Friseur - einfach nur Haareschneider oder was?

Region - Als Friseurunternehmen bieten wir jungen Menschen gerne in Form von Praktika Einblicke in unseren Beruf. Natürlich kennt jeder Friseursalons schon von persönlichen Friseurbesuchen. Doch das dabei erlangte Bild wandelt sich oft bei einer einwöchigen Mitarbeit.

So oft es geht, zeigen wir den Interessierten berufsspezifische Techniken am Übungskopf - einer Frisierpuppe mit Echthaar, an der auch unsere Azubis trainieren. Spätestens beim Haare eindrehen, hochstecken, oder föhnen dieser Übungsmedien kommt heraus, welche Fingerfertigkeiten und welche Umsetzungsgabe man mitbringt. Auch kommt zur Sprache, welches Wissen man sich als Friseurauszubildender in den drei Jahren Lehrzeit aneignen muss.

Gerade hier blickt man oft in verdutzte Gesichter, denn neben vielen chemischen Vorgängen, Haar- und Hautbeschaffenheiten gehören zu unserem Beruf eben vor allem auch künstlerische und gestalterische Fähigkeiten. Vorstellungskraft, Form- und Farbgefühl, Sinn für Mode und natürlich auch rhetorische Fähigkeiten fürs Beraten und Empfehlen. In vielen Köpfen ist ein falsches Bild von unserem Beruf verankert. Mit „nur Haareschneiden“ ist es eben nicht getan. Der perfekte Haarschnitt sieht bei der falschen Gesichtsform nicht halb so gut aus und die nicht typgerechte Haarfarbe ruiniert selbst den modischsten Look für Wochen.

Genau das ist auch das Spannende: Wir sind nicht nur Haareschneider, Lockendreher, Abrasierer oder Fliesbandfärber - wir machen uns um jeden unserer Kunden bis ins kleinste Detail Gedanken. Und der Look steht in unserem Kopf schon, bevor wir überhaupt auch nur ein Haar angefasst haben.

Um hier immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, lernen wir auch nie aus. Auch nach der Ausbildung kann man sich nie zurücklehnen und sagen: „Ich kann jetzt alles“, denn der Modezirkus bringt jede Saison neue Techniken und Produkte auf den Markt. Nur ein gut geschulter Friseur, der immer am Ball bleibt, kann diese Entwicklungen mitgehen.

„Handwerk hat goldenen Boden“ heißt es so schön in einem bekannten Sprichwort. Bei uns Friseuren klafft die Schere hier leider weit auseinander. Die Branche hat die letzten Jahre viele Fehler gemacht. Manche Salons haben die Auszubildenden lediglich als günstige Hilfskräfte genutzt und die Ausbildungsinhalte vernachlässigt, Salons sind in den Preiskampf eingestiegen und haben die „Geiz ist geil“-Mentalität bedient. Dass hierbei nicht das Fördern von Können der Mitarbeiter und die Kreativität im Mittelpunkt stehen, ist für mich klar.

Der aktuelle Fachkräftemangel im Handwerk ist natürlich auch bei uns Friseuren angekommen. Jetzt kommt es darauf an, wie wir reagieren. Wir müssen den jungen Leuten den Friseurberuf so nahebringen, dass sie ihre mindestens 40 Berufsjahre lang von einer fundierten und breit gefächerten Ausbildung zehren können und immer wieder Fachwissen erwerben. So verliert man ganz sicher den Spaß am meiner Meinung nach schönsten Beruf der Welt nicht und wird in der beruflichen Laufbahn viele Menschen glücklich machen!

Das Friseurhandwerk ist tarifgebunden. Das heißt: Jeder Salon muss mindestens ein tariflich festgelegtes Arbeitsentgelt bezahlen. In den letzten Jahren wurden hier deutliche Erhöhungen durchgeführt und sind auch schon für die nächsten Jahre festgeschrieben. Auch dies wird hoffentlich zu einer deutlichen Aufwertung unserer Branche führen. Und natürlich hat es auch jeder einzelne Friseurbesucher in der Hand, in welche Richtung sich der Friseurmarkt entwickelt.

Lassen Sie unser gutes deutsches Handwerk wieder zu dem werden, was es vor Jahren schon war:
zu einem angesehenen, wertvollen und geschätzten Beruf.

Ihr Marc Seubert vom HAIRlike frisörteam seubert

Von: Marc Seubert, Mittwoch, 23. Oktober 2019 - Aktualisiert am Dienstag, 29. Oktober 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »HAIRlike« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/hairlike

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