Gewässertagung für den Landkreis Roth
Kammerstein - In Kammerstein trafen sich die Gewässerverantwortlichen der Gemeinden aus dem Landkreis Roth mit den Fachleuten aus dem Wasserwirtschaftsamt zum fachlichen Austausch. Das Ziel sind ökologisch intakte Fließgewässer.
Die bayerischen Fließgewässer unterliegen einer verwaltungsrechtlichen Einordnung, aus der folgt, wer Unterhalt und Ausbau der Flüsse und Bäche finanzieren muss. So ist die Volkach ein Gewässer dritter Ordnung, für das die Gemeinde Kammerstein zuständig ist. Sie mündet bei Unterreichenbach in die Schwabach, die ein Gewässer zweiter Ordnung darstellt. Die Schwabach fließt zwischen Limbach und Katzwang in die Rednitz, die ein Gewässer erster Ordnung darstellt. Um beide Flüsse muss sich der Freistaat kümmern. Wenn also die großen Flüsse Bayerns in gutem Zustand sein sollen, müssen zuerst alle Bäche ökologisch aufgewertet werden.
Um hier entsprechende Konzepte auf den Weg zu bringen oder zu unterstützen, hat in Kammerstein der „Gewässernachbarschaftstag“ für die Gemeinden des Landkreises Roth und die Stadt Schwabach stattgefunden. Das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg will den Gebietskörperschaften damit dabei helfen, wasserbauliche Maßnahmen umzusetzen, die Gewässer widerstandsfähiger gegen Klimawandeleffekte wie Trockenheit, Überschwemmungen und Erwärmung machen. Zugleich soll die Artenvielfalt verbessert und mehr Wasser in der Fläche gehalten werden.
„Wege zu ökologisch wertvollen und klimaangepassten Bächen“, war die Tagung überschrieben. Hauptbotschaft des Wasserwirtschaftsamts war, dass auch mit kleinen Maßnahmen gute Erfolge erzielt werden könnten. Sie seien im Rahmen des Gewässerunterhalts mit relativ geringem finanziellen Einsatz und ohne wasserrechtliche Genehmigung zu bewerkstelligen, hieß es.
Dazu gehören die Schaffung natürlicher Gewässerverläufe, die Anlage naturnaher Uferzonen samt Beschattung sowie eine Wiederherstellung der Durchgängigkeit, um Wanderhindernisse für Fische und andere Lebewesen zu beseitigen. „All dies trägt zur Förderung der biologischen Vielfalt, zur strukturellen Verbesserung der Gewässer und zur Erhöhung der Selbstreinigungskraft von Bächen bei“, hieß es von Seiten der Vertreter des Wasserwirtschaftsamts. Das Einbringen von Totholz oder größerer Steine verbessere ferner die eigendynamischen Prozesse im Gewässer, sodass Ablagerungen und Auswaschungen entstehen.
Bei einer Exkursion an die Volkach zwischen Volkersgau und Oberreichenbach stellten die Fachleute und die Gemeindevertreter aus dem gesamten Landkreis fest, dass der Bach mäßig bis deutlich veränderten Zustand aufweist. Überschaubare bauliche Veränderungen würden den Schwabach-Zufluss in einen besseren Zustand versetzen, hieß es. Die Beseitigung eines alten Überwegs, die Anpassung eines Rohrdurchflusses hin zu mehr Struktur und tieferer Sohle sowie der Ersatz eines kleinen Absturzes durch eine „Rauhe Rampe“ wurden diskutiert. Sie ersetzt den abrupten Höhenunterschied durch eine flache, mit Steinen angelegte Schräge, die das Wasser sanft abfließen lässt.
Während der Tagung gab Felix Fröhlich (SPD), Erster Bürgermeister Rohrs, zu bedenken, dass die Nitrat- und Phosphatbelastung der Fließgewässer in seiner Gemeinde eigentlich zurückgegangen sein müsste. „Nach Auflösung der Kläranlagen in Kottensdorf und Regelsbach ist die Schmutzfracht geringer, die Werte aus der Wasserrahmenrichtlinie aber sind gleichgeblieben“, gab er zu bedenken und forderte mehr Messstellen zur Kontrolle. Denn weiter hohe Nitrat- und Phosphateinträge könnten Folge landwirtschaftlicher Düngung sein. „Die Landwirte aber sagen, dass sie nach der Düngemittelverordnung in den roten Gebieten weniger düngen, und die Messstellen zur Überprüfung viel zu weit auseinanderliegen“, schilderte Fröhlich die Argumentation der Bauernschaft. Renate Brunner vom Amt für Landwirtschaft in Roth widersprach dieser Darstellung. „Nitrat und Phosphat können auch andere Ursachen haben und seit mindestens zehn Jahren düngen die Bauern nachweisbar immer weniger“, erklärte die Landwirtschaftsdirektorin. So gehe beispielsweise die Menge des eingesetzten Mineraldüngers seit 2017 insgesamt zurück.
Der Kammersteiner Erste Bürgermeister Wolfram Göll skizzierte die wasserwirtschaftlichen Projekte seiner Gemeinde. Ganz oben stehe dabei die Ersetzung der Kläranlagen in Barthelmesaurach und Haag durch Pumpwerke, die das Schmutzwasser in die Kläranlagen Schwabachs und Roths befördern. Allein das schlage mit knapp neun Millionen Euro zu Buche. Ebenso errichte man gegenwärtig ein Kanal- und Damm-System, das Barthelmesaurch bei Starkregen vor Überflutung durch die Aurach schützen solle und zugleich dafür sorge, dass weniger Wasser in die Kanalisation gelange.
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