Klein aber oho!

Wendelstein - Dass Mikroorganismen Erstaunliches leisten ist aus der Ernährungsberatung wohlbekannt: „Gute“ Bakterien sind als Unterstützer der Darmgesundheit und somit des Immunsystems, der Gesundheit im Allgemeinen inzwischen fest etabliert. Weniger bekannt ist: Was im menschlichen Körper funktioniert, funktioniert auch im Garten.

„Effektive Mikroorganismen“ heißt das Zauberwort. In der Tierhaltung sind die nützlichen Winzlinge seit langem bekannt, helfen bei Verdauungsbeschwerden, Hautproblemen oder der Stallhygiene – kurz immer da, wo es um die Verdrängung unerwünschter Mikroben geht. Pilze, schädliche Bakterien und andere unerwünschte Kleinstlebewesen werden durch „gute“ verdrängt. Das funktioniert erstaunlich gut und ganz ohne Chemie oder andere Kunstprodukte, die zum einen nie ohne Nebenwirkungen sind, oftmals das empfindliche Gleichgewicht aber eher noch mehr stören, statt es zu regulieren.

Was für Tiere funktioniert, funktioniert auch für Pflanzen. Die Mischung aus Milchsäure- und Photosynthesebakterien, fermentaktiven Pilzen und Hefen verbessert den Boden, indem sie die vielfältigen Abbauprozesse unterstützt. Die kleinen Racker helfen, die Pflanzen zu stärken und verdrängen bestimmte Krankheitserreger – wie etwa Pilze und schädliche Bakterien. Blattkrankheiten wie Mehltau oder Rost können so natürlich behandelt werden, auch Blattläuse lassen sich durch EM vertreiben, Ameisen und Schnecken suchen sich ein anderes Terrain. Verfechter der EM beteuern sogar, dass die Wurzelbildung, die Blüte und auch Fruchtbildung- und Reife verbessert würden. Besonders wichtig aber: Resistenzen sind unter der Behandlung durch EM nicht zu befürchten. Und: Der ewige Teufelskreis von immer mehr Pflanzenschutzmitteln und Dünger wird durchbrochen, weil ein gesundes Milieu eingestellt wird.

Wann, wie oft, wie viel? Die Lösung wird auf dem Boden oder dem Kompost ausgebracht, auf Pflanzen direkt oder auch auf das Saatgut aufgesprüht, das durch diese Behandlung sozusagen „immunisiert“ wird. Als „Grundbehandlung“ kann man den Garten vier bis sechs Mal im Jahr mit Effektiven Mikroorganismen gießen. Die Mischung sollte an bewölkten Tagen ausgebracht werden. Optimal sind Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Ist es zu kalt, kommen die Mikroben nicht auf Betriebstemperatur, andererseits reagieren sie empfindlich auf zu viel UV-Strahlung. Gegen Blattläuse oder Blattkrankheiten sollte man die Pflanzen regelmäßig besprühen. Der Urvater aller EM-Lösungen ist der japanische Forscher Professor Teruo Higa, der bereits seit 30 Jahren die Wirkung von Mikroorganismen auf die Boden- und Pflanzengesundheit untersucht. Forschungen mit zunächst nur einzelnen Stämmen von Mikroben ergaben keinen Erfolg, doch die Mischung verschiedener Mikroorganismen stellte sich als sehr nützlich und hilfreich heraus. Higa prägte auch den Namen für die Mischung dieser kleinen Lebewesen: er nannte sie Effektive Mikroorganismen – EM.

Vielfalt an Anbietern
Das „Original“ wird unter dem Handelsnamen „Emiko“ vertrieben, das Internet liefert aber unter dem Suchwort „Effektive Mikroorganismen“ eine Vielzahl an Herstellern und Versendern – natürlich auch aus Deutschland und der Region. Das Herstellungsprinzip ist immer das Gleiche: eine Mischung aus mehreren Pflanzen, im einfachsten Falle Zuckerrohrmelasse, wird fermentiert. Neben fertigen Produkten für verschiedenste Zwecke – unter anderem auch Hautcremes – gibt es sogenannte „Urlösungen“ zum verdünnen, außerdem verschiedene Zusatzprodukte zur Bodenverbesserung oder Aktivierung der Prozesse im Kompost.

Zu schön, um wahr zu sein?
Sind EMs ein Allheilmittel für fast alle Gartenprobleme? Um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Bei allem, was die Autorin bisher mit EMs behandelt hat, wurde sie vom Erfolg überzeugt. Einsatz und Risiko sind geringe. In diesem Sinne: Versuch macht kluch.

Von: Kristin Wunderlich ( Dipl. Biologin), Dienstag, 18. Juni 2019 - Aktualisiert am Mittwoch, 28. August 2019
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