Gutes Versteck im Heidenberg-Wald
Kammerstein - Anläßlich des 80. Jahrestags des Weltkriegsendes erinnern Babette Bauer und Heinrich Volkert mit einer Geschichte ihrer Familie an die Wirren jener Zeit.
Mit einer sehr persönlichen Geschichte hat der Kammersteiner Landtagsabgeordnete Volker Bauer (CSU) gemeinsam mit seiner 84-jährigen Mutter Babette und seinem 87-jährigen Onkel Heinrich Volkert an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert. Das Trio hat sich begleitet von Erstem Bürgermeister Wolfram Göll etwa 500 Meter östlich des Kammersteiner Ortsteils Neppersreuth im Heidenberg getroffen. Anfang 1945 hatte die Familie dort auf einem eigenen Waldgrundstück eine natürliche Grube vertieft und mit Brettern sowie natürlichen Materialien abgedeckt, um Wertgegenstände, Wäsche und Lebensmittel zu verstecken. „Regelmäßig haben Bedienstete auf unsere Habseligkeiten aufgepasst“, erzählte Babette Bauer. „Gestohlen wurde nie etwas“, fügte sie hinzu. „Manchmal haben wir dort auch übernachtet, weil wir Angst vor den Bombenangriffen hatten“, erinnerte sie sich an die Endphase des von den Nazis entfesselten Weltkriegs. Sie war in der Region geprägt von heftigen Attacken der Alliierten auf Industrie- und Bahnanlagen in Nürnberg.
Babette Bauers Vater Georg war 1942 in Russland gefallen. Großvater Heinrich Haiger wurde 1948 zum Ersten Nachkriegs-Bürgermeister Kammersteins gewählt, nachdem er bereits ab 1945 von den US-Amerikanern ernannter Bürgermeister gewesen war. So stand er zum zweiten Mal an der Spitze der Gemeinde. Seine erste Amtszeit hatte 1908 begonnen und bis 1932 gereicht. Von 1919 bis 1933 war er auch Landtagsabgeordneter gewesen. Während des Kriegs war Heinrich Haiger Leiter des Rother Amts für Ernährung gewesen. Er war einer der ersten Kammersteiner, die die us-amerikanischen Truppen mit weißen Leintüchern in den Fenstern als Zeichen der widerstandslosen Übergabe der Gemeinde begrüßten. Beim staatlichen Neustart Bayerns gehörte er ab 1946 als Vertreter Mittelfrankens der verfassungsgebenden Landesversammlung in Bamberg an, die über die Verfassung des Freistaats beriet und sie beschloss.
