Fehlende Kinderbetreuungsplätze in Wendelstein – ein Problem mit Ansage

Wendelstein - Jahrelang war Wendelstein in Sachen KiTa-Plätze vorbildlich. Sowohl bei den Kindergartenplätzen, als auch in dem sensiblen Bereich der Krippenplätze, in dem besonders viele Ressourcen (Räume und Personal und damit Baugrund und Geld) benötigt werden, stand Wendelstein gut da. Noch vor einem Jahr machten sich der Bürgermeister Langhans und die CSU-Fraktionsvorsitzende Griesbeck öffentlichkeitswirksam Sorgen um die Auslastung und behaupteten gebetsmühlenartig, dass wir mehr Ansiedlung junger Familien bräuchten, um unsere bestehenden Kindertagesstätten (=KiTas) vor Ort ausreichend zu füllen.

Nunmehr – immerhin nur ein Jahr später – sind diese Zeiten vorbei. Inzwischen sind vor allem die Krippenplätze nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden, auch das Fehlen von Kindergartenplätzen zeichnet sich ab. Die vorhandenen Einrichtungen versuchen auf engstem Raum zu erweitern. Die Gemeinde sucht händeringend Träger, die kurzfristig zusätzliche Kindertagesstätten errichten und betreiben. Aber wo? Die zu Verfügung stehenden Flächen der bestehenden Einrichtungen fast aller Träger im Gemeindegebiet sind praktisch ausgeschöpft. Mit bebaubarem Grund für Gemeinwohlzwecke hat sich die Kommune in den letzten Jahren kaum bevorratet.

Hier rächt sich jetzt, dass die natürliche Fluktuation der Bevölkerung – wie von BÜNDNIS 90 /DIE GRÜNEN regelmäßig betont – von der Gemeinderats-Mehrheit ignoriert wurde. In den Baugebieten, die in den 60er und 70er Jahren in Wendelstein ausgewiesen wurden, ziehen die gealterten Bewohner zunehmend aus und junge Familien ein. Und genau diese jungen Familien brauchen jetzt Krippen- und Kindergartenplätze.

Zusätzlich hat die Gemeinde weitere Baugebiete ausgewiesen, in die ja ebenfalls junge Familien eingezogen sind bzw. einziehen sollen, die wiederum Betreuungsplätze benötigen. Und da reden wir noch gar nicht von dem ehemaligen Hörnleingelände in Großschwarzenlohe, in das ja 99 Familien mit jeweils einem oder mehreren Kindern einziehen sollen.

In Großschwarzenlohe gibt es derzeit eine einzige Krippengruppe in der Kita Arche. Eine Gruppe bedeutet Platz und Betreuungskapazität für 12 Kleinkinder. Für einen Ortsteil mit ca. 3.300 Einwohnern? Wenn nun durch die Hörnleinbebauung und das neu zu entwickelnde Baugebiet in Sorg der Ortsteil um nochmals 300-350 Bewohner wachsen soll- und all das in Form von „jungen Familien mit Kindern“, wo bitte ist da die Weitsicht der Gemeinde? Derzeit kann Wendelstein unseren Neubürgern keine adäquate Kinderbetreuung bieten. Die Chance, hier im Bebauungsplan (z.B. beim Hörnleingelände) eine KiTa vorzusehen, lässt die Gemeinde gerade verstreichen. Anstatt, wie andere Gemeinden, den privaten Investor zu zwingen, für eine angemessene Versorgung zu sorgen, beugt sich die Gemeinde dessen Profitinteressen. Die Kosten für die notwendige Infrastruktur sollen stattdessen alle Gemeindebürger tragen.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN hat immer wieder auf die fehlende Infrastruktur bei der Ausweisung von Neubaugebieten und im Rahmen der Aufstellung des Flächennutzungsplanes verwiesen. Leider wurden unsere Argumente jedes Mal komplett ignoriert – das rächt sich jetzt!

Der Bedarf an Flächen für den Gemeinbedarf steigt zwangsläufig mit der Ausweisung von Wohnbauflächen. Diese schlichte Wahrheit wurde schon in der Planungswerkstatt der Bürger vielfach betont und von der Gemeinderatsmehrheit konsequent ignoriert.

Da hilft es kaum, vorübergehend eine Containerlandschaft flankierend an bestehende Kitas zu errichten und für künftige Kitas und Kindergärten Flächen im Gewerbegebiet zu suchen. Kitas sollten fußläufig erreichbar sein. Wenn jedes Kind von seinen Eltern morgens in die Betreuung gefahren und abends abgeholt wird, erzeugt das zunächst zweimal täglich ein Verkehrsproblem. Die Einrichtung am Richtweg ist da ein abschreckendes Beispiel. Auch der Verkehrserziehung unserer Kinder ist das Bringen mit dem PKW sicher nicht zuträglich, von Umweltaspekten wie der Feinstaubbelastung ganz zu schweigen. Es wirft tatsächlich ein interessantes Schlaglicht auf unsere Gesellschaft, wenn wir unsere Kinder im Gewerbegebiet betreuen lassen.

Gerade in Großschwarzenlohe sind jetzt schon zu wenige KiTa-Plätze vorhanden Damit müssen die Eltern auf andere Gemeindeteile ausweichen. Dorthin werden sie aber ihre Kinder wegen der Entfernung immer per Auto fahren, was die sowieso schon angespannte Verkehrssituation weiter verschärfen wird.

Wir können nicht immer weiterwachsen, weil unsere Infrastruktur das einfach nicht hergibt – die fehlenden KiTa-Plätze sind hier nur ein Beispiel. Dazu kommt noch, dass falls jetzt die Infrastruktur aufgebläht werden würde (was angesichts der aktuellen Planungen unumgänglich scheint), in 10 bis 15 Jahren, wenn die Kinder der jetzt jungen Familien keine Betreuung mehr benötigen, die Auslastung der Einrichtungen rapide zurückgehen wird.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN hofft, dass im Rahmen der weiteren Flächennutzungsplan-Aufstellung ein Umdenken einsetzt. Die gemeindliche Bauleitplanung muss der bestehenden Infrastruktur und deren Erweiterungsmöglichkeiten angepasst werden, statt Wohngebiete ohne Rücksicht auf die Folgen für die Infrastruktur auszuweisen. Wenn gemäßigtes Wachstum das Ziel sein soll, dann unter Schaffung geeigneter Infrastruktur vor Ort. KiTas im Gewerbegebiet und Ausgleichsflächen in der Oberpfalz sind keine Lösung.

An den Kosten sind die privaten Investoren zu beteiligen. Es kann nicht Ziel der Gemeinde sein, Gewinne zu privatisieren und Folgekosten zu vergemeinschaften.

Von: Martin Mändl / Boris Czerwenka, Montag, 06. August 2018 - Aktualisiert am Mittwoch, 29. August 2018
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Bündnis 90 / Die Grünen - Ortsverband Wendelstein« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/gruene-wendelstein
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