Ist der Ersatzneubau der Juraleitung in Schwabach und Katzwang jetzt vom Tisch?

Nürnberg-Katzwang - Der Netzbetreiber Tennet plant im Auftrag der Bundesnetzagentur auf 160 km den Bau einer Stromtrasse durch Bayern. Die von TenneT vorgeschlagenen Trassenkorridore kreuzen dabei teils dicht besiedeltes Gebiet. So trifft es im Nürnberger Süden unter anderem die Gemeinden Wolkersdorf, Limbach, Katzwang, Kornburg, und Worzeldorf besonders hart. Denn in so dicht besiedelten Gebieten kann der vom Bundesamt für Strahlenschutz empfohlene und im Bayer Landesentwicklungsprogramm (LEP) als Soll-Vorschrift festgelegte Mindestabstand von 400 Metern zwischen der Höchstspannungsleitung mit 380 kV und den bestehenden Wohngebieten nicht eingehalten werden.

Ist der Ersatzneubau der Juraleitung in Schwabach und Katzwang jetzt vom Tisch?

Durch den Stromfluss in einer Höchstspannungsleitung entstehen elektromagnetische Felder. Das Magnetfeld durchdringt die meisten Stoffe ungehindert und hat damit gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die drastische Stromstärkenerhöhung von ca. 650 Ampere auf 4.000 Ampere beeinflusst neben dem Abstand zur Leitung maßgeblich die Strahlungsintensität des elektromagnetischen Feldes der Juraleitung. Vom Bundestag veranlasste Untersuchungen liefern deutliche Hinweise, dass ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Menschen innerhalb eines 400 Meter-Radius besteht. Werden diese Abstände nicht eingehalten, sind nach heutigem Wissenstand gesundheitlich negative Wirkungen nicht auszuschließen.

Wir fordern, dass der Schutz der Gesundheit von Bürgerinnen und Bürgern beim Ausbau einer Stromleitung höchste Priorität hat. Der Trassenkorridor, der durch das Rednitztal verlaufen soll, hält teilweise weniger als 200 Meter Abstand zu den angrenzenden Wohngebieten ein, weniger als 100 Meter Abstand zum Gelände des TSV Katzwang und gerade einmal ca. 250 Meter Abstand zur Grund- und Mittelschule in Katzwang. Durch diese Trassenalternative würden nicht nur die Anwohner schwer belastet, sondern auch die Kinder und Lehrer, die während des Unterrichts und am Nachmittag beim Sport dem elektromagnetischen Feld über längere Zeiträume schutzlos ausgeliefert sind.

Die Auswirkungen können nach aktuellen Forschungsergebnissen verheerend sein. So gibt es deutliche Anzeichen, dass die elektromagnetische Strahlung bei Menschen, die näher als 400 Meter an der Leitung wohnen, ein erhöhtes Risiko haben an Leukämie im Kindesalter und anderen Krebserkrankungen, Störungen des Hormonsystems, Neurodegenerative Erkrankungen, wie Alzheimer, und Störungen des Zentralen Nervensystems zu erkranken.

Unabhängig davon wäre der Bau der Trasse aber auch für die Umwelt und das Ökosystem in den betroffenen Gebieten – und gerade im Rednitztal – nicht zu verkraften. Das Rednitztal zwischen Katzwang und Limbach ist seit über 300 Jahren mit einem Bewässerungssystem durchzogen, das auch in so trockenen Jahren wie 2018 und 2019 für grüne Wiesen sorgt. Diese Wiesen bieten unzähligen Insekten-, Kleintier- und Vogelarten einen intakten Lebensraum. Durch das Volksbegehren „Artenvielfalt“ haben sich die bayerischen Bürgerinnen und Bürger dafür ausgesprochen gerade solche Lebensräume zu erhalten. Der Bau der Stromtrasse durch solch empfindliche Gebiete würde das bestehende ökologische Gleichgewicht massiv beeinträchtigen. Insbesondere würde das Bewässerungssystem im Rednitztal unwiderbringlich zerstört werden, die Wiesen würden in heißen Sommern austrocknen und das bislang immer grüne Rednitztal wäre eine braune Steppe. Ein Zeichen für das intakte Ökosystem ist außerdem die Ansiedlung von Störchen in Katzwang, die im Rednitztal reichlich Nahrung für sich und ihren Nachwuchs finden. Besonders Störche, Kraniche, Wasservögel und Wiesenbrüter sind laut NABU gefährdet durch den Stromschlag einer Hochspannungsleitung zu sterben – alle diese Arten finden sich im Rednitztal. Im Herbst ist das Rednitztal übrigens Sammelplatz für die Störche vor ihrem Abflug in den Süden.

Von MdL Volker Bauer wurde die Erdverkabelung ins Spiel gebracht, wohl nicht wissend, dass auch eine Erdverkabelung ein Magnetfeld auf beiden Seiten von 100 Metern erzeugt. Also ist auch hier ein Mindestabstand von 100 Metern notwendig, um außerhalb der medizinisch kritischen Magnetfelddichte zu liegen. Der Engpass zwischen Neu- und Alt-Katzwang hat aber nur eine Breite von 90 Metern. Das geht also gar nicht.

Und wie sieht es im Rednitztal aus? Die Abstände zur Wohnbevölkerung könnten bei Erdverkabelung zwar eingehalten werden, aber der Eingriff in die Natur wäre noch dramatischer. Denn auf einer Breite von 42 Metern würde eine Baugrube durch das Rednitztal gezogen werden, welche das Bewässerungssystem unwiederbringlich zerstören würde. Die Folge: Durch die teilweise 60 Grad heißen Kabel wird der nun nicht mehr bewässerte Grund noch schneller ausgetrocknet und die Versteppung beschleunigt.

Allein unter diesen Gesichtspunkten scheint der Bau der Trasse in dem von TenneT angestrebten Verlauf nicht ohne sinnlose Opfer für Mensch und Natur umsetzbar. Damit dies nicht geschieht und empfohlene Mindestabstände eingehalten werden, sammeln wir aktuell Unterschriften, sodass wie in Niedersachsen auch in Bayern der Mindestabstand von 400 Metern zwingend vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird. Sie können unter https://weact.campact.de/petitions/bedingungslose-einhaltung-des-400m-abstandes-der-neuen-juraleitung-p53-zur-wohnbevolkerung auch mit Ihrer Unterschrift einen Beitrag zum Erreichen dieses Zieles leisten. Sollten Sie sich direkt an Tennet wenden wollen, um ihre Bedenken und Einwände kund zu tun, können Sie dies unter juraleitung@tennet.eu oder info@tennet.eu

Aus den angeführten Gründen schließen wir uns der Meinung der Stadt Nürnberg und der Stadt Schwabach an. Eine Höchstspannungsleitung hat in der Mitte einer ohnehin wachsenden Metropolregion nichts verloren. Die Stadtverwaltungen fordern folgerichtig die Ausarbeitung eines grundsätzlich neuen Korridorverlaufs OHNE neue medizinische Betroffenheiten anderenorts zu schaffen. Durch Einsatz neuer sich bereits in anderen Bundesländern im Einsatz befindlicher Technologien im Erdkabel- wie auch Freileitungsbau lässt sich der Schaden für die Natur als auch die „optische Betroffenheit“ deutlich minimieren. In Katzwang besteht diese Problematik schon seit mindestens 70 Jahren. Die Optik ist nicht unser Problem, vielmehr liegt uns unsere Gesundheit  und die unserer Kinder am Herzen.

Katharina Wild / Kurt Oberholz, Katzwang

Von: Katharina Wild / Kurt Oberholz, Katzwang, Freitag, 23. August 2019 - Aktualisiert am Freitag, 30. August 2019

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