Hilfen für Obdachlose
Roth - Der Landkreis Roth versagt bei der Beratung und alltäglichen Unterstützung Wohnungsloser. Nun springt die Stadt Roth ein. Einstimmiger Beschluss des Stadtrats für 26 500 Euro pro Jahr. „Der Landkreis erhöht die Kreisumlage, erfüllt aber eine seiner Pflichtaufgaben nicht“, kritisierte die CSU.
Die Stadt Roth wird in den nächsten zwei Jahren jeweils 26 500 Euro für die Betreuung und Unterstützung Obdachloser ausgeben und damit zehn Stunden sozialpädagogischer Arbeit pro Woche finanzieren. Das hat der Stadtrat während seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Damit übernimmt sie eine Aufgabe, die gesetzlich beim Landkreis liegt, aber von ihm nicht wahrgenommen wird.
Daniel Matulla sah das durchaus kritisch. „Der Landkreis erhöht die Kreisumlage, aber erfüllt hier eine Pflichtaufgabe nicht“, bemängelte der CSU-Fraktionschef. „Wir bleiben auf den Kosten sitzen“, bestätigte Ordnungsamtsleiter Rainer Hofer, der zugleich darauf hinwies, dass seiner Erfahrung zufolge zahlreiche Landkreis in Bayern ebenso verfahren.
Erster Bürgermeister Andreas Buckreus räumte ein, dass eine kreisangehörige Gemeinde wie Roth nicht für Leistungen nach dem SGB XII zuständig sei, nahm aber seinen Parteifreund im Chefsessel des Landratsamts in Schutz. „Das ist ein Einstieg von uns, aber auch der Landkreis will zehn Stunden einführen, sich dabei jedoch eher vorbeugend engagieren“, erklärte der SPD-Politiker.
Im Rahmen des vom Freistaat geförderten Modellprojekts der vergangenen zwei Jahre hat sich eine Sozialpädagogin der Arbeiterwohlfahrt um die wohnungslosen Rotherinnen und Rother gekümmert. Sie hat ihre Arbeit insbesondere aufsuchend in der städtischen Notunterkunft am Kiefernweg 10 geleistet. „Das hat ausschließlich positive Effekte für die Menschen dort und die Stadt Roth gehabt“, hieß es von Seiten des Ordnungsamts. „Es hat weniger Konflikte unter den Wohnungslosen gegeben und weniger Schäden in der Notunterkunft“, schilderte die Beschlussvorlage die Vorteile. Außerdem sei es der Sozialpädagogin häufig gelungen, Obdachlosigkeit durch frühzeitiges Eingreifen zu verhindern.
„Grundlage dafür ist der Beziehungsaufbau vor Ort, den der Landkreis nicht leisten will“, ergänzte Stadtratsmitglied Martin Winkler (Die Partei). „Es gibt lediglich im Landratsamt eine offene Tür“, so Winkler, der dafür eintrat, den betroffenen Menschen effektiv, schnell und unbürokratisch zu helfen. Dafür bedürfe es eben einer aufsuchenden Arbeit, wie sie beispielsweise auch in Fürth geleistet werde. „Wir dürfen hier nicht Verantwortungs-Ping-Pong spielen“, fasste er seine Haltung in ein sehr plastisches Bild. Man war sich im Stadtrat einig, dass insbesondere der im nächsten Jahr vollendete Neubau einer Notunterkunft für Obdachlose intensive Betreuung vor Ort erfordere. „Dafür haben wir dort einen eigenen Raum vorgesehen“, erklärte Andreas Buckreus. „Für intensive Hilfe wie Anträge auf Bürgergeld oder eine Suchtbehandlung und die Suche nach neuem Wohnraum genügt keine Sprechstunde im Amt oder gelegentliches Vorbeischauen“, so Winkler.
Zugleich wies Martin Winkler auf die komplexe Hilfesituation Wohnungsloser hin, die laut wissenschaftlicher Untersuchungen zu 75 Prozent psychisch krank seien. „Hier braucht es unbedingt aufsuchende Strukturen mit Beziehungsarbeit, um sich mit der Lebenssituation der Menschen vertraut zu machen und bedarfsgerecht zu helfen“, so Winkler. Alles andere sei der völlig falsche Ansatz, kritisierte er die Untätigkeit des Landkreises trotz eindeutiger Rechtslage. „Aber am Ende geht es um menschliches Leid, das nicht aufgrund der Untätigkeit von Behörden verlängert werden darf“, sprach sich Martin Winkler für unzuständiges Handeln aus.
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