Interview mit Philipp Müller: „Fachkräfte der Zukunft.“
Schwabach - Der 29-jährige Philipp Müller ist stellvertretender Vorsitzender des Schwabacher Gewerbevereins und Geschäftsführer der „Zeitmühle“, einer familiengeführten Unternehmensgruppe mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation, bei der 120 Mitarbeiter beschäftigt sind. Nun hat er zum dritten Mal ehrenamtlich die große Ausbildungsmesse „Shop Your Future“ in Schwabach organisiert. Das meier-Magazin hat mit ihm über den diesjährigen Verlauf und ihre Zukunft gesprochen.
meier-Magazin: Herr Müller, Sie haben nun zum dritten Mal für den Schwabacher Gewerbeverein eine umfangreiche Ausbildungsmesse organisiert. Wie ist sie gelaufen?
Philipp Müller: Trotz Streiks und trotz zu guten Wetters konnten wir die guten Besucherzahlen vom letzten Jahr sogar noch steigern. Der Freitag war bis auf wenige Besucher genau auf dem Niveau des Vorjahres, der Samstag lag sogar noch darüber. Am Freitag stellen wir morgens mittlerweile durch Bustransfers sicher, dass die Schulen gut und möglichst stressfrei zur Messe gelangen können. Das hat sich bewährt. Hier merkt man auch einen gewissen Etablierungseffekt der Messe. Freitagmorgen waren plötzlich noch weitere Schulen und berufsvorbereitende Klassen vor Ort, die wir davor noch nicht explizit kontaktiert hatten. Natürlich ist es aber unser Ziel, nächstes Jahr noch ein bisschen besser zu werden. Sprich: Noch mehr organisierte Schulen und noch attraktiver für Fachkräfte auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
meier-Magazin: Sie sind also zufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Messe?
Philipp Müller: In der Schulnotenskala würde ich uns eine Zwei geben. Es gibt immer Kleinigkeiten zu verbessern und auch, wenn das eine ehrenamtliche Organisation ist, habe ich schon den Anspruch an mich, dass es irgendwann eine Eins ist.
meier-Magazin: Gab es einen Höhepunkt oder etwas besonders Positives?
Philipp Müller: Dass sich der Busbetriebsleiter der Stadtwerke, Tobias Mayr, selbst auf den Bock eines Busses gesetzt hat, um eine möglichst reibungslose öffentliche Erreichbarkeit des ORO zu gewährleisten, war für mich eine tolle Geste, für die ich sehr dankbar bin. Ansonsten genieße ich die sehr positive Atmosphäre mit den ausstellenden und das ehrliche Interesse vieler Schüler. Wir reden über Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, von denen eine wichtige Entscheidung über ihre Zukunft erwartet wird. Dass diese sich so offen zeigen und auf die Messe einlassen, finde ich klasse.
meier-Magazin: Haben sich die innerhalb der drei Messe-Ausgaben die Aussteller verändert?
Philipp Müller: Natürlich gibt es jedes Jahr ein paar Veränderungen. Für manche Unternehmen ist es nicht möglich, immer alle Veranstaltungen in einem Jahr zu besuchen. Sie wechseln dann in der Regel zwischen den verschiedenen Events. Ein nicht unerheblicher Teil der Unternehmen ist aber mittlerweile seit der ersten Ausgabe mit dabei. Viele weitere waren zum zweiten Mal vor Ort.
meier-Magazin: Hat sich das Oro als Standort bewährt?
Philipp Müller: Definitiv. Das Center-Management in Person von Frau Walzog ist nicht nur in der Organisation im Vorfeld pragmatisch, sondern unterstützt uns auch mit allem was wir brauchen. Wenn mal irgendwo ein Kabel oder ein Tisch fehlt, dauert es keine fünf Minuten und das Problem ist gelöst. Darüber hinaus ist das ORO auch nach wie vor sehr gut frequentiert. Unser Ziel ist es ja, neben den koordinierten Besuchen auch ein niederschwelliges Angebot für spontane Besucher zu bieten. Die Menschen sollen auch beim spontanen Vorbeilaufen sehen, welche Unternehmen es vor Ort gibt. Das ist der große Unterschied zu vielen echten Messen, die in einem geschlossenen Setting stattfinden. Andersherum können wir dem ORO hoffentlich zusätzlichen Traffic und gute Sichtbarkeit über unsere Werbekampagne bieten.
meier-Magazin: Ist ein Wachstum an Ausstellern zu erwarten?
Philipp Müller: Nein. Wir hatten nun zum zweiten mal 50 Organisationen. Das hat zwei Gründe. Erstens ist 50 eine gute Zahl, damit sich die vorhandenen Zuschauer in einem guten Schnitt auf die anwesenden Unternehmen verteilen. Zweitens könnte ich ehrlicherweise auch nicht noch mehr ehrenamtlich leisten.
meier-Magazin: Sind die Kosten für die Aussteller ein Hemmnis?
Wir liegen mit den Standpreisen sicher im oberen Mittelfeld. Mein Anspruch ist ein professioneller Messebau und eine gute Verteilung der Zuschauer. Günstigere Messen haben oft über 100 Aussteller, ohne zwingend mehr Besucher zu haben als wir. Bei uns kommt man allein durch die Schüler am Freitagmorgen auf 35 bis 50 Gespräche. Für soziale, Kleinst- und Jungunternehmen bieten wir zudem besondere Tarife an, um eine Teilnahme zu ermöglichen. Die Kosten sind also durchaus ein Hemmnis, aber eines, das sich in der Regel löst und lohnt. Zum Vergleich: Dieses Jahr hat ein Aussteller auf der Messe einen neuen LKW-Fahrer gefunden. Durch dessen fertige Ausbildung spart er sich die Bezahlung des oft fünfstelligen LKW-Führerscheins. Kein schlechtes Geschäft.
Außerdem ist es wichtig zu verstehen, wofür die Kosten verwendet werden. Dadurch, dass ich Pro-bono arbeite, können wir einen sehr viel größeren Teil der Einnahmen in die Messe investieren als andere. Auch wenn der Messebau der größte Kostenpunkt ist, haben wir so über 30 000 Euro Marketingbudget für die Messe. Das ist mehr als manch mittelständisches Unternehmen. Von dieser Sichtbarkeit profitieren die Unternehmen bereits direkt, da sie auf vielen der Werbemittel mit ihrem Logo vertreten sind.
meier-Magazin: Sind Verbesserungen möglich oder sogar von den Ausstellern oder Besuchern angeregt worden?
Wie gesagt: besser geht immer. Ich denke aber, dass man im dritten Jahr durchaus gemerkt hat, dass wir viele Vorschläge aus den letzten Jahren umsetzen konnten, unter anderem beim Standplan, der in diesem Jahr sehr gut funktioniert hat. Punktuell gibt es immer wieder die Frage nach den idealen Öffnungszeiten oder dem Rahmenprogramm, aber diese laufen eher unter der Kategorie „Idee“ denn als „Kritik“. Das erfüllt mich durchaus auch mit Stolz.
meier-Magazin: Haben sich diesmal neue Unternehmen beteiligt? Wenn ja: Warum?
Philipp Müller: Auch bei den Unternehmen spricht sich die Messe rum. Viele kannten uns bei den ersten beiden Ausgaben noch nicht und kamen dieses Jahr auf uns zu, ob sie noch teilnehmen könnten. Das freut mich natürlich sehr.
meier-Magazin: Welche Gründe gibt es für die Unternehmen, sich zu beteiligen? Denn viele sind ja auch bei anderen Messen etwa in Wendelstein und Hilpoltstein vertreten? Lohnen sich die Mehrfachauftritte?
Philipp Müller: Der Arbeitsmarkt ist seit Jahren in konstanter Bewegung. Vor allem aktuell wirbeln KI und der tiefgreifende industrielle Wandel in Deutschland alles durcheinander. Trotzdem bleibt es alleine aufgrund des demographischen Wandels wichtig, sich die Fachkräfte der Zukunft zu sichern. Wie viele und welche Messen sich dann für die Aussteller lohnen, müssen sie selbst entscheiden. Für die Schulen bietet unsere Messe hoffentlich das beste Setting, um sich über Unternehmen zu informieren und umfassend durch Organisationen wie IHK, HWK und Arbeitsagentur beraten zu lassen. Solange die Firmen und die Schulen sagen, dass „Shop Your Future“ einen Mehrwert für sie bietet, so lange werde ich die Messe weiter ehrenamtlich organisieren.
Herr Müller, wir danken für das Gespräch und wünschen viel Erfolg für die Zukunft.
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