Erste zertifizierte Bio-Imkerin Schwabachs
Schwabach - Die Diplom-Agraringenieurin Birgit Raab produziert Honig nach besonderen Standards. Strenge Vorgaben der EU garantieren Natürlichkeit, Umweltschutz und Bienenwohl.
Birgit Raab ist Imkerin. 2023 hat sie zu zwei eigenen 17 Völker eines befreundeten Bio-Imkers übernommen. Seit kurzem ist sie nun die erste und einzige Bio-Imkerin mit EU-Zertifikat in Schwabach. Immerhin gibt es in der Goldschlägerstadt 106 Imkerinnen und Imker mit 525 Völkern. Mittelfranken weit produzieren sogar rund 5000 Frauen und Männer als Imker eigenen Honig. Lediglich 22 davon arbeiten als Bio-Imker und dürfen mit dem Begriff für ihre Produkte werben.
Die ehemalige Bezirksrätin der Grünen und Diplom-Agraringenieurin hat aus Brüssel eine Bescheinigung erhalten, das sie zur „geprüften Bio-Imkerin“ macht. Fünf ihrer Bienenstöcke stehen in einem großen Gartengrundstück am Rande des Stadtteils Unterreichenbach. Denn das ist eine der wichtigsten Bedingungen, die EU-zertifizierte Bio-Imker erfüllen müssen: Innerhalb eines Umfelds von drei Kilometern, des typischen Flugradius’ der Bienen, müssen die Nektar- und Pollenquellen überwiegend aus biologischer Landwirtschaft, wilden Pflanzen oder naturnahen Flächen bestehen. Der Nahrungsquellen der Bienen sollten möglichst frei von chemischen Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen sein. Hauptziel ist es, Schadstoffe zu vermeiden.
Ferner bestehen die Bienenbehausungen regelmäßig aus natürlichen Materialien, und die Varroamilbe, ein eingeschleppter Schädling, darf ausschließlich mit natürlichen Mitteln bekämpft werden. Wichtig ist auch ein regelmäßiger Wachsaustausch, denn dort sammeln sich Schadstoffe und werden auf den Honig übertragen. „In der Bio-Imkerei geht es generell um eine Vermeidung von chemisch-synthetischen Mitteln in der Landwirtschaft, um alle Insekten und damit auch die in der Nahrungskette folgenden Tiere sowie die Wildpflanzen und letztlich uns Menschen davor zu bewahren“, heißt es von der Landesvereinigung für ökologischen Landbau in München.
Die EU-Bio-Zertifizierung für Imker legt großen Wert auf Natürlichkeit, Umweltschutz und Bienenwohl. Sie enthält strenge Vorgaben zu Standort, Fütterung, Krankheitsbekämpfung und Verarbeitung. Besonders hervorzuheben sind die regelmäßigen Kontrollen sowie die Verpflichtung zu natürlichen Materialien und Methoden. Diese Standards garantieren eine hohe Qualität des Honigs und schützen gleichzeitig die Umwelt sowie die Bienen. Die entsprechende EU-Verordnung ist international anerkannt. Sie bildet die Grundlage für den Bio-Honig-Export innerhalb und außerhalb der EU.
Jeder EU-Bio-Imker darf seinen Honig nicht über 40 Grad erhitzen, um natürliche Inhaltsstoffe wie Enzyme und Vitamine zu erhalten. Starkes Filtern oder die Zugabe von Zusatzstoffen ist verboten. Jede Charge Honig muss von der Ernte bis zur Abfüllung lückenlos dokumentiert werden, um die Bio-Qualität zu gewährleisten. In Bayern haben Bio-Imker einen Vorteil. Der Freistaat fördert sowohl die Umstellung auf Bio-Imkerei als auch die regelmäßig erforderlichen Prüfungen.
Bei der jährlichen Kontrolle muss Birgit Raab auch ihre Buchführung öffnen. Sie hat zu belegen, dass sie ausschließlich biologisch zertifizierte Futtermittel verwendet. Der Einsatz synthetischer Chemikalien oder Antibiotika zur Krankheits- und Schädlingsbekämpfung ist strikt verboten. Stattdessen legt die EU-Verordnung großen Wert auf Vorbeugung, wie die Auswahl robuster Bienenrassen oder regelmäßige Reinigung der Bienenstöcke. Ebenso muss ein gewisser Teil des Honigs als Bienennahrung im Stock verbleiben.
Birgit Raab betreut in der Nürnberger Vorortgemeinde Schwaig einen Schaubienenkasten. „Dort kann man Bienen mit allen Sinnen erleben: Riechen, hören, ins Volk schauen“, erklärt sie. Außerdem hat Raab Bienen-Patenschaften mit verschiedenen Firmen in Nürnberg und Schwaig geschlossen. Auf deren Grundstück sind jeweils Bienenvölker angesiedelt, mit dem Vorteil für die Unternehmen: Sie können mit dieser ökologischen Maßnahme werben und erhalten den Honig, der mit entsprechendem Etikett ebenfalls werblich genützt werden kann. „Unsere süßesten Crew-Mitglieder“, hat beispielsweise eine Werbeagentur zum Bienenbild getextet. Ein Hotel kredenzt den Bio-Honig auf dem Frühstücks-Büfett. Raab hat jüngst einen besonderen, seltenen Bio-Honig schleudern können. Ihre Stadt-Bienen haben aus den Ausscheidungen der Blattläuse auf Stadtbäumen sogenannten „Honigtauhonig“ produziert, der umgangssprachlich als „Waldhonig“ bezeichnet wird: Dunkel, kräftig im Geschmack und reich an Mineralstoffen.
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