Leserbrief zu Wendelsteiner Planungswerkstatt

Wendelstein - Betrachtungen eines Teilnehmers zur gemeindlichen Planungswerkstatt am 8.4.2017 und Vorstellung der Ergebnisse im Gemeinderat am 29.06.2017.

Am 8. April fand in der Rangauhalle die Planungswerkstatt der Gemeinde zur Änderung des Flächennutzungsplanes statt. Nach langem Ringen, ob ich den Samstag mit meiner Familie verbringe oder mich für die Zukunft der Gemeinde engagiere, entschied ich mich für die Veranstaltung.

Tatsächlich hat es sich gelohnt. Ich lernte viele interessierte Bürger kennen, traf alte Bekannte und konnte erleben, dass auch größere Diskussionsgruppen konflikt- und vor allem konsensfähig sein können.

Nachdem die Gruppe, an der ich vormittags teilnahm, sehr einhellig erarbeitetet hatte, dass die Wendelstein für den Bereich Wohnen kein oder allenfalls ein moderates Wachstum wünschen, fiel mir zusammen mit einem Mitbürger die Aufgabe zu, dieses Ergebnis vorzustellen und zu erläutern. Soweit ich das feststellen konnte, wurde das Ergebnis interessiert aufgenommen und kein grundsätzlicher Widerspruch, wohl aber Ergänzungen geäußert.

 

Der Nachmittag gestaltete sich anders. Hatten wir vormittags noch ergebnisoffen diskutiert, war der Nachmittag geprägt von der Steuerung der von der Gemeinde beauftragten Planer, die kein Geheimnis daraus machten, dass die Ausweisung von Flächen zur Bebauung nötig sei.

 

Wieder lernte ich die Konflikt- und Konsensfähigkeit, diesmal der Röthenbacher, zu schätzen, die konstruktiv Flächen als mehr oder minder ungeeignet für die Bebauung einstuften und lediglich in der Bebauung von kleinen Ergänzungsflächen einen Sinn erkennen wollten.

Wiederum fiel mir im Team die Aufgabe der Erläuterung zu. Wiederum blieb trotz vieler Anmerkungen Widerspruch aus.

Die eigentlich vorgesehene Berichterstattung der externen Planer gegenüber den wenigen abends erschienen Gemeinderäten scheiterte an der unterschiedlichen Auffassung der Planer und der Teilnehmer über die Ergebnisse des Tages.

Letztlich hieß es dann, die Sprecher erhielten eine Einladung die Ergebnisse dem Gemeinderat vorzutragen.

 

Dies erwies sich als erstaunlich schwierig. Zwar hatte das Planungsbüro Namen und Anschrift aller Teilnehmer notiert, eine Einladung erreichte mich jedoch nicht. Erst der Homepage der Gemeinde konnte ich entnehmen, dass am 29.06.2017 im Rahmen der Gemeinderatssitzung die Vorstellung der Ergebnisse vorgesehen war. Eine kurze Email an die Gemeinde brachte schnell die Sicherheit, auch sprechen zu dürfen.

Auf die Frage, warum zwischen Planungswerkstatt und Vorstellung im Gemeinderat fast 3 Monate liegen würden hieß es hinter vorgehaltener Hand, die Gemeinderäte hätten sich nicht für einen Samstag entscheiden können, daher der Termin im Rahmen des Gemeinderates – ob dies zutrifft konnte ich natürlich nicht verifizieren.

Tatsächlich fand der Termin statt wie geplant, wenn auch mit 20 min Verzögerung, die einer vorangegangenen nicht öffentlichen Sitzung geschuldet waren. Die Rahmenbedingen waren gut, das Planungsbüro hatte die in der Planungswerkstatt erarbeiteten Ergebnisse mittels Beamer an die Wand projiziert. Die Sprecher, die den Weg in die Sitzung gefunden hatten konnten technikunterstützt nochmals die Arbeitsergebnisse zusammenfassen und dem Gemeinderat vortragen.

Der einzige Diskussionspunkt an diesem Abend entstand durch die Haltung der externen Planer, die jede Kritik an ihrer Leitung der Planungswerkstatt umgehend zurückwiesen.

Die Gemeinderäte selbst begnügten sich, bis auf eine unrühmliche Ausnahme, damit den Berichten zu lauschen um diese hernach nichtöffentlich zu diskutieren. Für mich als Sprecher war dies schade, fehlte doch die von der Planungswerkstatt gewohnte Rückmeldung über das Vorgetragene. Auch der Grund für die Nichtöffentlichkeit der folgenden Sitzung erschloss sich mir nicht.

Nicht unerwähnt bleiben sollte eine einzelne Gemeiderätin der CSU Fraktion, die mit der Erklärung an Ihre Nachbarin, diesen Scheiß würde Sie sich nicht länger antun, die Präsentation verließ und erst nach der Verabschiedung der Sprecher wieder im Sitzungssaal erschien.

Festzuhalten bleibt eine interessante Erfahrung und die Hoffnung, dass der Gemeinderat die Ergebnisse der Planungswerkstatt der Bürger nicht nur zur Kenntnis nimmt sondern als Grundlage der weiteren Planung verwendet.

Von: Martin Mändl, Mittwoch, 26. Juli 2017 - Aktualisiert am Mittwoch, 26. Juli 2017

Weitere Artikel zum Thema:

Empfehlen Sie diesen Artikel:

Kommentare

  • Achim Ziegler Mi., 26. Juli 2017 Teilen:

    In der aktuellen Ausgabe schreibt Martin Mändl in seinem Beitrag "Betrachtungen eines Teilnehmers" im vorletzten Absatz, dass eine CSU-Gemeinderätin ihrer Fraktionskollegin mitteilte, dass sie sich den Scheiß nicht länger antun wolle und den Saal verließ. Ich habe dies auch mitbekommen. Und man konnte schon zu Beginn der Veranstaltung deutlich sichtbar ihre Abscheu der Bürgerbeteiligung im Gesichtsausdruck ansehen. Meine Meinung dazu: Diese Gemeinderätin sollte sich einmal überlegen, ob sie in einer demokratisch gewählten Gemeindevertretung mit ihrer Einstellung nicht vollkommen fehl am Platze ist. M.E. gehört so jemand nicht in ein solches Amt und sollte zurücktreten. Das ist gegenüber den Wendelsteiner Bürgern respektlos und ein vollkommen undemokratisches Verhalten. Achim Ziegler

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.