MUNA und kein Ende?
Wendelstein - Zwischen Wendelstein, genauer Röthenbach bei St. Wolfgang und Feucht liegt die sogenannte MUNA, also eine ehemalige Munitionsanstalt des Dritten Reiches. Bekanntgeworden ist sie heutzutage, als im Jahr 2020 die deutsche Bahn mitgeteilt hat, dass sie gerne auf dem Gelände ein ICE Ausbesserungswerk errichten möchte.
Was wurde aus dem ICE Werk?
Dieses Projekt ist gescheitert. Ob der Hauptgrund in dem Widerstand der Bevölkerung der angrenzenden Kommunen oder in den Kosten der Bodensanierung, die die Deutsche Bahn hätte tragen müssen, mag dahinstehen - unabhängig davon, dass die Deutsche Bahn inzwischen herausgefunden hat, dass sie ein weiteres Werk gar nicht braucht.
Und wo liegen die aktuellen Probleme?
In dem Zusammenhang wurde jedoch erstmals der breiten Bevölkerung klar, dass die Böden des Geländes mit etwa 220 Hektar nicht unerheblich mit Arsen aus Giftgas, Barium aus Leuchtspurmunition und Toluolen aus einer beendeten Nachnutzung der US Army verseucht sind. Der mutmaßlich größte Teil der Giftstoffe ist in einem Sicherungsbauwerk, im Volksmund auch Sarkophag genannt, geschützt. Genau weiß das niemand, weil durch diverse Explosionen die Giftstoffe weiträumig und kleinteilig verteilt wurden.
Besteht akute Gefahr für die Bevölkerung?
Eine Trinkwassergefährdung ist aktuell ausgeschlossen, der Wendelsteiner Trinkwasserbrunnen in Fließrichtung des Grundwassers ist geschlossen, die Werte werden überwacht. Ziel ist, dass sich die Schadstoffe immer weiter verdünnen, bis die Grenzwerte eingehalten werden.
Auch eine Gefährdung der Jägerseen als Badegewässer konnte im letzten Jahr ausgeschlossen. Auf Druck von Carolin Töllner und Martin Mändl hat das Landratsamt die Gewässer untersucht und Entwarnung gegeben.
Klar ist aktuell, dass das Gelände aus Kosten- und Ökologiegründen nicht saniert wird - würde man alle Giftstoffe entfernen, bliebe nichts als eine Mondlandschaft zurück. Entsprechend gilt das Betretungsverbot, für die Bevölkerung weiter, eine Veränderung ist nicht in Sicht.
Und wie geht es jetzt weiter?
Vom 25. bis zum 27. April trafen sich Experten in Darmstadt, um über den Umgang mit sogenannten MUNAen zu diskutieren. Aus Wendelstein war Anwalt und Marktgemeinderat Martin Mändl dabei, um sich mit anderen Experten auszutauschen und über die Feuchter MUNA zu berichten. Die nächstgelegen MUNA über die berichtet wurde, so war zu erfahren, liegt in Neuendettelsau.
Bemerkenswert war, dass bei anderen Munitionsanstalten deutlich mehr Wert auf die historische Aufarbeitung, insbesondere der Beschäftigung von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und KZ-Insassen gelegt wurde – in Wendelstein war das bislang kein Thema. Andererseits zeigte sich, dass die Überprüfung der Schadstoffbelastung und die Diskussion über den Umgang damit in Wendelstein bzw. Feucht weiter ist, als bei den meisten anderen MUNAen.
Für die Zukunft werden Wendelstein und Feucht darauf achten müssen, dass weiter Kontrollen der Messwerte erfolgen, insbesondere auch für den Jägersee. Eine noch offene Aufgabe ist die Untersuchung des oberflächennahen Grundwassers in Röthenbach, mit dem viele ihre Gärten gießen.
Und vielleicht findet sich ein Kreis Interessierter, der die Details des Betriebs und der Ausbeutung der Zwangsarbeiter untersucht, bevor die letzten Erzählungen in Vergessenheit geraten.
Weil wir hier leben
Martin Mändl, Rechtsanwalt und Marktgemeinderat in Wendelstein
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