Eltern queerer Kids beim Begegnungsmenü

Worzeldorf - Drei Vertreter der Selbsthilfegruppe gaben Einblick in die Unterstützung ihrer Kinder auf dem Weg zur passenden Identität.

  • Die Vertreter der Selbsthilfegruppe mit Theo Deinlein (li.) und Monika Simon-Deinlein (zw. v. re.) von den Lebensmittelrettern.

    Die Vertreter der Selbsthilfegruppe mit Theo Deinlein (li.) und Monika Simon-Deinlein (zw. v. re.) von den Lebensmittelrettern.
    © Robert Schmitt

Beim elften Begegnungsmenü der Worzeldorfer Lebensmittelretter ist nicht nur gemeinsam gegessen, sondern auch ein berührender Austausch ermöglicht worden. Zu Gast waren Vertreter einer vom Nürnberger Verein Fliederlich getragenen Selbsthilfegruppe für Mittelfranken, die 75 Mitglieder umfasst. Für die „Elterngruppe queerer Kids“ haben Anita Griessmeier, Klaus Pölloth und Ute K. ihre eigenen Erfahrungen geschildert.

In einem sehr persönlichen Gespräch erzählten die drei, wie ihre Kinder sich als Trans und Nonbinär geoutet haben. „Immer mit der Gewissheit, im falschen Körper zu sein“, hieß es. Sie schilderten eindrücklich den langwierigen und für alle Familienmitglieder sehr anstrengenden Prozess von ersten Gesprächen bis hin zu medizinischen Schritten wie Hormonbehandlungen und Operationen. 

Schließlich endete dieser gemeinsam Weg mit dem Ankommen in einer neuen Identität. „Allen unseren Kindern ist gemeinsam, dass ihnen bei der Geburt nicht ihre tatsächliche Identität zugeordnet werden konnte“, so Klaus Pölloth. „In der Zwischenzeit sind sie dort angekommen, wo sie sich wohlfühlen, und leben als Frau oder nonbinäre Person.“ Besonders bewegend war der Beitrag von Anita Griessmeier, deren nonbinäres Kind mittlerweile in Berlin lebt. „Es war nicht leicht“, sagte sie, „aber heute bin ich einfach nur stolz auf mein Kind.“

Bei allen Berichten ist eines besonders deutlich geworden: Der Weg zu Verständnis und Unterstützung ist auch für die Eltern nicht immer einfach. Alle drei sprachen offen über ihre Zweifel, Ängste und Unsicherheiten und darüber, wie wichtig es sei, diesen Wandel mitzugehen. „Die meisten Eltern haben Angst, etwas falsch zu machen“, sagte Klaus Pölloth. „Aber das Wichtigste ist, zuzuhören, sich weiterzubilden und sein Kind auf dem schweren Weg zu begleiten. Sonst zerbricht auf jeden Fall die Eltern-Kind-Beziehung.“

Der Verein „Fliederlich e.V. – Queeres Zentrum Nürnberg“ besteht seit 1978 und agiert im Raum Nürnberg–Fürth–Erlangen als zentraler Ansprechpartner für queeres Leben.

Der Verein bietet zahlreiche Gruppen und Berater:innen – darunter Jugend-, Trans*- und Elternangebote – sowie fachliche Unterstützung durch hauptamtliches Personal. Der Verein organisiert Bildungs-, Kultur- und Gedenkveranstaltungen (z. B. Regenbogen­konferenz, Fliederempfang, CSD-Präsenz) und fördert Projekte wie Jugendgruppen (ttime für junge Transpersonen) oder die Regenbogenfamilien-Gruppe.

Es gibt ein Elterntelefon und offene Beratungszeiten zur Unterstützung im Coming‑out‑Prozess. Die Elterngruppe trifft sich monatlich jeweils am ersten Donnerstag, 18:30 Uhr, mit Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon: 0172 94 80 286 (Klaus), eltern@fliederlich.de

Von: Robert Schmitt (meier Redaktion), Montag, 07. Juli 2025 - Aktualisiert am Montag, 21. Juli 2025
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »meier® Magazin / Redaktion« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/redaktion

Weitere Seiten zum Thema:

Empfehlen Sie diesen Artikel:

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.