Illegaler Welpenhandel boomt durch die Corona-Krise

Nürnberg - Die Corona-Pandemie löste einen extrem hohen Haustierboom aus. Der Verkauf über das Internet macht es den Händlern besonders leicht, ihre Tiere zu vekaufen.

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    © Deutscher Tierschutzbund e.V.

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Illegaler Welpenhandel – ein lukratives Geschäft –

Immer wieder hört man in den Nachrichten von illegalen Welpenhandel und Transporten aus osteuropäischen Ländern. Was steckt dahinter.

Kurz nach dem deutschen Grenzübergang von der Tschechei, von Ungarn oder von Polen kommend, werden bei Polizeikontrollen oft illegale Welpentransporte entdeckt.

Häufig versuchen dubiose Händler in Kleintransportern bis zu hundert oder manchmal sogar mehr Hunde- und manchmal auch Katzenwelpen nach Deutschland, Belgien, Frankreich oder andere westeuropäische Länder zu transportieren um diese dort gewinnbringend zu verkaufen.

Spürt die Polizei so einen Transport auf, wird in der Regel ein amtlicher Veterinär hinzugezogen, der die Lage fachlich beurteilt. Erfahrungsgemäß wird nach erster Bestandsaufnahme festgestellt, dass die Welpen viel zu früh von der Mutter getrennt wurden, viele Tiere bereits krank oder verletzt sind, Parasiten aufweisen, Einreisedokumente und Impfpässe ganz fehlen oder gefälscht sind und die gesetzlichen Transportvorschriften für einen Tiertransport in keinster Weise eingehalten werden. In engen Käfigen eingepfercht, ohne Wasser und Futter, krank und geschwächt, in Dunkelheit, bei bestialischen Gestank im eigenen Kot sitzend, sehen bei diesen Transporten meist viel zu junge Welpen einem ungewissen Schicksal entgegen. Manchmal findet man bei diesen Kontrollen bereits schon einige tote Tiere in den Käfigen, die unter diesen Bedingungen nicht einmal die erste Etappe der Reise überstanden hatten.

Mit Unterstützung aktiver Tierschützer werden die Hundewelpen im Anschluss in einem regionalen Tierheim untergebracht, wo man versucht so viele Tiere als möglich zu retten.

Die Welpen erhalten dort eine bestmögliche und intensive Pflege, sind aber oft schon so krank und geschwächt, dass trotz aller Bemühungen manchmal noch weitere Tiere versterben. Je nach Herkunftsland und Tollwutstatus ist in bestimmten Fällen auch eine langzeitliche Quarantäne angesagt. Die Händler und die Transporteure werden von den Tierschutzorganisationen zwar angezeigt, aber da diese ihren Sitz außerhalb unseres Landes haben bleibt die Anzeige meist ohne Folgen.

Wer nun glaubt, dass damit alles erledigt sei, Händler und Fahrer eine Strafe erhalten haben und die Tiere nun gerettet sind, irrt hier leider.

Was viele nicht wissen ist, dass trotz Sicherstellung das Eigentumsrecht an den Tieren zunächst nach wie vor beim Händler verbleibt. Das bedeutet, dass die Tiere durch das Tierheim nicht vermittelt werden dürfen, sondern im schlimmsten Fall nach Gesundung, Erreichen eines vermittlungsfähigen Alters und Transportfähigkeit wieder an den Händler zurückgegeben werden müssen.

Man mag es nicht glauben, aber so befinden sich zum Beispiel Hunde, die durch Polizei und Amtsveterinär bereits Anfang April 2020 – damals noch als zu junge Hundewelpen – aus einem illegalen Transport sichergestellt wurden, heute immer noch in einigen bayerischen Tierheimen verteilt, und dürfen nicht vermittelt werden.

Und letztlich entstehen dem aufzunehmenden Tierheim erhebliche Kosten, die meistens nicht gedeckt sind. Die Behörden verweisen hier auf den verantwortlichen Eigentümer der Tiere, der jedoch wiederum außerhalb Deutschlands agierend, nicht bereit ist, diese Kosten zu tragen. Und diese sind meist erheblich, denn Tierarztkosten, Pflege und Versorgung über einen längeren Zeitraum summieren sich. Im Durchschnitt fallen hierfür Kosten von ca. 1.500,-- Euro je Tier an.

Es entstehen oft Summen im sechsstelligen Bereich, die von den Tierheimen nicht mehr getragen werden können. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn so manches Tierheim kurz vor der Insolvenz steht.

Auch von einer Strafe wir der Händler nicht groß berührt, denn der illegale Transport wird nicht als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit geahndet und oft sind es nur die „unwissenden“ Fahrer und nicht die verantwortlichen Händler, die bei dem illegalen Transport in flagranti erwischt werden. Nach Zahlung einer kleinen Sicherheitsleistung, darf der Fahrer wieder die Heimreise antreten, um vielleicht schon am Folgetag mit dem nächsten Welpen-Transport auf Reisen zu gehen.

Der Welpenhandel mit Hunden und Katzen ist nach dem Drogen- und Waffengeschäft die lukrativste und vor allem risikoärmste Einnahmequelle für kriminelle Händler.

Die Tiere werden in den osteuropäischen Ländern oft in Scheunen oder in Kellern gezüchtet. Tierschutz kennt man hier nicht und man muss auch nichts befürchten. Weibliche Tiere werden als Gebärmaschinen genutzt. Sind sie zu alt geworden, werden krank oder verletzt, entsorgt und ersetzt man sie.

Werden Welpen geboren, so ernähren sie sich die ersten drei bis vier Wochen von der Muttermilch, danach beginnen sie zusätzlich Futter aufzunehmen. Das ist normalerweise der Zeitpunkt, wo ein gewissenloser Händler die Welpen viel zu früh vom Muttertier trennt.

Eigentlich sollte für die erforderliche soziale Prägung der Welpen eine Trennung vom Muttertier und den Geschwistern nicht vor der zwölften Woche erfolgen. Nach dem deutschen Tierschutzgesetz dürfte dieses auch frühestens erst nach der achten Woche geschehen. Hierauf nehmen die Händler aber keine Rücksicht, denn die Käufer wollen junge Tiere. Je jünger desto besser.

Die Welpen verfügen nach der vierten oder fünften Lebenswoche aber noch nicht über einen ausreichenden Immunschutz. Werden sie zu früh von der Mutter getrennt und zusätzlich noch den stressigen Umwelteinflüssen eines Transportes ausgesetzt, brechen oft Krankheiten aus und die Tiere erleiden psychische und physische Schäden.

Um das zu verschleiern, werden den Tieren vor einem Transport in verbotener Weise oft noch Medikamente und Aufputschmittel verabreicht, um einen interessierten Käufer Glauben zu machen, dass es sich um ein gesundes Tierbaby handelt. Die Ernüchterung kommt meist nach dem Kauf, wenn die Tiere krank werden, hohe Tierarztkosten verursachen oder gar sterben.

Die Hunde- und Katzenzucht in den osteuropäischen Ländern ist für die Händler extrem billig, sie müssen sich an keine gesetzlichen Tierschutzstandards halten und so kostet ihnen ein Welpe, der unter widrigsten Umständen „erzeugt“ wurde, weniger als 50 Euro. Im Verkauf werden Rassetiere aber oft mit vierstelligen Beträgen angeboten, so ist es hier leicht selbst mit Dumpingpreisen große Gewinne zu erzielen und ein Kollateralschaden den einige verstorbene Welpen oder Bußgelder verursachen, fällt nicht groß ins Gewicht.

Wem verwundert es, dass in Aussicht auf ein so lukratives und risikoarmes Geschäft mittlerweile eine Vielzahl von illegalen Tiertransporten stattfindet. Alleine zwischen Januar bis Oktober 2020 wurde der Deutsche Tierschutzbund Landesverband Bayern e.V. bei 75 illegalen Transporten und in Summe mit  818 Tieren von den Behörden um Hilfe gebeten, und das ist sozusagen nur die Spitze des Eisberges. Die Dunkelziffer die durch die Polizeikontrollen schlüpfen ist sicherlich um ein vielfaches höher.   Laut Pressebericht des Deutschen Tierschutzbundes boomt der illegale Welpenhandel durch die Corona-Krise und hat einen dramatischen Aufschwung erfahren.                                                          

Die Hunde- und Katzenwelpen werden von den Händlern meist über Online Marktplätze wie zum Beispiel Ebay zum Verkauf angeboten und oft direkt aus dem Kofferraum eines Autos heraus, an gutgläubige Tierfreunde übergeben, die sich noch freuen ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Um dem entgegen zu wirken bleibt zu hoffen, dass zum einem unsere Gesetzgeber hier aktiv werden, illegale Welpentransporte zukünftig nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat werten und das durch entsprechende Aufklärung immer mehr Tierfreunde erkennen, dass ein Tier keinen Preis, sondern einen Wert hat. Tiere sind keine Ware. Will man sich ein Haustier zulegen, sollte das Tierheim immer die erste Anlaufstelle sein. Aber auch beim Kauf von einem Züchter sollte vorab dessen Seriosität überprüft werden.

Kann die Zucht und das Muttertier besichtigt werden? Ab welchem Alter werden die Welpen abgegeben? Sind die Tiere geimpft und gechipt, etc.? Bei Fragen steht Ihnen ihr örtlicher Tierschutzverein sicherlich hilfreich zur Seite. Ihr neues vierbeiniges Familienmitglied wird es Ihnen danken.

Von: Heli Ditterich, Robert Derbeck (Tierschutzlehrerin), Dienstag, 12. Januar 2021 - Aktualisiert am Montag, 08. Februar 2021
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Tierschutzverein-Noris e.V.« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/tierschutzverein-noris

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