Die Nürnberger Symphoniker feiern 80. Geburtstag

Nürnberg - Zur Erinnerung an die Gründung des weltbekannten Nürnberger Orchesters haben Intendant Lucius A. Hemmer und sein Team ein fantastisches Jubiläumsprogramm zusammengestellt. Es zeigt, wie die Symphoniker selbst nach acht Jahrzehnten immer wieder Grenzen sprengen und Neues wagen.

  • Prof. Lucius A. Hemmer leitet die Nürnberger Symphoniker seit 2003 als Intendant.

    Prof. Lucius A. Hemmer leitet die Nürnberger Symphoniker seit 2003 als Intendant.
    © Torsten Hönig

  • Jonathan Darlington ist Chefdirigent des Orchesters

    Jonathan Darlington ist Chefdirigent des Orchesters
    © Torsten Hönig

  • Das gesamte Orchester im Musiksaal des Kongresszentrums.

    Das gesamte Orchester im Musiksaal des Kongresszentrums.
    © Torsten Hönig

  • Jonathan Darlington am Pult.

    Jonathan Darlington am Pult.
    © Torsten Hönig

  • Die Meistersingerhalle ist einer der Spielorte der Nürnberger Symphoniker.

    Die Meistersingerhalle ist einer der Spielorte der Nürnberger Symphoniker.
    © Torsten Hönig

Die Nürnberger Symphoniker feiern in der kommenden Konzert-Saison 80-jähriges Gründungsjubiläum. Schließlich gilt der 29. Juli 1945 als Geburtsstunde des Orchesters. Mitten in der zerstörten Altstadt Nürnbergs hat sich damals mit dem „Orchester der Konzertgesellschaft“ ein notdürftig zusammengetrommeltes Ensemble in den Ruinen der Sebalduskirche versammelt, um sein allererstes Konzert zu geben: Haydns „Schöpfung“. Formal als „Fränkisches Landesorchester“ ist der Trägerverein am 1. Juni 1946 aus der Taufe gehoben worden.

Aus diesen alles andere als vielversprechenden Anfängen hat sich bis heute ein Orchester mit 70 Musikern entwickelt, das nicht nur die Aufführungskultur für klassische Musik in der Metropolregion Nürnberg prägt. Die Nürnberger Symphoniker präsentieren bei etwa 100 Konzerten jährlich eine von zahlreichen Kooperationen bestimmte Vielfalt, die ihresgleichen sucht und deren kreative Verbindung unterschiedlicher Musikrichtungen mit dem Begriff „Cross Over“ eigentlich unzureichend beschrieben ist. Ferner sind sie in der ganzen Welt als Botschafter für klassische Musik aus fränkischer Produktion unterwegs. Beispielsweise erst kürzlich, als die Symphoniker aus der Frankenmetropole bei einem Gastspiel in London gefeiert worden sind. Ebenso gefragt ist der Klangkörper als Partner bei Filmmusik. Für „Die Schöne und das Biest“ gab es 1992 sogar einen Grammy. 

Für Lucius A. Hemmer gibt es eine klare Motivation für ein so umfangreiches und vielfältiges Programm, wie es die Nürnberger Symphoniker bieten. „Es gibt keinen anderen Grund als unser Publikum“, sagt der Intendant. „Das Publikum steht im Mittelpunkt und wir nehmen es sehr ernst“, beschreibt Hemmer den Maßstab für die Arbeit seines Teams. Deshalb auch die enorme Vielfalt. „Jeder mag etwas anderes.“ Der Einsatz innovativer Formate soll neues und vor allem auch junges Publikum ansprechen. „Wir schaffen Erlebnisse mit der ganzen Fülle der Musik“, so Hemmer. Distanz ist dabei kein Thema. Im Gegenteil. „Unser Ziel ist es, dass Orchester und Publikum zu einer Einheit verschmelzen.“ Die 70 Musiker und 20 Beschäftigten im Organisationsstab ziehen hier immer an einem Strang. „Ich als Intendant bin nur einer dieser 90“, heftet sich Hemmer den Erfolg nicht ausschließlich ans eigene Revers, sondern betont die Leistung des Teams. Einen hebt er dennoch hervor: Chefdirigent Jonathan Darlington. „Er ist ein fantastischer Künstler und arbeitet mit dem Orchester auf einem exzellenten Niveau“, stellt Hemmer fest.

An die 200 000 Menschen genießen pro Saison die rund 100 Auftritte der Nürnberger Symphoniker. Bei den Symphonischen Konzerten in der Nürnberger Meistersingerhalle liegt der Schwerpunkt auf dem klassisch-romantischen Repertoire. Im hauseigenen Musiksaal in der Kongresshalle widmen sie sich spannenden genreübergreifenden Projekten aus Pop, Jazz, Film und Literatur. Im Dezember gehören die stimmungsvollen Adventskonzerte mit festlicher Barockmusik zum Pflichtprogramm vieler Besucher des Nürnberger Christkindlesmarkts. Hingegen steht während der Sommersaison im Serenadenhof oder bei Europas größtem Klassik Open Air im Luitpoldhain die ganze Welt der Musik auf dem Programm.

Anlässlich des Jubiläums haben die Nürnberger Symphoniker in Sachen „Öffentliche Auftritte“ noch eine Schippe draufgelegt. 80 Jahre „NSYM“, wie sich das Orchester mittels Buchstaben-Logo selbst nennt, werden mit vier Sonderkonzert-Highlights gefeiert. „Sie verbinden Vergangenheit und Zukunft auf eindrucksvolle Weise miteinander“, sagt Hemmer. So knüpft eines der Highlight-Konzerte an den Geburtstag der Nürnberger Symphoniker an.

Am Wochenende des 14. und 15. März 2026 erwartet das Publikum mit Haydns „Schöpfung“ ein besonderes Ereignis: Nur wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs erklang dieses Oratorium am 29. Juli 1945 in der Sebalduskirche. Im Herzen der völlig zerstörten Stadt Nürnberg als symbolträchtiger musikalischer Neubeginn, der bis heute nachwirkt. In Erinnerung an dieses historische „Urkonzert“ bringen die Nürnberger Symphoniker Haydns Meisterwerk erneut auf die Bühne. Gemeinsam mit einem hochkarätigen Solistenensemble und den Nürnberger Konzertchören unter der Leitung von Chefdirigent Jonathan Darlington.

Sitz des Orchesters ist seit 1963 die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. „Ein Nazi-Gebäude also“, sagt Hemmer und leitet daraus Verantwortung ab. „There’s No Business like Show-Business“ heißt das Konzert am 23. Mai 2026, bei dem Vergangenheit und Gegenwart musikalisch in Dialog treten. Gemeinsam mit dem Staatstheater Nürnberg und der Israelitischen Kultusgemeinde widmen sich die Symphoniker der Musik jüdischer Komponisten wie Mendelssohn, Mahler, Korngold, Bernstein, John Williams oder Leonard Cohen. Mit diesem Konzert wird nicht nur ein reiches musikalisches Erbe gewürdigt, sondern es wird auch einen Ausblick auf die künftige Nachbarschaft der Nürnberger Symphoniker und des Staatstheaters Nürnberg am Standort Kongresshalle gegeben. 

Echte Gänsehautmomente verspricht das Konzert „Christmas At The Movies“ am Samstag, 29. November 2025, bei dem Kultklänge auf große Gefühle treffen. Es erklingt weihnachtliche Filmmusik aus „Kevin – Allein zu Haus“, „Tatsächlich… Liebe“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Der kleine Lord“ und „Ben Hur“, dessen Soundtrack die Nürnberger Symphoniker 1956 selbst eingespielt haben. Am Dirigentenpult steht der gebürtige Kalifornier Evan-Alexis Christ.

Den musikalischen Horizont in eine ganz andere Richtung erweitert „Synth Happens 4.0 – Feat. Andreas Henneberg“. Das Open-Air-Konzert findet am Freitag, 17. Juli 2026, in Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Club „Die Rakete“ statt. Wenn der Berliner Produzent, DJ und Live-Performer Andreas Henneberg mit den Nürnberger Symphonikern auf der Bühne steht, treffen klassische Musik, symphonischer Jazz, elektronisch-synthetische Klänge und Beats aufeinander. So soll  eine pulsierende Clubnacht im XXL-Format entstehen, die zeigt, wie die Symphoniker auch nach 80 Jahren immer wieder Grenzen sprengen und Neues wagen.

Mit einem Programm, das sinnbildlich für die Dynamik der kommenden Saison steht, fällt am Samstag, 27. September 2025, im Ersten Symphonischen Konzert der Startschuss zur Jubiläumssaison: Mozarts energiegeladene Haffner-Symphonie, Mendelssohns 1. Klavierkonzert und Dvořáks 5. Symphonie bilden den Rahmen des Eröffnungskonzertes. Am Pult: Chefdirigent Jonathan Darlington. Am Klavier: der französische Star-Pianist Jean-Paul.

Im Sommer 2026 steht anlässlich der Weltmeisterschaft alles im Zeichen des Fußballs: Zum ersten Mal präsentieren die Nürnberger Symphoniker ein Open-Air-Schul- und Familienkonzert im Serenadenhof. „Mit dem Fußball um die Welt“ heißt es am 14., 15. und 19. Juli. Ein Konzertformat mit dem die beiden eingefleischten Fans Ralf Schlingmann und Jens Wischmeyer musikalisch die ganze Welt umrunden wollen, bevor der Ball im New Yorker MetLife Stadium „ins Eckige“ fliegt – und das garantiert rechtzeitig vor dem Anpfiff des großen Fußball-WM-Finales am 19. Juli.

Eine digitale Saisonvorschau auf die Symphonische Konzertreihe 2025/26 ist sowohl auf der Website der Symphoniker (nuernbergersymphoniker.de) als auch auf YouTube zu finden. „NSYMAG“ für „Magazin der Nürnberger Symphoniker“ heißt die brandneue Publikation des Orchesters, die erst kürzlich zum ersten Mal erschienen ist. Sie vereinigt auf 95 Seiten das gesamte Konzertprogramm samt Kurzbeschreibung mit Hintergrundberichten zur Arbeit der Nürnberger Symphoniker. Der Vorverkauf für die neue Saison hat am 23. Mai begonnen. Die Symphonischen Konzerte in der Meistersingerhalle sind ab dem 1. Juli buchbar.

Von: Robert Schmitt (meier Redaktion), Freitag, 23. Mai 2025 - Aktualisiert am Donnerstag, 19. Juni 2025
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