Energiewende-Pionier Hans-Josef Fell und Filmemacher Frank Farenski zu Gast in Roth

Roth - Der Verein „Energiebündel Roth-Schwabach e.V.“ hatte zu einer Diskussionsrunde „Teurer Erdgasstrom statt Solarstrom?“ ins Rother „Glashaus“ geladen. Der Vereinsvorsitzende Dr. Joachim Holz diskutierte mit Hans-Josef Fell – einem der Urheber des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – und Dr. Gerhard Brunner (Leiter der Stadtwerke Roth) über aktuelle Fragen der Energiewende in der Region. Moderiert wurde die Veranstaltung durch den Filmemacher Frank Farenski. Eine Kurzfassung des Gesprächs ist als Videoaufzeichnung über www.aktionsolarstrom.de abrufbar.

Aktueller Anlass des Gesprächs war die Absicht der Bundesregierung, mit Milliardenaufwand eine Reihe von neuen Gaskraftwerken bauen zu lassen. Diese sind nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums notwendig, um in den sonnenarmen Zeiten (also vor allem im Winter) die Versorgung mit elektrischem Strom sicherzustellen. Hans-Josef Fell widersprach hier entschieden: „Wir können die Winterflaute sehr leicht decken, indem wir einen Großteil der jetzigen laufenden Biogasanlagen aus der Sommernutzung herausnehmen, ihre Leistung etwa um das Drei- bis Vierfache erhöhen und in den Winter bringen. Das alleine würde die neuen Erdgaskraftwerke komplett ersetzen.“ Zudem betonte er die Chancen, die im Ausbau der Speicherung von Strom in der Region liegen, und mahnte an, schnellstens auf neue, saubere Lösungen wie beispielsweise das bidirektionale Laden zu setzen: „Sonst wird China, das heute schon dominant ist in diesen neuen Technologien, uns komplett industriell in den Abgrund bringen.“

Dr. Gerhard Brunner betonte, dass für die Stadtwerke die Versorgungssicherheit oberstes Gebot ist: „Strom muss möglichst permanent zur Verfügung stehen.“ Er betont, dass laut Branchenumfragen dem Kunden der Preis viel wichtiger ist als andere Faktoren, wie Regionalität und Klimaneutralität. In diesem Sinne sei es für ihn von untergeordneter Bedeutung, wie der Strom erzeugt wird. Aber er betonte ebenfalls: „Wir freuen uns als kommunaler Versorger, dem Klimaschutz wichtig ist, natürlich, wenn das ohne fossile Stoffe geht.“

Für den Energiebündel-Verein stellte Dr. Joachim Holz heraus, dass der Weg zur Klimaneutralität hier in der Region noch ein sehr weiter ist – trotz toller gegenteiliger Beispiele auch von einzelnen Vereinsmitgliedern: „Im Jahr 2019 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kopf im Landkreis Roth immer noch bei etwa acht Tonnen pro Jahr. Das ist viel zu viel. Das wissen wir eigentlich alle.“ Entsprechend bedauerte er, dass das Thema Klimaschutz bei vielen Bürgerinnen und Bürgern und vor allem bei den Politikern in der Priorität sehr weit nach hinten gerutscht ist. Er appellierte an den Bund und die Länder, den Kommunen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die „Energiewende von unten“ voranzubringen. Insbesondere der Sektor Mobilität (der im Landkreis Roth etwa die Hälfte der klimaschädlichen Emissionen verursacht) erfordere hohe Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, das Radwegenetz und die Ladeinfrastruktur: „Wir werden [in den Kommunen und im Landkreis] derart knapp gehalten, das ist ein Riesenproblem für uns.“

Auch Hans-Josef Fell sieht in der Region den entscheidenden Hebel, um die gigantischen Kosten für neue Übertragungsnetze zumindest zum großen Teil zu reduzieren. Er forderte „verstärkt mit allen in unserer Gesellschaft“ über falsche Investment in neue Gaskraftwerke und Netze zu reden. Nach seiner Meinung besteht auch in der Gesellschaft sehr viel Rückhalt für den Ausbau der erneuerbaren Energien und den gilt es zu nutzen: „Also, das ist verankert in unserer Gesellschaft. Nehmen wir das ernst, nehmen wir es auf, sprechen wir die Leute dazu an und zeigen ihnen weiterhin wie bisher, was die Lösungen sind.“ Und er appellierte direkt an die Bürgerinnen und Bürger: „Du willst doch billige Energie. Das geht eben nur so, wenn du es selbst machst, und wenn wir die Stadtwerke unterstützen, dies auch vor Ort alles optimal hinzubekommen.“

Gerhard Brunner griff diesen Hinweis auf und forderte, „dass die Sektorenkupplung vorankommt und die E-Mobilität und auch die Wärmewende so verankert werden in der Breite [der Bevölkerung] wie die solare Stromerzeugung.“ Genau wie Joachim Holz sieht er zwar positive Tendenzen in der Region, aber auch noch große Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität: „Ohne Digitalisierung der Netze werden wir nicht die Früchte der Energiewende in dem Umfang ernten können, wie es von vielen hier gewünscht wird.“

Letztlich wirkte aber der Enthusiasmus von Hans-Josef Fell als langjähriger engagierter Streiter für die Energiewende ansteckend auf die Zuhörerschaft. Folgerichtig zog Joachim Holz das Resümee „Das gibt auch unserem Verein noch mal wieder neuen Auftrieb, um das Thema mit der nötigen Geschwindigkeit voranzutreiben.“

Weitere Informationen über die Vereins-Webseite www.energiebuendel-rh-sc.de und unter dem Profil @EnergieB_Rh_SC im sozialen Netzwerk @mastodon.social

Von: Dr. Joachim Holz (1. Vorstand & Pressesprecher), Mittwoch, 17. Dezember 2025 - Aktualisiert am Samstag, 17. Januar 2026
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Energiebündel Roth-Schwabach e.V.« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/energiebuendel-rh-sc

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