Gegen Stigmatisierung und Diskriminierung

Herpersdorf - Die Worzeldorfer Lebensmittelretter ließen sich über die Arbeit des Nürnberger Vereins "Kassandra" informieren. Sozialarbeit zur Unterstützung Prostituierter.

  • Vereinsvorsitzender Theo Deinlein bedankt sich bei Meltem Sahbaz und Kim Kriegl.

    Vereinsvorsitzender Theo Deinlein bedankt sich bei Meltem Sahbaz und Kim Kriegl.
    © Robert Schmitt

Einen tiefen Einblick in die Sozialarbeit rund um Sexarbeit in der Region haben Meltem Sahbaz und Kim Kriegl beim Begegnungsmenü aus geretteten Lebensmitteln mit Theo Deinlein gegeben. Der Spitzenkandidat der Jungen Union für die Nürnberger Stadtratswahl ist zugleich Vorsitzender des Vereins „Lebensmittelretten & Nachhaltigkeit Nürnberg“, der die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen hat.

Die beiden Referentinnen sind Sozialpädagoginnen bei „Kassandra“ in Nürnberg. Der Verein ist 1987 von Betroffenen gegründet worden, um sich gegen Diskriminierung und für die rechtliche Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigen einzusetzen. „Kassandra“ ist die einzige Selbsthilfeorganisation mit und für Sexarbeiterinnen in Bayern. Als Träger einer Fachberatungsstelle versteht sich „Kassandra“ als Ansprechpartnerin für alle, die als Prostituierte arbeiten und jene, die am Thema interessiert sind.

Im vergangenen Jahr hatte die Beratungsstelle gut 2000 Beratungskontakte. Damit erfüllt Kassandra eine wichtige Vorgabe des Prostituierten-Schutzgesetzes, das seit 2017 gilt. Es sieht vor, dass Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter Zugang zu Beratungsstellen haben, die sie über ihre Rechte, Gesundheitsschutz und Ausstiegsmöglichkeiten informieren. „Unsere Beratungen sind anonym und vertraulich“, so Meltem Sahbaz. „Hauptziel ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung zu bekämpfen“, betonte die Sozialpädagogin.

Die beiden Expertinnen erklärten, dass der Anteil an Prostituierten, die sexuell ausgebeutet werden, nicht so hoch sei, wie häufig dargestellt. Viele arbeiteten „freiwillig und selbstbestimmt und verfügen über wichtige Kompetenzen“, lebten aber teilweise dennoch „in prekären Verhältnissen“. Insbesondere würden „die Freier immer aggressiver und fordernder“, so die Sozialpädagoginnen. Menschenhandel und Zwangsprostitution könnten aufgrund des Gesetzes allerdings besser bekämpft und verfolgt werden. „Polizei, Behörden und Beratungsstellen arbeiten eng zusammen, um gefährdete Personen zu identifizieren und zu unterstützen“, hieß es.

Ablehnend steht Kassandra einem Modell wie in Schweden gegenüber. Dort machen sich Männer strafbar, die zu Sexarbeiterinnen gehen. „Verbote halten wir nicht für lösungsorientiert“, sagte Meltem Sahbaz.

„Kassandra“ wird von der Stadt Nürnberg, dem Bezirk Mittelfranken, dem Freistaat Bayern und aus der Bundeshauptstadt gefördert. Claudia Bälz, Nürnberger Stadtratsmitglied aus Reichelsdorf und frauenpolitische Sprecherin der CSU-Fraktion, hob die große Bedeutung der Beratungsstelle in Nürnberg hervor. „Sie ist wichtiger denn je und wir unterstützen sie gerne“, so Bälz. Theo Deinlein zeigte sich beeindruckt. „Kassandra leistet unverzichtbare Arbeit, weil Aufklärung, Beratung und konkrete Hilfen Hand in Hand gehen“, so der JU-Chef.

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Donnerstag, 28. August 2025
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