Landkreisweite Demenzwoche eröffnet
Landkreis Roth - Bis zum 8. Oktober finden in verschiedenen Gemeinden des Landkreises zahlreiche Veranstaltungen zum Thema "Demenz" statt. Der Auftakt war in Allersberg. Dort sieht sich der gemeindliche Seniorenbeauftragte Eugen Czegley als konkreter Unterstützer Betroffener und ihrer Familien. Sein Ziel: Der Mensch mit Demenz soll möglichst lange im eigenen Zuhause und im vertrauten Umfeld leben können – ohne dass die Angehörigen dabei überfordert werden.
Was braucht eine Familie, wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt? Einen Pflegedienst? Tagespflege? Betreuung für einige Stunden? Entlastung für die Angehörigen? Die Antwort lautet häufig: „Von allem etwas – aber nicht unbedingt alles gleichzeitig.“ Genau hier sieht Eugen Czegley seine Aufgabe.
Der Seniorenbeauftragte des Marktes Allersberg bezeichnet sich selbst als „Kümmerer“. Er möchte Angehörigen helfen, sich im Dschungel der Angebote zurechtzufinden und daraus ein individuelles ambulantes und teilstationäres Hilfesystem zusammenzustellen, das zur jeweiligen Familie passt. Das Ziel: Der Mensch mit Demenz soll möglichst lange im eigenen Zuhause und in seinem vertrauten Umfeld leben können – ohne dass die Angehörigen dabei überfordert werden.
Czegley stand deshalb auch im Mittelpunkt der Eröffnung der 7. Bayerischen Demenzwoche im Landkreis Roth, die in Allersberg stattfand. In seiner Begrüßung machte er deutlich, dass Demenz nicht nur die Erkrankten betrifft. Hinter jedem Menschen mit Demenz stünden Angehörige, Freunde, Nachbarn und andere Menschen, die sich kümmern, begleiten und unterstützen. Die Demenzwoche bietet bis zum 8. Oktober viele verschiedene Veranstaltungen an, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Allersberg, Büchenbach, Greding, Hilpoltstein, Rednitzhembach, Roth, Schwanstetten und Thalmässing sind die Standorte.
Nach der Begrüßung wurde der Film „Du gehst und ich bleibe“ gezeigt. Er begleitet drei Ehepaare, die mit einer Demenzerkrankung umgehen müssen. Im Mittelpunkt steht das „doppelte Abschiednehmen“: Der vertraute Partner verändert sich durch die Krankheit, lange bevor schließlich der endgültige Abschied durch den Tod kommt. Anschließend diskutierten betroffene Angehörige über ihre Erfahrungen. Damit wurde deutlich, dass Demenz nicht nur eine medizinische oder pflegerische Herausforderung ist. Sie verändert Beziehungen und den gesamten Alltag einer Familie.
„Wir wollen nicht nur über eine Krankheit sprechen, nein, wir wollen über Menschen sprechen“, sagte Czegley in seiner Begrüßungsrede. Menschen mit Demenz hätten Erinnerungen, Erfahrungen, Wünsche und Hoffnungen und blieben trotz ihrer Erkrankung Teil der Gesellschaft. Im Landkreis Roth gibt es zahlreiche Hilfen. Der Pflegestützpunkt des Landkreises berät zu Pflege und Versorgung, etwa zu ambulanten Diensten, Tagespflege, Entlastungsangeboten oder Kurzzeitpflege. Das Seniorenamt gehört ebenfalls zum Beratungsnetz. Der Hospizverein Roth kann bei Fragen zur Begleitung am Lebensende unterstützen. Doch für Angehörige besteht die Schwierigkeit häufig gerade darin, aus den vielen einzelnen Möglichkeiten eine funktionierende Lösung zu machen.
Hier setzt Czegleys „Kümmerer“-Rolle an. Ein ambulanter Dienst kann beispielsweise bestimmte pflegerische Aufgaben übernehmen, eine Tagespflege tagsüber für Entlastung sorgen und weitere Angebote die Betreuung ergänzen. Aus diesen einzelnen Bausteinen entsteht ein individuelles ambulantes und teilstationäres Hilfesystem. Czegley ist dabei nicht selbst der Pflegedienst oder Betreuer. Er ist Vermittler und Wegweiser. Seit 2014 versucht er, gemeinsam mit den Angehörigen herauszufinden: „Was brauchen wir – und wer kann es leisten?“ Und nicht nur einmal. Demenz verändert sich über die Jahre hinweg. Also müssen auch die Hilfen immer wieder angepasst werden.
Genau darum geht es auch bei der Bayerischen Demenzwoche. Seit 2019 soll sie informieren, aufklären und vor allem Begegnungen ermöglichen. In diesem Jahr finden nach Czegleys Angaben bayernweit mehr als 2400 Veranstaltungen statt. Czegley formulierte das Ziel in Allersberg grundsätzlich: Menschen mit Demenz sollten „in der Mitte unserer Gesellschaft“ bleiben. Sie seien Menschen mit eigener Geschichte und Persönlichkeit und bräuchten einen festen Platz in der Gesellschaft. Der „Kümmerer“ kann die Krankheit nicht aufhalten. Aber er kann helfen, aus vielen einzelnen Hilfeangeboten ein Netz zu knüpfen, das die Erkrankten auffängt – und die Angehörigen entlastet. Nach Darstellung Czegleys bieten verschiedene Träger im Landkreis ein großes Angebot an verschiedenen Hilfen an, das sich gut zu einem individuellen Netz verknüpfen lässt. „Die bisherigen Demenzwochen haben auch geholfen, Lücken zu erkennen und zu schließen“, sagt Eugen Czegley.
Das ist besonders wichtig für die Zukunft. Die Zahl der bekannten Demenzerkrankten in Bayern sei von 240 000 im Jahr 2020 auf inzwischen 270.000 gestiegen. Bis 2030 werde mit bis zu 300 000 Betroffenen gerechnet. Es brauche deshalb Verständnis, Unterstützung und Begegnung – und Strukturen, die Menschen mit Demenz ermöglichen, möglichst lange selbstbestimmt und mitten in der Gesellschaft zu leben. Zur Eröffnung der Demenzwoche sprachen Landrat Ben Schwarz und der Allersberger Erste Bürgermeister Daniel Horndasch jeweils ein Grußwort. Schwarz betonte, dass viele Familien von Demenz betroffen seien. „Für sie sind Beratung, Begleitung und professionelle Hilfe besonders wichtig, um die Herausforderungen zu meistern“, so der SPD-Politiker. Horndasch hob die Verantwortung der Gemeinden bei der Schaffung eines Netzwerks der Hilfen hervor. „Denn es geht darum, Menschlichkeit zu bewahren“, war er überzeugt.
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