Führung wird menschlich bleiben – Künstliche Intelligenz, Frauen und die Arbeitswelt von morgen

Worzeldorf - Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt in einem Tempo, das noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Doch je leistungsfähiger die Technik wird, desto deutlicher zeigt sich auch: Gute Führung, Verantwortung und menschliches Urteilsvermögen lassen sich nicht automatisieren.

  • Iris Schuster, Monika Simon-Deinlein, Stephanie Butschek mit Assistentin

    Iris Schuster, Monika Simon-Deinlein, Stephanie Butschek mit Assistentin
    © Monika Simon-Deinlein

  • Von lnr: Christine Kayser, Hedwig Schouten, Monika Simon-Deinlein, Elisabeth Ries, Stephanie Schäfer, Dr. Magda Luthay und Ping Yao Müller.

    Von lnr: Christine Kayser, Hedwig Schouten, Monika Simon-Deinlein, Elisabeth Ries, Stephanie Schäfer, Dr. Magda Luthay und Ping Yao Müller.
    © Monika Simon-Deinlein

Beim Jahresempfang von „erfolgsfaktor FRAU e.V.“ stand deshalb eine Frage im Mittelpunkt, die weit über technische Entwicklungen hinausgeht: Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt – und was bedeutet das für Führung, Zusammenarbeit und insbesondere für Frauen?

Unter der sympathischen Moderation von Ella Schindler diskutierten Christine Bruchmann, geschäftsführende Gesellschafterin der Fürst Gruppe Nürnberg und IHK-Vizepräsidentin, Marion Grether, Direktorin des Zukunftsmuseums Nürnberg, sowie Dr. Britta Matthes, Leiterin der Forschungsgruppe „Berufe in der Transformation“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Gerade diese unterschiedlichen Blickwinkel aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zukunftsforschung machten die Diskussion so spannend.

KI nutzen – statt Berührungsängste pflegen
Ein Aspekt des Abends hat mich besonders nachdenklich gemacht: Frauen nutzen Künstliche Intelligenz bislang deutlich seltener als Männer. In der Diskussion wurde ein Unterschied von rund 16 Prozent genannt. Das sollte uns Frauen aufhorchen lassen. Denn wenn KI künftig selbstverständlich zu unserem beruflichen und gesellschaftlichen Alltag gehört, dürfen Frauen bei dieser Entwicklung nicht nur Zuschauerinnen sein. Dabei müssen wir keineswegs zu Technikexpertinnen werden. Ein Satz aus der Diskussion bringt es wunderbar auf den Punkt: „Ich muss keinen Motor kennen, um Auto zu fahren.“ Genauso ist es mit Künstlicher Intelligenz. Wir müssen nicht jede technische Einzelheit verstehen. Aber wir sollten neugierig bleiben, ausprobieren, Fragen stellen und lernen, diese neuen Möglichkeiten selbstbewusst für uns zu nutzen.

Führung ist und bleibt die Königsdisziplin
Besonders eindrücklich war für mich die Diskussion darüber, was KI für Führung bedeutet.
Künstliche Intelligenz kann Daten auswerten, Informationen strukturieren, Prozesse beschleunigen und bei Entscheidungen unterstützen. Doch Verantwortung lässt sich nicht an einen Algorithmus delegieren. Führung bedeutet Haltung. Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen und für ihre Folgen einzustehen. Und Führung bedeutet, Menschen mitzunehmen.
Genau deshalb wird gute Führung auch in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt menschlich bleiben. Vielleicht werden manche klassischen Hierarchien sogar an Bedeutung verlieren. Fachwissen wird durch KI schneller verfügbar, Arbeitsabläufe verändern sich und manche bisherigen Rollen werden neu definiert. Umso wichtiger werden Eigenschaften, die keine Maschine ersetzen kann: Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Erfahrung, Kreativität und die Fähigkeit, Vertrauen zu schaffen.

Nicht alles glauben, was die KI sagt
So beeindruckend die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz sind – sie entbindet uns nicht vom eigenen Denken. Ergebnisse müssen überprüft, Quellen hinterfragt und Zusammenhänge eingeordnet werden. Eine überzeugend formulierte Antwort ist noch lange keine richtige Antwort.
Gerade deshalb brauchen wir in Zukunft nicht weniger, sondern vielleicht sogar mehr Urteilskraft. KI ist ein Werkzeug – ein außerordentlich leistungsfähiges Werkzeug. Doch welches Ziel wir verfolgen, welche Entscheidungen wir treffen und welche Werte dabei gelten sollen, bestimmen weiterhin wir Menschen.

Wenn sich Arbeit verändert, verändert sich auch Identität
Wenn Tätigkeiten verschwinden, sich Berufsbilder verändern und Aufgaben, die bislang menschliche Kreativität oder Fachwissen erforderten, plötzlich teilweise von einer KI übernommen werden können, berührt das Menschen weit über ihren Arbeitsplatz hinaus.
Denn Arbeit ist für viele nicht nur Broterwerb. Sie bedeutet Anerkennung, Zugehörigkeit, Selbstständigkeit und ein Stück persönliche Identität. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was kann KI? Wir müssen ebenso fragen: Wie wollen wir künftig arbeiten und leben? Diese gesellschaftliche Diskussion müssen wir führen – und Frauen sollten darin eine starke Stimme haben.

Netzwerke leben von Begegnungen
Ein weiterer Gedanke zog sich durch den gesamten Jahresempfang: Gerade in einer Arbeitswelt, die sich immer schneller verändert, werden persönliche Netzwerke, Mentoring und der Austausch von Erfahrungen noch wichtiger. Und genau das war an diesem Abend zu spüren. Neben den Impulsen auf dem Podium waren es für mich vor allem die persönlichen Begegnungen und Gespräche, die den Jahresempfang besonders gemacht haben. Sehr gefreut habe ich mich über den Austausch mit Sozialreferentin Elisabeth Ries, Hedwig Schouten, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nürnberg, Dr. Magda Luthay, Leiterin des Büros für Gender und Diversity der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Unternehmerin Ping Yao Müller sowie Christine Kaiser von der SPD.

Eine Begegnung, die besonders in Erinnerung bleibt
Ganz besonders beeindruckt hat mich die Begegnung mit Stephanie Butschek. Eine Frau kennenzulernen, die trotz erheblicher körperlicher Einschränkungen ihren Weg mit einer solchen Stärke, Präsenz und positiven Ausstrahlung geht, hat mich tief bewegt. Sie hat sich nicht auf Grenzen reduzieren lassen, sondern ihren beruflichen Weg konsequent verfolgt und gibt heute ihre Erfahrungen unter anderem als Unternehmerin und Coachin an andere Menschen weiter.
Gerade bei einer Veranstaltung, bei der so viel über Führung, Veränderung und die Arbeitswelt der Zukunft gesprochen wurde, war diese persönliche Begegnung für mich ein ganz besonderer Moment. Denn Stephanie Butschek verkörpert etwas, das keine Künstliche Intelligenz ersetzen kann: Lebenserfahrung, innere Stärke, Haltung und die Fähigkeit, andere Menschen durch die eigene Persönlichkeit zu erreichen und zu ermutigen. Solche Begegnungen bleiben. Und sie zeigen, was Netzwerke wirklich ausmachen. Es geht nicht darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Es geht darum, Menschen kennenzulernen, voneinander zu lernen, unterschiedliche Lebenswege wahrzunehmen und sich gegenseitig Mut zu machen.
Der Austausch über Berufe, Institutionen und auch über Parteigrenzen hinweg eröffnet neue Perspektiven. Vielleicht liegt gerade darin eine der großen Stärken von Frauennetzwerken: Wir können Erfahrungen teilen, Türen öffnen und einander darin bestärken, den eigenen Weg zu gehen.

Die Zukunft braucht Technik – und Menschlichkeit
Mein Fazit dieses Abends ist deshalb keineswegs von Sorge geprägt, sondern vor allem von Neugier. Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt verändern. Sie wird uns Aufgaben abnehmen, neue Möglichkeiten eröffnen und uns gleichzeitig vor Herausforderungen stellen, deren Ausmaß wir heute noch nicht vollständig absehen können. Aber vielleicht liegt genau darin auch eine Chance: Je mehr Technik uns umgibt, desto deutlicher erkennen wir, was den Menschen ausmacht. Verantwortung. Empathie. Kreativität. Haltung. Mut. Und die Fähigkeit, füreinander einzustehen.

Wir Frauen sollten diese Entwicklung nicht abwarten, sondern sie aktiv mitgestalten – neugierig, selbstbewusst und ohne Angst vor einer Technologie, die letztlich ein Werkzeug des Menschen bleiben muss. Denn eines hat dieser spannende Jahresempfang für mich besonders deutlich gemacht: Die Arbeitswelt wird digitaler. Gute Führung aber wird menschlich bleiben.

Von: Monika Simon- Deinlein (Vorsitzende der Frauen Union Kreisverband Nürnberg Süd), Mittwoch, 02. September 2026 - Aktualisiert am Freitag, 18. September 2026
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Frauen Union Worzeldorf« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/fu-worzeldorf

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