Initiative: Fahrradstraßen-Aus „fataler Schnellschuss“

Wendelstein - Fahrradstraßen stellen wichtige Schutzräume für den Radverkehr dar. Damit gehören sie inzwischen in vielen Gemeinden längst zum Verkehrsalltag – nicht jedoch in Wendelstein. Das im Vorjahr von der CSU und Teilen der FW/FDP-Fraktion beschlossene generelle Aus für Fahrradstraßen markiert nach Ansicht der Meier-Alltagsradler einen Tiefpunkt in Sachen örtlicher Radverkehrspolitik.

  • Radverkehrsförderung sieht anders aus: Abruptes Radwegende auf der Rother Straße in Großschwarzenlohe. Zuständig ist der Landkreis. Hinweise bleiben dort seit Jahren ungehört.

    Radverkehrsförderung sieht anders aus: Abruptes Radwegende auf der Rother Straße in Großschwarzenlohe. Zuständig ist der Landkreis. Hinweise bleiben dort seit Jahren ungehört.
    © Klaus Tscharnke

Vielversprechende Absichtserklärungen, etliche kleinere Verbesserungen, aber zugleich Zögern und Mutlosigkeit – Wendelsteins Bemühungen um mehr Radfreundlichkeit sind nach vielversprechenden Anfängen inzwischen ins Stocken geraten. Dabei zeigten sich die gemeindlichen Verkehrsplaner durchaus ambitioniert. Die Bemühungen der Fachleute würden aber immer wieder von einer „rückwärtsgewandten konservativen Gemeinderatsmehrheit“ ausgebremst, heißt es in der 2025er Radverkehrsbilanz der örtlichen Fahrradinitiative meier-Alltagsradler.

Einen Tiefpunkt der Wendelsteiner Radverkehrspolitik stelle dabei das von CSU und Teilen der FW/FDP-Fraktion abgelehnte Fahrradstraßen-Paket der Rathausverwaltung dar, betont die Radinitiative. Mit 11:11-Stimmen hätten sich jene durchgesetzt, die generell Fahrradstraße ablehnten - und das auch noch in intransparenter nichtöffentlicher Sitzung. Bei dem „Schnellschuss“ wurden – trotz der zentralen Bedeutung von Fahrradstraßen für Radverkehr und Verkehrswende – weder die betroffene Fahrradszene noch Fachleute oder Kommunen mit entsprechender Erfahrung einbezogen. „Bürgerbeteiligung und das Einholen fachlicher Expertise vor zentralen Entscheidungen sieht anders aus“, kritisierte der meier-Alltagsradler-Sprecher Klaus Tscharnke.

Die meier-Alltagsradler weiter: „Wir fragen uns zudem, was nach dem fatalen Fahrradstraßen-Moratorium des Gemeinderats ihr im April 2025 abgelegtes Bekenntnis zur Radverkehrsförderung noch wert ist.“ Noch unklar sei zudem, wie sehr sich das Moratorium als Stolperstein auf dem Weg zur Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune erweise. Schließlich gehörten Fahrradstraßen zu den Soll-Kriterien der zertifizierenden Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK), erinnern die meier-Alltagsradler.

Zur Erinnerung: Das von der Gemeinde beauftragte Münchner Verkehrsplanungsbüro hatte ausdrücklich die Ausweisung von Fahrradstraßen empfohlen – unter anderem auf einem Teil der Sperbersloher Straße. Die gemeindlichen Verkehrsplaner wiederum hatten den Allerheiligenweg im Klein’lohe als Fahrradstraße vorgeschlagen, auf denen Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt sind. Die meier-Alltagsradler halten zudem auf den zentralen Routen des Schülerverkehrs Fahrradstraßen für längst überfällig.

Ein bisschen Licht gebe es dennoch in der Wendelsteiner Radverkehrspolitik. Dank einer engagierten Rathaus-Verwaltung seien im Jahr 2025 einige der von den meier-Alltagsradlern angestoßenen Verbesserungen umgesetzt worden. So hätten die Rathaus-Verantwortlichen einige Gefahrenpunkte im Fahrradwegenetz mit entsprechenden Markierungen entschärft worden. Nachgebessert hätten sie auch einige Radwegbeschilderungen. Und demnächst soll voraussichtlich auf dem Nürnberg-Rothsee-Radweg in Höhe der Straße am Leinschlag (Großschwarzenlohe) die dritte Radservicestation von der Gemeinde errichtet werden.

Sorgen bereitet der örtlichen Radinitiative weiterhin der schlechte Zustand des Sorger Kirchenweges oberhalb des Schwarzachtals zwischen Wendelstein und Sorg. Unübersichtlich sowohl für Rad- als auch Autofahrer sei wiederum die Situation auf der Alten Salzstraße in Höhe der Einmündung Schulstraße. Hier zeichne sich aber möglicherweise eine Lösung ab. Ein „Armutszeugnis“ für die Radverkehrsplanung des Landkreises Roth sei die Radwegsituation auf der Rother Straße in Großschwarzenlohe. Abgesehen davon, dass es auf der verkehrsreichen Ortsdurchfahrt weiterhin keine sichere Lösung für den Radverkehr gebe, ende der vom Klein‘loher Kreisverkehr kommende Radweg abrupt am nördlichen Ortsrand – ohne sichere Einfädelspur für den Radverkehr und entsprechende Hinweise für den Autoverkehr.

Hinweis: Die Ursprungsfassung wurde in einem Punkt korrigiert: Nicht die komplette FW/FDP-Fraktion hatte das Fahrradstraßen-Paket abgelehnt, sondern nur ein Teil davon. 

Die Radinitiative „meier-Alltagsradler“ ist ein Anfang 2008 gegründeter Zusammenschluss von Bürgern, die sich für eine stärkere Nutzung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel und eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur in der Region einsetzen. Sie arbeiten dabei eng mit den Behörden zusammen, insbesondere der Marktgemeinde Wendelstein. Feierabend-Touren, Informationsabende und Fahrradausflüge ergänzen die Arbeit. Der Mitbegründer der Radinitiative, Diplom-Ingenieur Helmut Wirkner, entwickelte außerdem mit Unterstützung des „meier-Magazin“-Herausgebers Markus Streck den »meier Cruiser«, ein neuartiges Komfortfahrrad für den Alltag. Die meier-Alltagsradler arbeiten partnerschaftlich mit dem ADFC zusammen.

Von: Klaus Tscharnke (Sprecher der "Meier-Alltagsradler), Montag, 09. Februar 2026 - Aktualisiert am Donnerstag, 12. Februar 2026
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »meier Alltagsradler« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/alltagsradler

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Kommentare

  • Elvira Kühnlein Mi., 11. Februar 2026 Teilen:

    Lieber Herr Tscharnke, die Freien Wähler haben geschlossen für die Fahrradstraßen gestimmt, die Fahrradstraße kamen nicht zustande, weil wir eine Patt-Situation im Rat hatten, d.h. die Hälfte des Rates war dafür, die andere Hälfte war dagegen und somit wurde Beschluss abgelehnt - aber das wissen Sie seit November 2025.

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