Luminiscence bietet faszinierendes Spektakel
Nürnberg - Premiere für eine aufwendige Projektionsshow in der Lorenzkirche. Das Publikum soll in die fast tausendjährige Geschichte des Gotteshauses eintauchen. Die Schauspielerin Michaela May führt als Erzählerin durch die Jahrhunderte. Live-Orgel, Chorgesang, Orchestermusik und vielfältige Illuminationen schaffen ein Erlebnis für alle Sinne. Regelmäßige Vorstellungen finden bis Ende März statt.
Schmale Lichtspuren wandern über die Deckenstrukturen. Geometrische Formen zucken durch den gotischen Raum. Farben und Formen überfließen Säulen, Figuren und die Kanzel. Das Gewölbe wird mitunter zum Himmel, während sich Sterne über die gesamte Kirche ausbreiten. Wolken, vielfältige Strukturen und pulsierende konzentrische Kreise erscheinen wie aus dem Nichts auf den historischen Mauern. Mal ist das Gotteshaus in tiefes Blau getaucht. In der nächsten Sekunde dominiert ein leuchtendes Rot oder ein dunkles Orange, während im Altarraum gleißendes weißes Licht mit Strahlkraft die Bänke erhellt. Die innere Architektur wird förmlich zum Malkasten: Die Farben der ausgeleuchteten Seitenschiffe schimmern durch die Arkadenreihe und schaffen so beeindruckende Kontraste zur Wand, die das Mittelschiff abtrennt: Dort füllen sich riesige Flächen mit Blau, Gelb, Weiß und Dunkelrot. Alles in allem eine eindrucksvolle Mystik, die gewiss vielen gehörig Gänsehaut über den Rücken jagte.
Die Premiere der immersiven Licht- und Klangshow „LUMINISCENCE“ in der Nürnberger Lorenzkirche hat ein fantastisches Erlebnis geboten. Die gotische Hallenkirche am Lorenzer Platz war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das multisensorische Erlebnis erstmals den gesamten Kirchenraum vom Haupteingang im Westen bis zum Altar im Osten ausfüllte: Faszinierende Projektionen, ein Chor, begleitet von Live-Orgelmusik, und die wunderbare Stimme der Schauspielerin Michaela May erschufen einzigartige Räume.
Licht, Klang und Musik ließen das Publikum eintauchen in eine Zeitreise, die die fast tausendjährige Geschichte der Lorenzkirche lebendig werden ließ. Die ersten Reaktionen in sozialen Medien deuten auf eine sehr beeindruckende und emotionale Darbietung hin. Sie markiert den offiziellen Auftakt einer mehrwöchigen Spielzeit, die bis Ende März viele Menschen aus der gesamten Region in die Lorenzkirche locken dürfte.
„Videomapping“ heißt das beeindruckende Verfahren, welches das Publikum in der Lorenzkirche zum Staunen brachte. So wird eine faszinierende Projektionstechnik genannt, bei der Videos, Animationen oder Bilder nicht einfach auf eine flache Leinwand geworfen werden, sondern gezielt auf dreidimensionale, unregelmäßige Oberflächen wie Gebäude-Fassaden, Statuen, Kirchenwände, Säulen oder sogar ganze Innenräume. Der Clou dabei: Die projizierten Inhalte werden per Software exakt an die Form, Kanten, Vertiefungen und Erhebungen der realen Oberfläche angepasst. Englisch „gemappt“. Dadurch entstehen optische Täuschungen. Es sieht so aus, als würde die Architektur selbst lebendig werden, sich bewegen, zerbrechen, leuchten, atmen oder sich verändern.
In „LUMINISCENCE“ wird die Lorenzkirche so zur riesigen, lebendigen Leinwand: Fenster öffnen sich, Steine fallen, Lichtstrahlen tanzen durch die Gewölbe, historische Szenen spielen sich direkt auf den Wänden ab. Alles perfekt auf die gotische Struktur abgestimmt. Kurz gesagt: Videomapping verwandelt statische Objekte in dynamische, erzählende Displays und schafft dadurch eine ganz neue Art von visueller Magie.
Als „immersiv“ wird das Spektakel bezeichnet, weil das aus dem Englischen abgeleitete Attribut für „Eintauchen“ steht. So soll ein Erlebnis beschrieben werden, bei dem jeder einzelne Zuschauer sich so stark angesprochen und umhüllt fühlt, dass die reale Welt für eine Weile in den Hintergrund tritt. Man taucht gleichsam ein in die dargebotene Welt: Emotional, sensorisch und manchmal fast körperlich. Bei immersiven Shows wie „LUMINISCENCE“ bedeutet das konkret: Die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen nicht nur passiv vor einer Bühne oder Leinwand, sondern sind mitten drin.
Die Projektionen gehen 360 Grad rundum, über Wände, Gewölbe, Säulen. Oft auch auf den Boden oder von mehreren Seiten. Dazu kommt raumfüllender 3D-Sound in Kombination mit Live-Musik und eine dramatische Erzählung. Das Ganze spricht mehrere Sinne gleichzeitig an: Sehen, Hören und sogar Fühlen durch die Atmosphäre und Vibrationen des Sounds. Das Ergebnis: Das Publikum fühlt sich nicht allein als Zuschauer, sondern als Teil der Geschichte. Als wäre man in einer anderen Zeit oder Dimension. Man ist total drin.
Bekannte klassische Werke wie „Toccata und Fuge“ von Johann Sebastian Bach, „Der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und die „Bilder einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Mussorgsky haben mit ihrer Ausdrucksvielfalt die einzigartige Atmosphäre verstärkt. Ein eigens für „LUMINISCENCE“ zusammengestellter Chor unter der Leitung von Lorenzkantor Michael Riedel inszeniert den Original-Soundtrack. Das achtköpfige Ensemble wurde mit professionellen Sängern besetzt und steht für Passagen, die die emotionale und spirituelle Atmosphäre verstärken. Teils himmlische Gesänge verbinden sich mit den Projektionen und der Erzählung der Kirchengeschichte. Ihre sakralen und romantischen Klänge wirken in der grandiosen Akustik der Lorenzkirche besonders eindrucksvoll.
Technisch war die Gesamtinszenierung höchst aufwendig. Die Vorbereitungen begannen vor sechs Monaten mit einem 3D-Scan der gesamten Kirche, aus dem ein vollumfängliches, digitales Modell entwickelt wurde. Damit ist eine konkrete Konzeption verbunden worden. Aufbau und Einrichtung dauerten zwei Wochen. Das „Gehirn“ bilden sechs Medienserver mit 14 Terabyte Daten, die aus einem eigenen Netzwerk gesteuert wurden. 28 extrem helle Projektoren erzeugen zusammen ein gigantisches, hochauflösendes 360-Grad-Bild mit 58 Millionen Pixel, das die gesamte gotische Architektur perfekt umhüllt: Ohne sichtbare Ränder, mit leuchtenden Farben und gestochen scharfen Details, die Lebendigkeit garantieren.
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