Markt der langen Gesichter
Schwabach - Zum zehnten Mal hatte die Lebenshilfe Schwabach-Roth zur Versteigerung ungeliebter Weihnachtsgeschenke eingeladen. Gut 100 Gäste haben drei Stunden lang beste Unterhaltung mit dem Auktionatoren-Trio genossen und durften auch das ein oder andere Schnäppchen mit nach Hause nehmen.
Riesenandrang in der Schwabacher Lebenshilfe-Schule. Schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn waren viele Fans in das Gebäude an der Waikersreuther Straße gekommen, um sich zu orientieren. Immerhin sind über 100 Exponate zu begutachten gewesen. Noch bis zuletzt ist Ware angeliefert worden. „Wir haben in diesem Jahr mehr Stücke als 2025“, sagt Elternbeiratsmitglied Martina Putz. Nicht nur mehr. „Auch sehr schöne, interessante oder Sachen, die ich noch nie gesehen habe“, heißt es unter den Begutachtern. Manche haben es gewiss vor allem auf die eher skurrilen ehemaligen Weihnachtsgeschenke abgesehen: Ein drei-D-Puzzle des Hogwarts-Express, einen Experimentierkasten, der Leuchtende Höhlensteine verspricht, eine elektrische Kartenmischmaschine, eine Skulptur von zwei weißen Tigern oder ein kleines Surfbrett mit knalliger Werbung.
Die Jubiläumsauflage des „Markts der langen Gesichter“ war erneut eine gefragte Jahresauftaktveranstaltung. Zum zehnten Mal hatte der Elternbeirat des Förderzentrums der Lebenshilfe die Versteigerung ungeliebter Weihnachtspräsente auf die Beine gestellt und bewiesen: Der Markt hat nichts, aber auch gar nichts von seinem Reiz verloren. Diesmal allerdings mit erweitertem und in zwei Positionen neuem Auktionatoren-Team: Versteigerin Claudia Ganz war das bekannte Gesicht auf der Bühne. An ihrer Seite hatten sich Schul-Rektor Ulrich Harms und Dirk Steinbrecher vom „Anderen Theater“ einen Platz gesucht. Das Trio war bestens gelaunt und bot als Animier-Team drei Stunden Auktions-Show.
Nicht nur mit flotten Sprüchen, witzigen Produktbeschreibungen oder mitunter hochtrabenden Anpreisungen gewannen sie die Aufmerksamkeit des Publikums. Die gut 100 Gäste sahen auch vollen Körpereinsatz, als ein Paar Schlittschuhe samt Nikolaus-Kostüm an den Mann oder die Frau gebracht werden sollte. Ulrich Harms und Claudia Ganz ließen es sich nicht nehmen, das rote Dress überzustreifen, während Dirk Steinbrecher zu Boden ging, um die Vorteile des Angebots zu preisen. Aber auch das Publikum war von Beginn an hellwach und nützte die erste Gelegenheit, sich ebenso spontan wie witzig zu beteiligen. Als ein „Drei-D-Leuchtstern mit Farbwechsel und 18 Spitzen“ angekündigt wurde, sang man vielstimmig im Chor „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“. Die Gemüsereibe ging weg, als Claudia Ganz erläuterte, „dass sie das Fitnessstudio ersetzt“. Einen Baseballschläger pries Dirk Steinbrecher als „Einschlaf-Hilfe“ an. Kein Zufall. Immerhin war er mit dem Wunsch „Gute Nacht“ beschriftet. Ersteigert wurde er für 25 Euro von Ulrich Harms. „Aber nicht beim Personalgespräche verwenden“, mahnte Claudia Ganz.
Weder aus der Ming-Dynastie noch vom französischen Edelproduzenten „Gallé“ war eine Glasvase mit Blumenmuster, wie Dirk Steinbrecher erläuterte. Dennoch wollte sie jemand für 15 Euro haben. Das erste Bietergefecht des Nachmittags entstand bei einer Tasche mit Leopardenmuster. Acht Euro lautete das Startgebot. In Ein-Euro-Schritten abwechselnd von zwei Frauen näherte sich der Preis schließlich der 30-Euro-Marke. „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“. Der Hammer fiel bei 28 Euro für die Nummer 279. Zur besseren Organisation bei der Ausgabe hatte die Lebenshilfe am Eingang Auktionskärtchen mit Nummern verteilt.
Noch besser schnitt ein Lego-Technik-Bausatz ab. Der Formel-Eins-Renner ging für 50 Euro relativ schnell weg, weil der Bieter offenbar ein Lego-Fan und über den wahren Wert des Bausatzes informiert war. Schwabachs Oberbürgermeister Peter Reiß nahm das Surfbrett und eine Lampe mit buntem Glitzer-Effekt mit nach Hause. Der Hogwarts-Express ging an eine Frau aus Nürnberg. „Für meine Enkel“, begründete sie den Kauf. „Die Gleise dazu müssen sie sich aber malen“, informierte Ulrich Harms über den etwas unvollständigen Bausatz. Drei Elefanten waren ebenfalls im Angebot. In Holz, Stoff und weißem Porzellan. Aber selbst das Rosenthal-Produkt war nicht so gefragt. Acht Euro, zehn Euro. Bereits das zweite Gebot bekam den Zuschlag und das weiße Tier wanderte nach Zirndorf.
Sogar mehrere Bietergefechte lieferten sich die 13-jährige Millie und die neunjährige Hannah. Am erbittertsten kämpften sie um eine Saurier-Maske. „Ein Euro, sechs, sieben, acht, neun, zehn Euro“ schossen die Gebote nach oben. Millie behielt schließlich die Oberhand. Für 15 Euro durfte sie sich als ausgestorbene Riesenechse verkleiden, gab das Objekt der Begierde aber sofort an ihren elfjährigen Bruder Leo weiter. Schließlich trug er das perfekte T-Shirt dafür. Dort war der größte und gefährlichste Saurier zu sehen, der bis zum Kometeneinschlag vor etwa 64 Millionen Jahren die Krone der Schöpfung war. Auf dem Kleidungsstück war das Bild eines „Tyrannosaurus Rex“ zu sehen.
