Erhaltung der Artenvielfalt beginnt vor der eigenen Haustür

Wendelstein - Blühpflanzen statt Kies und Beton – die Erhaltung der Artenvielfalt beginnt nach Einschätzung der Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“ (IBgW) vor der eigenen Haustür. Die auch in Wendelsteiner Vorgärten immer häufiger anzutreffenden Kies- oder Betonflächen mögen bei der Gartenpflege bequem sein, mit Gartenästhetik und Naturschutz habe eine solche Art der „Gartengestaltung“ allerdings nichts zu tun, betonte die Ortsinitiative bei einer Veranstaltung zum Thema „Blühflächen vor der eigenen Haustür“. Die in der Initiative zusammengeschlossenen Bürger bemühen sich seit Jahren um eine behutsame Ortsentwicklung und Ortsbildgestaltung.

Wer Bienen retten und auch sonst einen Beitrag zum Schutz bedrohter Insekten leisten möchte, sollte stattdessen mit heimischen Wildpflanzen Blühflächen in seinem Garten schaffen – und das möglichst vom Frühjahr bis zum Herbst, betonten IBgW-Vertreterin Kristin Seelmann und die Naturgarten-Expertin des örtlichen Bund Naturschutz, Claudia Porschert, vor knapp 60 Zuhörern.

Die IBgW hatte zu der Veranstaltung im Rahmen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ eingeladen, mit dem sich mehrere Parteien und Naturschutzorganisationen unter anderem für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft einsetzen. Allein Landwirte an ihre Verantwortung in Sachen Artenvielfalt zu erinnern, greife allerdings zu kurz, machten die beiden Referentinnen der IBgW-Veranstaltung deutlich.

Allein die Artenvielfalt über Naturschutzgebiete erhalten zu wollen ist aber auch nicht möglich. Die Privatgärten stellten zusammen eine größere Fläche als die Naturschutzgebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz – so könnten auch Privatgartenbesitzer mit einem Naturgarten(verbund) einen Beitrag leisten und die Rückkehr der Artenvielfalt fördern. Dies sei im Grunde genommen nicht aufwendiger als jeder andere Garten. Einfach auszusäende Blühmischungen, aber auch heimische Wildpflanzen und Stauden gebe es im Fach- und Versandhandel, Broschüren beim örtlichen Bund Naturschutz, anschauliche Einführungsliteratur im Buchhandel. „Wenn ein Naturgarten einmal angelegt ist, ist er pflegeleicht und kostengünstig“, betonten Seelmann und Porschert.

Auch müsse nicht unbedingt gleich der ganze Garten umgestaltet werden, wenn man beispielsweise einen Teil der Gartenfläche als Rasenfläche erhalten wolle. Ein erster Schritt könnten Blühinseln sein. Auch Kräuterspiralen seien eine Variante. Einzelheiten zur Auswahl geeigneter Blühpflanzen fänden sich in der kostenlos herunterladbaren Broschüre „Bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Garten“ der Bundesregierung (https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/publikationen/bienenfreundliche-pflanzen-fuer-balkon-und-garten-das-pflanzenlexikon-der-bienen-app-728660), berichtete Kristin Seelmann. Und nach ihrer Erfahrung braucht es nicht unbedingt einen großen Garten, um etwas für die Bienen zu tun. Selbst ein Balkon könne bei entsprechender Bepflanzung zu einer kleinen „Bienenweide“ werden.

Dass sich auch Landwirte aktiv im Naturschutz engagieren, machte der Schwanstettener Landwirt Robert Volkert deutlich. Der Landwirt kümmert sich seit vielen Jahren unter anderem auch um den Kiebitz-Vogelbestand in der Region. Seit ihm aufgefallen ist, dass die selten gewordenen Bodenbrüter gerne in seinen Maisfeldern Schutz suchen, praktiziert er während der Brut- und Aufwuchszeit der Kiebitze eine besonders schonende Art der Maisfeld-Bearbeitung. Dadurch habe sich der Kiebitzbestand in den vergangenen Jahren deutlich vermehren können, berichtete er.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ lehnt Volkert ab. Setze sich das Volksbegehren durch, würde die Artenvielfalt seiner Meinung nach noch mehr schwinden. Zum Beispiel würden die geforderten Bäume und Heckenpflanzungen als Raubvogel-Ansitz ideale Bedingungen bieten das Kiebitzvorkommen und so auch die Feldlerche zu vertreiben. Des Weiteren sieht er sich mit den angedachten Naturschutzauflagen, die seiner Meinung nach teilweise unpassend seien, bestraft. Naturschutz dürfe Landwirten nicht von oben verordnet werden. Stattdessen sollte man auf die Freiwilligkeit und den guten Willen der Bauern setzen, ist er überzeugt. Volkert stieß mit seiner Einschätzung in der folgenden Debatte keineswegs auf ungeteilte Zustimmung. Angesichts der inzwischen dramatischen Lage beim Artenschutz könne es ein Weiter-so nicht geben, meinten mehrere Besucher. Andere Redner warnten davor, einen Keil zwischen Naturschützer und Landwirte zu treiben. Letztlich sei auch die Landwirtschaft von einem funktionierenden Öko-Kreislauf abhängig. Gerade landwirtschaftliche Betriebe, die schon jetzt unentgeltlich Rücksicht auf Naturschutzbelange nähmen, sollten dafür von staatlicher Seite besser finanziell unterstützt werden.

Von: Klaus Tscharnke (Sprechergruppe), Montag, 11. Februar 2019 - Aktualisiert am Dienstag, 12. Februar 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/initiative-buerger-gestalten-wst
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