Gartengeschichten: Heute hier – morgen da !

Region - Ich liebe es Entwicklungen und Veränderungen die sich im Laufe des Jahres im Garten ergeben, beobachten und erleben zu können. Schon allein durch unsere schönen Jahreszeiten bestimmt, hält die heimische Tier- und Pflanzenvielfalt das ganze Jahr über Höhepunkte bereit. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Nichts ist so wie es im Jahr zuvor war. Tiere kommen und gehen, fliegen, flattern, krabbeln oder kriechen ein und aus und unsere Pflanzen bilden durch unterschiedlich starkes Wachstum jedes Jahr ein neues Gesamtbild – und hier sticht eine Pflanze buchstäblich ganz besonders heraus. Diese Pflanze vereint gleich so viele faszinierende und positive Eigenschaften, dass ich mir nicht so richtig sicher bin, welche mich davon am meisten begeistert – die Früchte, die Raffinesse, Flexibilität, Anspruchslosigkeit und Robustheit der Pflanze oder ihre Schönheit. Eines aber ist sicher: sie hat einen festen Platz unter meinen Lieblingspflanzen und ist mein absoluter Favorit unter den Beerengehölzen. In meiner dritten Gartengeschichte erzähle ich deshalb über unsere Japanische Weinbeere.

  • Unsere Japanische Weinbeere – im letzten Jahr als natürlichen Bogen gezogen trägt Sie nun in luftiger Höhe viele Früchte

    Unsere Japanische Weinbeere – im letzten Jahr als natürlichen Bogen gezogen trägt Sie nun in luftiger Höhe viele Früchte
    © Angela Streck

  • Allein dieser  Anblick ist schon ein echter Genuss

    Allein dieser Anblick ist schon ein echter Genuss
    © Angela Streck

  • Hier schön  zu sehen:  Die Tröpfchen  an den Borstenenden

    Hier schön zu sehen: Die Tröpfchen an den Borstenenden
    © Angela Streck

  • © Angela Streck

  • Herrlich dunkelrote  und vollreife Früchte – ein Genuss. Nach dem Foto waren auch gleich alle weg ;–)

    Herrlich dunkelrote und vollreife Früchte – ein Genuss. Nach dem Foto waren auch gleich alle weg ;–)
    © Angela Streck

  • © Angela Streck

Wie eingangs beschrieben liebe ich es, wenn sich im Garten was tut, es nicht immer gleich aussieht. Die Jahreszeiten tragen hier die stärksten Veränderungen bei. Durch den Wachstumszyklus mancher Pflanzen verändern sich Bereiche in unserem Garten aber auch zwischen den Jahreszeiten stark und lassen dadurch ein komplett neues Bild entstehen. Unser Bärlauch zum Beispiel, der große Flächen im Frühjahr dicht bedeckt (ich berichtete in meiner ersten Gartengeschichte), hat sich nun restlos zurückgezogen und die mit feinem Rindenmulch bedeckte Flächen wieder komplett freigegeben.

Zurück zur Japanischen Weinbeere. Wie schon erwähnt sehr anpassungsfähig, ist es der Pflanze in unserem Garten wirklich vollkommen egal, ob sie einen Platz an der Sonne genießen darf oder ihr ein Fleckchen im Schattenbereich zugewiesen wurde. Sie arrangiert sich mit allen Gegebenheiten und macht dabei immer eine gute Figur. Zusätzlich schnellwachsend – ich sag immer: „die kommt mit wirklich großen Schritten daher“, ermöglicht sie mir viele Gestaltungsmöglichkeiten und lässt meinem Ideenreichtum freien Lauf. Die Weinbeere bildet im ersten Jahr eine sehr attraktive lange Rute, die nach ca. drei bis vier Metern Länge den Weg wieder in den Boden sucht, um neu anzuwurzeln. Mit etwas Hilfe ist so z.B. ein natürlicher Torbogen entstanden. Mit einem Schnitt habe ich dies aber auch schon unterbunden und es entstand ein elegant überhängender Halb­bogen der im Folgejahr an den Blattachsen des Vorjahres reichlich Früchte trägt. Die Triebe sind zweijährig und sterben nach der Ernte im Herbst ab. Wenn ich den »Bogen« dann wieder entferne, landet das abgestorbene Gehölz auf unserem Totholzhaufen, kleingeschnitten im Kompost oder er bleibt als Gerüst für die nächste Generation stehen, denn an gleicher Stelle kommen zwei neue Triebe (nicht mehr!) aus dem Boden. Bemerkenswert und sehr angenehm finde ich auch die Tatsache, dass die Pflanze keine Wurzelausläufer bildet und sie somit nicht zum unkontrollierbaren Wuchern neigt.

Die schmackhaften Früchten sind meine Lieblingsbeeren, weil alles Positive auf sie zutrifft, was einem zu gutem Obst einfallen kann: Die Beeren sind süß, aromatisch, sehr saftig und appetitlich. Die Pflanze ist dazu absolut frei von Krankheiten und Schädlingen, so können wir uns jedes Jahr über einen sicheren Ertrag freuen und das ohne großen Pflegeaufwand. Zudem sind die Beeren für uns Menschen leicht zu ernten und das absolut faszinierende dabei – es sind immer ganz saubere Früchte was auf einer weiteren Besonderheit beruht: Wie z.B. bei Himbeeren gehen die Blüten auf und werden rege von Bienen und anderen Insekten besucht und bestäubt – soweit nichts Ungewöhnliches. Dann aber schließen sich die Blüten und öffnen sich erst wieder kurz bevor die Früchte reif sind – einfach genial. Zusätzlich schützen ein balsamähnlicher Film die Blüten- und Fruchtstände und unzählige »Borsten« die gesamte Pflanze. Schädlinge finden somit kein Durchkommen und haben keine Freude daran. Selbst die Vögel müssen schon eine besondere Technik entwickelt haben, um an die leckeren Früchte zu kommen. Ich ernte die Früchte jedoch nicht gleich sondern warte noch ein oder zwei Tage, dann sind sie tiefrot und haben ein besonders gutes Aroma entwickelt.

Ein optisches Highlight: Die wehrhafte Schönheit, die auch treffend Rotborstige Himbeere genannt wird, liefert nicht nur echt tolle Beeren sondern setzt mit ihren leuchtend rot schimmernden Ruten auch extravagante Akzente an Wintertagen. In der Wintersonne, besonders im Kontrast zu Schnee – einfach wunderschön!

  

Von: Angela Streck, Mittwoch, 22. Mai 2019 - Aktualisiert am Mittwoch, 23. Oktober 2019

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