. Schließlich können sie zu leckerem Gebäck verarbeitet werden, neben dem klassischen Brot etwa auch zu Muffins oder Kuchen. Sie verfeinern Desserts, Torten und Eiscremes. Aber natürlich schmecken sie auch in ihrer einfachsten Form: geröstet, pur, oder mit etwas Salz und Butter.

Roh oder gekocht?

Rohe Edelkastanien sind zwar genießbar, aber schwer verdaulich. Wer also Esskastanien oder Maronen roh verzehren will, sollte diese einige Tage zu Hause lagern. In dieser Zeit wird die Stärke in Zucker umgewandelt und die rohen Nüsse so besser verdaulich. Ihr wunder­bares Aroma entfalten sie aber erst im gekochten Zustand. Dann karamellisiert die enthaltene Stärke und gibt eine weiche, süße Note ab.

Garen kann man die Edelkastanien auf ganz unterschiedliche Weise. Sie können sie entweder im Ofen gebacken, in Salzwasser gekocht oder in der Pfanne geröstet werden. Bei jeder Zubereitungsart muss die Schale mit einem scharfen Messer vorsichtig kreuzförmig eingeritzt werden. Dies verhindert, dass die Nüsse durch die Hitze platzen.

Bereitet man die Esskastanien im Ofen zu, werden diese bei 200 Grad Ober- und Unterhitze für etwa 20 bis 25 Minuten auf einem Blech gebacken. Damit die Früchte bei dieser Methode nicht austrocknen, sollte man eine hitzebeständige Schale mit Wasser auf den Boden des Backofens zu stellen. Beim Kochen der Esskastanien, etwa eine Viertelstunde lang in leicht gesalzenem Wasser, besteht diese Gefahr nicht. Allerdings entwickeln sich hierbei keine Röstaromen, die Methode eignet sich also besonders, wenn die Esskastanien weiter verarbeitet werden sollen.

Eine andere Methode zum Rösten ist das Braten in der Pfanne. Die Esskastanien kommen ohne Fett in die Pfanne und werden bei geschlossenem Deckel und mittlerer Hitze für etwa 20 Minuten gebraten. Zwischendurch immer wieder wenden, damit die Früchte nicht anbrennen. Auch die Zubereitung von Maronen in der Mikrowelle ist möglich. Dafür kommen die Esskastanien einfach in eine mikrowellengeeignete Plastikschüssel mit etwas Wasser. Bei geschlossenem Deckel werden sie bei 700 Watt für zwei Minuten gegart.

Und schließlich: schälen

Nach der Zubereitung müssen die Esskastanien geschält werden. Dazu gilt es, die richtige Temperatur zu finden. Nicht zu heiß, der Finger zuliebe, aber auch nicht zu kalt, weil sich die Schale sonst nicht mehr ablösen lässt. Die noch leicht warmen Edelkastanien werden dann, vorsichtig mit einem kleinen Messer oder mit den Fingern geschält.

Wem das alles zu aufwändig ist, der sucht im Handel nach vorgegarten und bereits geschälten Varianten - im Glas, vakuumiert oder tiefgefroren - oder greift zu einem der vielen Produkte aus Esskastanien. Und sicher findet sich irgendwo in der Nähe auch ein Stand mit „heißen Maroni“.

Egal, wie sie Esskastanien genießen – den leckeren Wintersnack sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Von: Kristin Wunderlich ( Dipl. Biologin), Samstag, 31. Oktober 2020 - Aktualisiert am Freitag, 13. November 2020
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