Kein ICE-WERK im Reichswald

Röthenbach b. St. W. - Warum darf das ICE-WERK nicht im Reichswald gebaut werden?

Kein ICE-WERK im Reichswald

 Es gibt viele Gründe die gegen das ICE-WERK im Reichswald sprechen.

Doch zunächst einmal, was soll hier gebaut werden. Die Bahn plant ein ICE-Ausbesserungswerk im Reichswald. In diesem Werk werden bis zu 25 ICE-Züge pro Tag gewartet, gereinigt und wieder fertig gemacht für den Einsatz auf der Strecke. Die Bürgerinitiative spricht sich klar für ein ICE-Werk aus. Aber auf einer ökologisch vertretbaren Fläche. Und auf einer flächenmäßig kleineren Fläche. Drei Standorte werden momentan von der Bahn bevorzugt. Muna, Jägersee und Harrlach. Es soll ein Flächenbedarf von 45 Hektar umbaut werden. Weitere Flächen für PKW und LKW-Parkplätze, Warteplätze für ICE-Einheiten, Logistikgebäude, Zu-und Abfahrten für PKWs, LKWs und ICEs kommen noch hinzu und werden derzeit von der Bahn nicht genannt.

Der CSU-Direktkandidat für den Bundestag Ralph Edelhäußer nimmt insgesamt 300 ha* an.

Der Wald und unser Klima - Funktion im Angesicht des Klimawandels
Der Wald in der Muna durfte seit über 70 Jahren fast an allen Stellen ungehindert wachsen und sich entfalten. Es sind Biotope entstanden. Es sind dort Tiere zuhause die auf der „Liste der bedrohten Tierarten“ stehen. Wald sorgt für unsere Luftqualität, sorgt und schützt unser Wasser. Er sorgt für ein kontrolliertes Versickern bei Starkregen. Er kühlt bei Hitze unsere Umgebung. Wald ist eine natürliche Klimaanlage. Wald sorgt auch für die Verringerung von Lärm. Wald nimmt Staub und Schmutz aus der Umgebungsluft auf und reinigt sie. Wald sorgt für unsere Luftfeuchtigkeit. Das macht unsere Luft gesünder.

Dieser Wald ist unser Naherholungsgebiet

Dem Reichswald kommt eine große Bedeutung als Spielplatz und Naherholungsgebiet zu. Er bietet sich zu erholsamen Spaziergängen an. Radfahren durch den Wald ist stressbefreiend. Auch Nürnberger Bürger kommen oft und gerne in dieses Naherholungsgebiet. Pilze und Beeren werden in diesem Gebiet sehr gerne gesammelt. Die heilende Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt aufgrund der psychologischen Wirkung von Wald und Grün wird gestressten Menschen von Ärzteseite geraten, mehr Zeit im Wald zu verbringen. Und besonders der angrenzende Jägersee benötigt diesen Wald. Ohne Wald wird auch der Jägersee wohl bald nicht mehr existieren.

Eine Rodung von Waldflächen führt also in mehrfacher Hinsicht zu einer Belastung des Ökosystems, die es zu vermeiden gilt – insbesondere in einer ohnehin bereits stark belasteten Region.

Flächenbedarf des ICE-Werks
Die Bahn spricht offiziell von einem Flächenbedarf von ca. 45 ha. Wenngleich dabei der Eindruck entstehen soll, dass es sich dabei um den gesamten Flächenbedarf handelt, steht im Kleingedruckten, dass damit lediglich die umbaute Fläche gemeint ist.

Hinzu kommt der „Parkplatz“ für die ICEs: Je nach Ausbaustufe (7- bis 13-teilig) misst ein ICE 4 bis zu knapp 400 m Länge. Die Gleise müssen natürlich länger sein, da die Züge auch manövrieren können müssen. Mehrere von diesen Zügen sollen in der Halle selbst gewartet werden. Und mehrere, müssen, je nach Aufkommen,  außerhalb der Wartungshalle gebunkert werden können.

Weitere Voraussetzungen bestehen in der Anbindung der Anlage an das Gleissystem der DB. Dies kann jedoch nicht einfach durch Weichen erfolgen, da die Strecke Nürnberg-München eine Hochgeschwindigkeitstrasse ist. Also kommt hier wie bei Autobahnen nur der kreuzungsfreie Verkehr in Frage. In der Folge muss die Anbindung durch OVERFLY´s realisiert werden. Dies sind im Prinzip weite ausladende Kurven um auf die ICE-Anlage einzuschwenken. Führt man sich die maximale Länge eines Zuges von bis zu 400 Meter vor Augen, ist klar, dass diese keinen kleinen Wendekreis haben können. Entsprechend groß muss die Kurve und damit das gesamte Bauwerk ausfallen. Es wird hier wohl mit 400m gerechnet. Der Flächenbedarf ist dementsprechend.

Insgesamt gehen realistischere Schätzungen für den gesamten Flächenbedarf – die so sogar von „unseren“ Politikern verbreitet werden – von 300 ha* aus. Um diese Zahl etwas greifbarer zu machen, sei erwähnt, dass die Fläche der ins Auge gefassten Muna ca. 200 ha und der Bereich südlich davon (Jägersee) ca. 180 ha beträgt. Tatsächlich müsste also quasi der gesamte Bereich dem Bauvorhaben zum Opfer fallen.

Weiterhin kann man sich ohne große Phantasie vorstellen, dass eine derart fragmentierte Waldfläche weitere Begehrlichkeiten gemäß dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, …“ weckt.

Überlastung der Infrastruktur
Das ICE-Werk ist ausgelegt für eine Kapazität von 25 Zügen pro Tag. Ein ICE transportiert durchschnittlich 800 Menschen. In der Summe ist hier also die Rede von 20.000 Menschen. Frischwasser,  Abwasser, Nahrungsmittel für 20.000 Menschen werden täglich angeliefert. Zum Vergleich: Feucht und Röthenbach / St. W. haben zusammen knapp 16.500 Einwohner.

Zu diesen gebündelten Lebensmitteln kommen natürlich neben den Zugersatzteilen noch die technischen Betriebsmittel hinzu, die erforderlich sind, um eine solch gigantische Werkstatt zu betreiben.

Die gesamte erforderliche Logistik würde die Straßen um Wendelstein, Feucht und Moorenbrunn herum massiv überlasten. Weitere Straßen und Zufahrten müssten gebaut werden. Weiterer Wald gerodet werden.

Lärmbelastung der Region
Zu den Instandsetzungsarbeiten gehören auch Tests, um einerseits festzustellen, was repariert werden muss, und andererseits, um zu testen, ob die Reparatur erfolgreich war.

Im Rahmen dieser Arbeiten plant die DB Tests der ICE-Hupen. Deren Lärmpegel liegen bei 125 dB.  Ein Gewitterdonner als Vergleich hat nur 120 Dezibel. Nachts reicht der Schall bis 20km weit. Noch in 5km Entfernung so daß man aus dem Schlaf gerissen wird.  Bereits ein Lärmpegel von 120 dB kann bei kurzfristigem Einwirkung zu dauerhaften Gehörschäden führen. Bei langfristiger Exposition reichen hierfür 85 dB. Jetzt wird natürlich völlig zu Recht ins Feld geführt, dass sich wohl niemand direkt neben eine ICE-Hupe stellen wird.

Das Problem ist allerdings ein anderes: Es gibt zahlreiche Untersuchungen von Anwohnern in der Nähe von Flughäfen, die zeigen, dass es durch den Fluglärm zu sogenannten Aufwachreaktionen kommt. Dabei würden die Befragten subjektiv behaupten, dass sie durchgeschlafen hätten, im EEG (Aufzeichnung der Gehirnaktivität) lassen sich aber Aufwachreaktion, d.h. der Wechsel von einer Schlafphase in einer weniger tiefe, nachweisen. Man könnte es auch so formulieren: Das Gehirn prüft kurz, ob der Lärm eine Bedrohung darstellt, und versucht dann „weiterzuschlafen“. Dadurch kommt es zu einer Zerstörung des natürlichen Schlafrhythmus.

In Folge dessen sind die Menschen tagsüber weniger leistungsfähig. Darüber hinaus resultiert die fehlerhafter Nachtregulation des Blutdrucks auf Dauer zum Krankheitsbild Bluthochdruck (Hypertonie) mit den bekannten negativen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Daher gibt es das Nachtflugverbot – und auch hier steht keiner direkt neben dem Flugzeug.

Und die Bahn nimmt die Klagen der Anwohner nicht ernst. Es wird nicht alles getan um diesen Lärm zu vermeiden. Nach der Einweihung des ICE-Werks in Köln-Nippes (2018) gab es massive Klagen von Anwohnern.

Lichtverschmutzung
Um einen 24/7-Betrieb aufrechterhalten zu können, muss die Anlage Tag und Nacht beleuchtet werden. Dies führt zu einem als „Lichtverschmutzung“ oder „Lichtsmog“ bekannten Phänomen, das dadurch charakterisiert ist, dass auch in der Nacht, also der Schlafenszeit, die völlige Dunkelheit fehlt.

Dies beeinträchtigt nicht nur die Tiere, z.B. Aussterben nachtaktiver Insekten, sondern auch den Menschen. Hierdurch wird die Schlafqualität zusätzlich verschlechtert – mal ganz abgesehen davon, dass man die Sterne nicht mehr sieht... 

Ressourcen Wasser und Luft – Funktion im Angesicht des Klimawandels
Laut Bahn wird für die Außenwäsche eines Zuges 24.000 Liter Wasser verbraucht. Die Bahn möchte ein Wiederaufbereitungssystem installieren. Die Bahn spricht von einer Wiederverwendungsquote von bis zu 90 %. Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen von bis zu 80 %. Es werden somit rund 4.800 Liter Frischwasser pro Zugreinigung benötigt.

Und dies in einem Gebiet in dem das Wasser allgemein knapp ist.

Ein Baum hat einen Wasserverbrauch von 100 Liter pro Woche.

Ein Baum gibt einen Großteil der aufgenommen Wassermenge mittels Verdunstung wieder an die Umgebung ab. Dies erhöht die Luftqualität gleich in zweierlei Hinsicht: Zum Einen erhöht das verdunstete Wasser die Luftfeuchtigkeit, was die Luft gesünder zu atmen macht. Zum Anderen führt der Verdunstungsprozess zu einer Abkühlung der umgebenden Luft – der Wald wirkt als Klimaanlage.

Dies ist für eine trockene Gegend wie der unseren von besonderer Bedeutung, da im Zuge des Klimawandels mit einer Verschärfung der Situation insbesondere in klimatisch vorbelasteten Regionen zu rechnen ist.

Es ist weiterhin unbestritten, dass Wald CO2 bindet. CO2 gilt als eines der effizientesten Treibhausgase. Ein Filtern dieses Gases aus der Luft wirkt dem Treibhauseffekt also entgegen.

Zudem erzeugt die Photosynthese aus dem Licht der Sonne für Tiere – und schlussendlich den Menschen – verwertbare Energie in Form von Zucker. Und für Mensch und Tier natürlich Sauerstoff.

Räumung des Muna-Geländes
Die Entmunitionierung des Muna-Geländes wird immer als Argument für die Nutzung dieser Fläche und als einen Gewinn für die Natur dargestellt. Das hört sich ein bisschen so an, als lägen dort an genau gekennzeichneten Stellen China-Böller und ein paar Farbeimer, die nur weggeräumt werden müssten.

Tatsächlich gab es schon einmal Überlegungen hierzu – nämlich 2006. Damals gelangte ein Experten-Team zu der Ansicht, dass die dort gelagerte Munition und der vermutlich dort liegende Kampfstoff, gar nicht geborgen werden kann. Daher entschied man, das Material im Inneren eines Bunkers zu versiegeln. Die Gründe hierfür waren, dass nach der Explosion von 1946 weder die genauen Lagerstätten noch die genaue Art der verbliebenen Munition bekannt waren. In der Folge hätte man das Erdreich mehrere Meter tief abtragen müssen. Die Rede ist hier von 27 Mio. Kubikmetern. Es gibt in Deutschland ein Unternehmen die die erforderlichen Genehmigungen dafür haben. Dieses Unternehmen ist arbeitstechnisch über viele Jahre ausgebucht und könnte die Arbeiten im Munagelände wohl gar nicht beginnen. Eine Nebelkerze also.

Dieser Zustand hat dazugeführt, dass das Muna-Gelände seit 70 Jahren unberührt ist. Es ist sozusagen eine Art „inoffizielles Naturschutzgebiet“. Nach letzter Bestandsaufnahme hat das dazu geführt, dass sich hier insgesamt 87 Tierarten behaupten konnten, die auf der „roten Liste“ stehen.

Die aktuelle Gesetzeslage zum Bannwald
Gemäß Art. 11 des Bayerischen Waldgesetzes (BayWaldG) bezeichnet Bannwald Wald, der aufgrund seiner Lage und seiner flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich ist und deshalb in seiner Flächensubstanz erhalten werden muss. Hinzu kommt seine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt oder für die Luftreinigung. Bannwälder werden gemäß Art. 37 Abs. 1 Nr. 1 BayWaldG durch Rechtsverordnung der Kreisverwaltungsbehörde erklärt. Zu Bannwald kann durch Rechtsverordnung darüber hinaus auch Wald erklärt werden, der in besonderem Maße dem Schutz vor Immissionen dient.

Sind in Bannwäldern zum Schutz der Bevölkerung vor Immissionen bestimmte Wirtschaftsmaßnahmen erforderlich, so können diese dem Verursacher der Immission auferlegt werden. Die Waldbesitzerin bzw. der Waldbesitzer muss in diesem Fall die Maßnahmen dulden (Art. 14 Abs. 2 S. 4 BayWaldG).

Die Erlaubnis zur Rodung im Bannwald kann nur unter den engen Voraussetzungen des Art. 9 Abs. 6 S. 2 BayWaldG erteilt werden, d. h. im Fall einer Rodung muss direkt angrenzend an den vorhandenen Bannwald Wald neu begründet werden, der hinsichtlich seiner Ausdehnung und seiner Funktionen dem zu rodenden Wald annähernd gleichwertig ist oder gleichwertig werden kann.

Quelle: www.freistaat.bayern

Zum Abschluss
Es ist somit unrecht sich am Reichswald zu vergreifen und diesen zu roden.
Dieser Wald ist unersetzlich für unser Klima, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unsere Tiere und Pflanzen.  Die Bahn muss kleiner denken. Es darf dafür kein Wald gerodet werden. Sie muss auf Industriebrachflächen dieses ICE-WERK bauen. Angebote hierfür sind vorhanden.

 

*Sie ist auf der Webseite der CSU veröffentlicht. Hier der entsprechende Link: Bitte evtl. kopieren und in den Browser einfügen. https://www.csu.de/verbaende/kv/roth/bundestagswahl-2021/ralph-edelhaeusser/

Bürgerinformationsveranstaltung der Bahn am 20. Oktober, 19.00 Uhr
in der Schwarzachhalle (Schulstraße 1 in Röthenbach/St. Wolfgang)

ACHTUNG: An der Veranstaltung können höchstens 350 Personen teilnehmen. Dabei gilt die sog. 3 G-Plus-Regelung Dabei gilt die sog. 3 G-Plus-Regelung (geimpft, genesen oder PCR-Testnachweis). Dafür entfallen Maskenpflicht sowie das Abstandsgebot. Zusätzlich wird es eine Liveübertragung nach draußen geben. Bei Interesse reservieren Sie bitte Ihren Platz mit Angabe Ihrer Kontaktdaten beim Markt Wendelstein unter der Telefonnummer 09129/401-0.

Weitere Infos: www.reichswald-bleibt.de

Unsere Antwort auf die Ansprache von Herrn Ministerpräsident Dr. Markus Söder findet man unter : https://youtu.be/W2SSowxPyXk

Von: Friedrich Zeller (Presse BI), Montag, 27. September 2021 - Aktualisiert am Dienstag, 05. Oktober 2021
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Bürgerinitiative Röthenbach b. St. W. - Reichswald-bleibt « finden Sie unter: www.meier-magazin.de/reichswald_bleibt

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