Die letzte Reise eines Lösel Bierkastens

Schwabach - Ein über 40 Jahre alter Bierkasten der Schwabacher Lösel-Brauerei reist ins Labor der TU München nach Weihenstephan – in der Hoffnung, uralte Hefekulturen zu bergen und ein verschwundenes Bier wieder zum Leben zu erwecken.

  • Lösel Bierkasten vor ehemaligem Brauereigelände

    Lösel Bierkasten vor ehemaligem Brauereigelände

  • TUM Wiehenstephan Dr. Zarnkow Hefepapst

    TUM Wiehenstephan Dr. Zarnkow Hefepapst

  • Brauerei Weihenstephan

    Brauerei Weihenstephan

Eine Brauerei, die 131 Jahre lang Schwabach prägte
Mehr als ein Jahrhundert lang war der Pinzenberg 18/20 in Schwabach untrennbar mit dem Duft von Malz und Hopfen verbunden. Von 1860 bis 1991 betrieb hier die Familie Lösel ihre Brauerei – 131 Jahre Biergeschichte mitten in der fränkischen Kleinstadt. Das weitläufige Anwesen erstreckte sich einst vom Pinzenberg bis zur Schulgasse hinunter. Heute erinnert nur noch der historische Löselkeller an die einstige Betriebsamkeit an diesem Ort.
Historische Fotografien aus den 1960er und 1970er Jahren zeigen eine vollständige Brauanlage: Maische- und Kochpfannen, einen Einmaischbottich, eine Schrotanlage mit riemengetriebenen Rührwerken sowie einen Malzboden. Bemerkenswert: Neben der traditionellen Ausstattung verfügte die Lösel-Brauerei auch über modernere Braupfannen – darunter eine Anlage aus Freising-Weihenstephan, dem Mekka der deutschen Braukunst.

Vierzig Jahre im Keller – und plötzlich voller Hoffnung
Als Karl Freller, früherer Landtagsabgeordneter und Kenner der Schwabacher Stadtgeschichte, vor einigen Monaten in seinem Keller einen alten Bierkasten der Brauerei Lösel entdeckte – befüllt mit leeren Originalflaschen aus der Zeit vor der Betriebsschließung –, informierte er die Brauverein Schwabach e.V. Für den Verein war die Nachricht mehr als nur ein nostalgisches Fundstück.
Die Idee: In den Böden leerer Bierflaschen können sich auch nach Jahrzehnten mikroskopisch kleine Mengen von Hefepilzen erhalten – theoretisch reaktivierbar und damit in der Lage, ein originalgetreues Schwabacher Lösel-Bier wieder aufleben zu lassen.

Die letzte große Reise nach Weihenstephan
Ende April 2026 trat der Bierkasten seine wohl letzte und bedeutendste Reise an: von Schwabach über die Autobahn nach Freising-Weihenstephan, in das Labor von Dr. Martin Zarnkow an der Technischen Universität München. Zarnkow ist einer der renommiertesten Experten für Brau- und Getränketechnologie in Deutschland – von der Braugemeinschaft liebevoll als "Hefepapst" bezeichnet.
Bereits 2023 hatte die Braugemeinschaft gemeinsam mit Dr. Zarnkow in Schwabach eine archäologische Hefesuche im Löselkeller am Pinzenberg organisiert – leider ohne Fund. Nun soll modernste Analysetechnik das letzte Wort sprechen. Die übergebenen Flaschen wurden vermutlich vor rund 40 Jahren am Stammsitz der Brauerei am Pinzenberg abgefüllt und anschließend über Jahrzehnte in Karl Frellers Keller gelagert.

Hoffnung auf ein Stück lebendes Stadtgedächtnis
Ob die Analyse erfolgreich sein wird, ist ungewiss. Sollten in den alten Flaschen tatsächlich noch lebende Hefezellen schlummern, wäre es möglich, die Lösel-Hefe zu kultivieren, zu charakterisieren und schließlich für die Produktion eines historisch authentischen Schwabacher Bieres einzusetzen. Ein Bier, das zuletzt 1991 gebraut wurde, käme dann in neuer-alter Form zurück an den Ort seiner Geburt.

Bis dahin wartet Schwabach. Und ein über 40 Jahre alter Bierkasten hat seine letzte Aufgabe noch nicht erledigt.

Von: André Betz (1. Vorstand), Mittwoch, 03. Juni 2026
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Brauverein-Schwabach e.V« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/brauverein-schwabach
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