Markus Ganserer (MdL) besuchte Wendelstein zum Thema „Verkehr in Wendelstein – droht der Verkehrskollaps?“

Wendelstein - Am Montag, 24.04.2017 fand im Goldenen Herz eine Veranstaltung zum Thema „Verkehr in Wendelstein – droht der Verkehrskollaps?“ statt. Als prominenter Gast war Markus Ganserer (MdL) aus der grünen Landtagsfraktion zugegen. Zunächst betrachtete Markus Ganserer in seinem Vortrag die Verkehrsthematik aus Landessicht, ehe Uli Bauer vom Ortsverband der GRÜNEN, die lokale Sicht der Dinge anschaulich schilderte.

Nach der Begrüßung durch den Ortsverbands-Vorsitzenden Boris Czerwenka ging Markus Ganserer direkt auf das Gesamtproblem Verkehr ein. Die CO2 Belastung im Verkehrssektor konnte nicht signifikant gesenkt werden (anders als z.B. beim Erzeugen von Wärme und Strom für Haushalte und Industrie), weil u.a. die technischen Möglichkeiten derzeit noch nicht ausreichen. Um die Klimaziele zu erreichen, hilft hier dann nur noch Vermeidung von Verkehr und Unterstützung der anderen Formen der Mobilität: Also zum Beispiel das Fahrrad, der öffentliche Nahverkehr oder Car-Sharing. Das hätte dann auch noch den „Nebeneffekt“, dass unsere Straßen mehr entlastet würden und daraus weniger Staus entstünden.

Allerdings investiert die CSU Landesregierung vornehmlich in die Auto-Mobilität, so Ganserer, und produziert damit zusätzlichen neuen Verkehr, wie die Zahlen der letzten Jahre bewiesen. So werden Straßenprojekte dem Schienen- oder Busverkehr sowie dem Fahrradwegs-Ausbau deutlich vorgezogen. Das sieht man auch in Wendelstein. So könnte eine Stadtbahn nach Kornburg evtl. auch nach Kleinschwarzelohe (und weiter über Großschwarzenlohe nach Schwanstetten) verlängert werden, um für eine attraktive Anbindung an Nürnberg zu sorgen. Aber nicht einmal die Trasse nach Kornburg wird derzeit vorangetrieben, sondern sehr viel Geld in Großprojekte wie dem Ausbau des Frankenschnellweges gesteckt. Ganserer führte weiter aus, dass nach Studien anerkannter Experten eine Gemeinde wie Wendelstein in der Hauptzeit eine Bus-Taktung von 15 Minuten auf jeder Linie in der Hauptzeit haben müsste! Derzeit sind es etwa 30 Minuten pro Linie. In der Nebenlastzeit (Abend / Samstag) sollten es immer noch 20 Minuten und in der restlichen Zeit 30 Minuten sein. In der Nebenlastzeit geht Wendelstein bereits auf stündliche Taktung über und teilweise fahren Sonntag gar keine Busse mehr (Schwabach-Feucht). Doch nur mit einer attraktiven Taktung, könnte man mehr Bürger zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen. Dazu müsste jedoch der bayerische Staat Geld in die Hand nehmen. CO2-Einsparungen und attraktive Alternativen zum Auto gäbe es nicht zum Nulltarif, so Ganserer.

Diese Punkte griff Uli Bauer in seinem Vortrag auf und merkte bzgl. des Nahverkehrs noch an, dass aus Sicht Wendelsteins die Preisgestaltung und das Tarifsystem widersprüchlich seien. Alleine die Zonengestaltung in Richtung Wendelstein ist reichlich unübersichtlich. Benutzt man z.B. eine Streifenkarten braucht man aus Wendelstein nach Nürnberg eine andere Karte, als wenn man den P+R Parkplatz Langwasser Süd nutzt. Hier wäre dringend ein durchgängiges Tarifkonzept der VGN wünschenswert.

Auch die Einrichtung von „Schnelllinien“ nach Nürnberg-Langwasser oder auf der Strecke „Feucht-Wendelstein-Schwabach“, die dann durch einen innerörtlichen Zubringer unterstützt werden, wäre aus Sicht der Wendelsteiner Grünen eine Idee, den Nahverkehr attraktiver zu machen. In diesem Zusammenhang wäre natürlich eine schienengebundene Anbindung über Kornburg ideal, weil auch die Busse im morgendlichen Stau stehen.

Zum Thema Fahrradwege, sah Uli Bauer Wendelstein auf einem guten Weg, auch wenn noch Lücken da sind (Sorg, Sperberslohe, Irrlweg, …).

Bezüglich des Autoverkehrs erläuterte Bauer, dass das Hauptproblem in den wenigen (fünf) Talquerungen läge, die fast alle Bürger auf dem Weg nach oder von Nürnberg passieren müssen. Letztendlich führen dann alle diese Wege auf die ST2239 (Nürnberger Str.), die jetzt schon morgens und abends überlastet ist, vor allem wenn auf der A6 Stau ist. Langfristig würde die von Markus Ganserer genannten Maßnahmen sicher Abhilfe schaffen, aber kurzfristig müssten einige weitere Maßnahmen her. Da die ST2239 von der B2 bis zur A73 seit dem Kreiselbau in Kleinschwarzenlohe quasi unterbrechungsfrei ist, wäre es hilfreich, den Verkehrsfluss zwischendrin zu stoppen (z.B. durch Ampeln o.ä.), damit es auch wieder möglich ist, auf diese Straße aus den Siedlungen und dem Altort aufzufahren. Derzeit stauen sich – vor allem im Altort – immer wieder die Autos weit zurück. Eine Ampel auf der Kreuzung am Goldenen Herz hätte den Effekt, dass der Verkehr aus dem Altort wieder auf die ST2239 kommt und der Verkehrsfluss auf dieser Straße unterbrochen wird, was zu Folge hätte, dass man auch an anderen Stellen wieder einfacher auffahren könnte. Zwei Fußgängerampeln in Kleinschwarzenlohe würden einen ähnlichen Effekt erzeugen und würden zudem den Kleinschwarzenlohern helfen, wieder gefahrenfrei über die Straße zu gelangen.

Innerörtliche „Umgehungen“ südlich der Schwarzach lehnen die Grünen ab, da sie nichts bringen würden: Im Endeffekt wird der Verkehr nur von einer Talquerung auf die nächste verlagert. Eigentlich hilft in Wendelstein wegen der Lage im Schwarzachtal nur noch Verkehrsvermeidung. Aber der CSU-geführte Gemeinderat weist in den letzten Jahren immer wieder neue Bebauungsflächen aus (Lisenfeld, Hörnleinareal, Wickleingelände, …), die am Ende zu noch mehr Verkehr führen. Deshalb sind weitere Neubaugebiete aus Sicht der Grünen abzulehnen.

Fazit des Abends: Es braucht ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Nicht nur generell sondern auch lokal im Kleinen. Mehr Investitionen in attraktiven Nahverkehr und Fahrradwege.

Von: Boris Czerwenka (1. Vorsitzender OV Wendelstein - BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN), Dienstag, 16. Mai 2017 - Aktualisiert am Donnerstag, 18. Mai 2017
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