„Ich finde es fantastisch, was wir uns erarbeitet haben“

Wendelstein - Mehr als 80 Wendelsteiner haben in einer Planungswerkstatt Leitbilder, Ziele und Ideen für die Gemeinde Wendelstein entwickelt. Dabei herrschte nicht immer nur Einigkeit. Es wurde auch kontrovers diskutiert.

  • Auch über das Thema Verkehr und Mobilität wurde heftig diskutiert.

    Auch über das Thema Verkehr und Mobilität wurde heftig diskutiert.

  • Acht Stunden denken und arbeiten für die Entwicklung Wendelsteins

    Acht Stunden denken und arbeiten für die Entwicklung Wendelsteins

Die Bevölkerung Wendelsteins soll nicht mehr viel wachsen, und wenn doch dann nur moderat und langsam. Bauland soll vor allem für ortsansässige Familien bereitgehalten werden. Eine Lösung für das extrem hohe Verkehrsaufkommen in allen Ortsteilen muss her. Wendelsteins Dörfer Neuses, Raubersried und Sperberslohe sollen Dörfer bleiben, ihren dörflichen Charakter bewahren. Das sind vier wichtige Aussagen, die die Teilnehmer der ersten öffentlichen Planungswerkstatt zur Gemeindeentwicklung geäußert haben.

Die Marktgemeinde Wendelstein hatte im Rahmen der Neuaufstellung eines Flächennutzungsplanes und Landschaftsplanes zu diesem im Landkreis Roth bisher einmaligen Workshop in die Rangauhalle nach Kleinschwarzenlohe eingeladen. Es gab mehr als 80 Anmeldungen und fünf Themengebiete. In einer ersten Runde diskutierten – teils sehr kontrovers – mit Material, das selbst die Marktgemeinderäte noch nicht kennen, jeweils rund 20 Teilnehmer in jeder Gruppe ihre Leitbilder, Ziele und Ideen zu den Themen „Verkehr und Mobilität“, „Natur und Landschaft“, „Freizeit, Naherholung, Sport, Kultur und Bildung“, „Siedlungsentwicklung“. Am Nachmittag dann stand für alle – nach Wohnorten unterteilt – das Themengebiet „Wohnen und Gewerbe“ auf der Agenda. Begleitet und moderiert wurde die Planungswerkstatt vom Planungsbüro Team4 Bauernschmitt und Endres aus Nürnberg.

„Hut ab vor ihrer Leistung“, lobte Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Guido Bauernschmitt die Arbeit der Workshop-Mitarbeiter, „ich finde es fantastisch, was wir uns erarbeitet haben.“ Bauernschmitt musste einige Kritik einstecken. Es gab Stimmen, die ihm vorwarfen, die Gruppen nicht objektiv begleitet und zu mehr Bauland gedrängt zu haben. Diesen Vorwurf wies er ausdrücklich zurück. Bauernschmitt hatte in seinem Vorwort darauf hingewiesen, dass es seit 2001 praktisch keine Baulandentwicklung in Wendelstein mehr gegeben hat, dass die Bevölkerung bis 2034 in Wendelstein um über zwei Prozent sinken wird und drastisch überaltert sein wird. Der Altersquotient liegt jetzt schon bei 41 Jahren. Im Landkreis Roth sehen die Prognosen nur noch in Heideck, Georgensgmünd und Spalt schlechter aus. Ein großes Wachstum hingegen verzeichnen die Kommunen Hilpoltstein (Altersquotient: 26 Jahre) dank eines großen neuen Baugebiets, Büchenbach und Rohr. „Die Gemeinde Wendelstein muss dringend etwas tun in der Baulandwentwicklung. Die Schrumpfung hat viele negative Folgen wie eine Gefährdung der zentralörtlichen Funktion“, sagte Bauernschmitt, „ich warne davor zu sagen: Wir wollen ja nix mehr.“

Weitere Leitbilder, Ziele und Ideen der anderen Workshops finden Sie im Artikel: Planungswerkstatt bringt viele wichtige Anregungen und Ideen.

Bauernschmitt und sein Team werden die Ergebnisse nun auswerten und in ihre Planungen für den Workshop des Marktgemeinderates zu einem ersten Entwurf für den Flächennutzung- und Landschaftsplan einfließen lassen. Zu der Sitzung, in der dieser Entwurf dann im Marktgemeinderat diskutiert wird, werden auch alle Sprecher der jeweiligen Themengruppen des Öffentlichkeitsworkshops eingeladen, um ihre Ideen und Pläne vorzustellen.

Bis der neue Flächennutzungs- und Landschaftsplan in Kraft tritt, dauert es noch zwei, drei Jahre. Nachdem der Marktgemeinderat einen ersten Entwurf verabschiedet hat, geht der zur Diskussion wieder an die Öffentlichkeit, dann wieder in den Marktgemeinderat, dann wieder an die Öffentlichkeit und erst dann fällt die endgültige Entscheidung im Marktgemeinderat. Abschließend muss das Landratsamt noch alles genehmigen.

Lesen Sie weiter unter:
» Planungswerkstatt bringt viele wichtige Anregungen und Ideen (meier Redaktion)
» Klare Absage der Bürger an Expansionspläne für Wendelstein (Initiative Bürger gestalten Wendelstein)

Von: Nicole Salamon, Sonntag, 09. April 2017 - Aktualisiert am Dienstag, 11. April 2017
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Kommentare

  • Stefan Pieger Mo., 10. April 2017 Teilen:

    In zwei Punkte würde ich Herrn Bauernschmitt gerne widersprechen: dass es seit 2001 keine 'Baulandentwicklung' gegeben habe ist irrelevant, denn was zählt sind zusätzliche Wohneinheiten - und die wurder oder werden gerade geschaffen. z.B. Lisenfeld, Neue Mitte KSL, neubau Diakonie; Am Richterhaus Röthenbach, ehem. Wickleingelände und last not least das ehem. Hörnleinareal. Hier entstehen hunderte neue Wohneinheiten! Zweitens ist das Altersprofil der Gemeinde gerade ein Grund KEINE zusätzlichen Baugebiete auszuweisen, denn in den nächsten 10-15 Jahren werden jede Menge Häuser und Wohungen frei für den Bezug durch jugen Familien mit Kindern. Dieser Trend ist jetzt schon im Ortsteil Röthenbach zu beobachten. Der sich abzeichnende Generationenwechsel sollte Anlass sein freie Landschaft und Natur für zukünftige Generationen so weit wie irgend möglich zu erhalten! Mehr Lebensqualität statt mehr Stau und Verkehr.

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