Gartengeschichten: Indian summer

Region - farbenfroh und exotisch

  • Blüte der Pawpaw

    Blüte der Pawpaw
    © Angela Streck

  • Aus einer Blüte können mehrere Früchte entstehen

    Aus einer Blüte können mehrere Früchte entstehen
    © Angela Streck

  • Extrem große und dabei gesunde Blätter

    Extrem große und dabei gesunde Blätter
    © Angela Streck

  • Pawpaw im Herbst

    Pawpaw im Herbst
    © Angela Streck

  • Ein etwa kiwigroßes Exemplar – Mitte Oktober geerntet. Die noch geschlossene Frucht erinnert im Geruch stark an exotische Früchte mit einer leichten Note nach Vanille.

    Ein etwa kiwigroßes Exemplar – Mitte Oktober geerntet. Die noch geschlossene Frucht erinnert im Geruch stark an exotische Früchte mit einer leichten Note nach Vanille.
    © Angela Streck

  • Das goldgelbe Fruchtfleisch erinnert im Geschmack an eine Mischung aus Mango und Aprikose mit einer cremig zarten Konsistenz wie von reifen Bananen.

    Das goldgelbe Fruchtfleisch erinnert im Geschmack an eine Mischung aus Mango und Aprikose mit einer cremig zarten Konsistenz wie von reifen Bananen.
    © Angela Streck

  • Halbiert lässt sich die Frucht wunderbar auslöffeln. Die 3-4 Kerne im Inneren kann man leicht entfernen.

    Halbiert lässt sich die Frucht wunderbar auslöffeln. Die 3-4 Kerne im Inneren kann man leicht entfernen.
    © Angela Streck

Die in diesem Jahr etwas mager ausgefallene Apfelernte ist abgeschlossen. Zwetschgen gab es auch nur wenige und die restlichen Trauben, die noch am Stock hängen werden dankbar von Amseln und den letzten Staren geerntet. Es ist längst wieder so weit – die Natur hat sich in spektakuläre Farben gehüllt und die schon recht tief stehenden Sonnenstrahlen tauchen alles in ein angenehm warmes Licht. Der goldene Herbst ist in vollen Zügen.

Doch so schön der Herbst auch sein mag und mich mit all seinen Farben, Gerüchen und Eindrücken jedes Jahr aufs Neue begeistert, wollte ich mich nicht damit abfinden, zwischen September und Mai kein Obst aus dem eigenen Garten ernten zu können. Deshalb, und auch weil ich ein Fan vom Wildobst bin – fehlen Schlehe, Kornelkirsche und Mispel in unserem Garten nicht. Unsere Erntezeit konnte ich so bis weit in den Frostbereich hinein ausdehnen. Gerade in diesen Tagen schraube ich die letzten Gläser unserer Kornelkirschenmarmelade zu – ein fruchtiges Vergnügen welches mit nur wenig Zucker auskommt. Eigentlich wäre dies dann auch der Beginn meiner neuen Geschichte, wäre da nicht noch ein Baum, dessen Früchte in Form, Farbe, Geruch und Geschmack so exotisch anmuten, dass man sie für Südfrüchte halten könnte und die nicht einmal in einem Laden zu bekommen sind. Dass solche Früchte in unseren Breiten richtig ausreifen und dazu noch bis Mitte Oktober geerntet werden können, haben wir dieses Jahr zu ersten Mal erleben dürfen.

Es handelt sich um die Früchte der Pawpaw. Obwohl ich es damals für ein Gerücht hielt, dass wir jemals in den Genuss dieser Früchte kommen würden, fand ich diesen kleinen Baum recht spannend und so erleben wir seit ca. 10 Jahren zwei Pawpaw in unserem Garten.

Die auch als Indianerbanane bekannte Pawpaw (gesprochen »Paupau«) verträgt Temperaturen bis -25 Grad und ist somit absolut winterhart. Die ersten Jahre habe ich die noch jungen Pflänzchen sicherheitshalber immer mit Pflanzenflies gegen starke Fröste geschützt, was heute auch nicht mehr nötig ist. Die Indianerbanane – mit Bananen übrigens nicht verwandt – wächst pyramidenförmig zu einem kleinen Baum heran und schmückt sich dabei mit extrem großen Blättern, die sich im Herbst leuchtend gelb verfärben. Insgesamt ist sie sehr robust. Bisher gab es auch keine Probleme mit Krankheiten und Schädlinge kennt sie nicht. So ist sie das ganze Jahr eine pflegeleichte Augenweide.

Außergewöhnlich sind schon die Blüten, die als violett rote Glöckchen Ende April mit dem Blattaustrieb zahlreich erscheinen. Dass diese hübschen Blüten nicht von Bienen angeflogen werden, sondern von einer Fliegenart bestäubt werden, war mir bekannt. Leider fielen die Blüten bisher aber immer unbefruchtet ab, obwohl ich Fliegen an den Blüten sehen konnte. Es waren scheinbar nicht die richtigen. So übernahm ich dieses Jahr selbst den Job, wenn auch fast etwas spät, die meisten Blüten waren leider schon verblüht. Mit einem weichen Pinsel ging ich dabei von Glöckchen zu Glöckchen, was einfach und überschaubar war da die Blüten ja auch nicht so klein sind. Dazu bekam ich die Information, dass die Pawpaw eine gute und dauerhafte Versorgung mit Dünger benötigt, um ihre tollen Früchte voll ausreifen zu können. Da bei uns alle Pflanzenabfälle im Garten verbleiben und verrotten dürfen, bin ich bisher immer ohne extra Dünger ausgekommen. In diesem Fall wollte ich es aber ausprobieren und besorgte einen geeigneten Dünger, was nicht so einfach war. Als Veganer kommt bei uns selbstverständlich nur ein Dünger ohne tierische Bestandteile wie Hufen, Wolle, Haaren, Blut … in Frage. Zum Glück gibt es auch für diese Anforderung Veggie-Produkte, die auch für den ökologischen Landbau zugelassen sind.

Und so versorgte ich pflichtbewusst wie angegeben in regelmäßigen Abständen die Bäumchen. Mehr war nicht nötig, da die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Pflanzen in unserem gut strukturierten Gartenboden recht gut zurecht kommen, denn Trockenheit und Staunässe vertragen sie nicht so gut. Ab und zu habe ich ihnen trotzdem eine Kanne Wasser gegönnt, eben dann, wenn sie wieder Dünger bekommen haben.

Und siehe da, ich war erfolgreich. Wir konnten Mitte Oktober zum ersten Mal wunderbare Früchte ernten. Auch wenn es nur 5 an der Zahl waren – unsere Freude war riesig und der Geschmack mit keiner uns bisher bekannten Frucht zu vergleichen.

Die außergewöhnliche Frucht lässt sich wie folgt beschreiben: Die noch geschlossene Frucht erinnert im Geruch stark an exotische Früchte mit einer leichten Note nach Vanille. Das goldgelbe Fruchtfleisch erinnert im Geschmack an eine Mischung aus Mango und Aprikose mit einer cremig zarten Konsistenz wie von reifen Bananen. Halbiert lässt sich die Frucht wunderbar auslöffeln. Die 3-4 Kerne im Inneren kann man leicht entfernen.

Da ich nun weiß was bisher gefehlt hat, freuen wir uns jetzt schon auf die Ernte im nächsten Jahr, die hoffentlich auch etwas größer ausfällt. 

  

Von: Angela Streck, Mittwoch, 23. Oktober 2019 - Aktualisiert am Montag, 24. Februar 2020

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