Nach Corona = vor Corona? Zurück zur Normalität! Welche Normalität?

Wendelstein - „Das ist eine echte Katastrophe“ wie oft haben wir das in der Vergangenheit gesagt, um dann fort zu fahren „zum Glück ist es am anderen Ende der Welt“ und trifft uns nicht. Dann sind wir zur Tagesordnung zurückgekehrt.

Jetzt ist die Katastrophe in Form der Corona-Pandemie mitten unter uns. Sie dauert schon ein halbes Jahr und niemand weiß, wo das noch hinführt. Unsere Geduld ist am Ende und die Stimmen werden lauter „wir wollen zur Normalität zurück“. Die Krise zu leugnen hilft auch nicht. Oder?

Wir müssen uns der Frage stellen: „Kann, soll, darf es nach Corona wieder so werden, wie es vorher war? War das die Normalität im Februar 2020? Ja, vieles muss wieder „normal“ werden! Aber, müssen wir nicht unbedingt die Lehren aus dem ziehen, was uns diese Katastrophe gezeigt hat? JA, WAS können, sollten wir daraus lernen?

Ich will einige Themen nennen und Gedanken anstoßen. Sie, liebe/r Leser*in sind gebeten, sich dann Ihre eigene Meinung zu bilden.

Die Kluft zwischen Arm und Reich

Wir haben in Deutschland eine sehr ungleichmäßige Vermögensverteilung.

Es ist kein Sozialneid, wenn man fordert, dass „die Reichen zur Kasse“ gebeten werden sollen, damit der Schuldenberg zu Gunsten der kommenden Generationen kleiner gehalten werden kann.

Niemand weiß, wie viele „kleine Leute“ schon jetzt in wirtschaftliche Not geraten sind oder bald werden. Fast 20 % unserer Beschäftigten arbeiten in Niedriglohnverhältnissen und sind „Kandidaten.innen“ für Altersarmut!

Ihnen muss dringend unbürokratisch geholfen werden.

Globalisierung / lokale Versorgung

Wir sagen nicht „Germany First“ aber es hat sich gezeigt, dass viele u.a. landwirtschaftliche Produkte aus dem Inland kommen können und nicht „um die halbe Welt gekarrt“ werden müssen.

Lieferketten – Management

Die deutsche Wirtschaft beherrscht das weltweite Lieferketten-Management perfekt. Wenn jetzt ein Lieferketten-Gesetz gefordert wird, das auch die sozialen (fair trade), arbeitspolitischen (Kinderarbeit, Arbeitssicherheit etc.) Belange einbezieht, darf dies nicht als nicht machbar, unangemessen abgetan werden.

Tourismus weltweit

Der Tourismus ist eine wichtige Branche. Sowohl der Flugverkehr als auch die Kreuzfahrt-Schifffahrt sind jedoch sehr große Umweltverschmutzer.

Zwei Dinge sollten wir erkennen und gegensteuern:

o Luftverkehr

Es muss nicht immer Urlaub „mit dem Flugzeug“ sein, Inlandsflüge sind heute dank ICE weitgehend überflüssig.

o Kreuzschifffahrt

Die Umweltverschmutzung ist immens (Schiffsdiesel, Abfälle, Abwässer), außerdem leben z.B. 3000 Passagiere auf Kosten und zu Lasten von rd. 2000 Besatzungsmitgliedern, von denen viele schlecht bezahlt mit 7-Tage-Woche „unter Tage“ malochen müssen.

Umweltschutz insgesamt

Die Krise hat einige Umweltentlastungen gebracht (Reduzierung Flugverkehr, weniger Berufsverkehr dank Homeoffice). Ein interessanter Nebeneffekt ist die Wasserqualität in den Kanälen Venedigs. Wir sehen, dass der Umwelt tatsächlich geholfen werden kann. Die Bemühungen um den Umweltschutz müssen nach Abklingen der Pandemie verstärkt wieder aufgenommen werden.

Auto - Industrie

Die KFZ – Branche ist eine der Hauptsäulen unserer Wirtschaft und damit unseres Wohlstands. Lange vor Corona hat sie sich durch eigenes Verschulden in Schwierigkeiten gebracht. Der Dieselskandal kostet rd. 100 Mrd. Euro!

Die Entwicklung des eAutos erfolgte zu spät.

Trotzdem wurden Milliardengewinne an die Eigner*innen und hohe Prämien an die Mitarbeiter*innen ausbezahlt.

Kaufprämien für eMobilität zahlen wieder wir alle. Analoge Kaufprämien für „Verbrenner“, konnte die SPD in der Bundesregierung verhindern.

Homeoffice, Digitale Schule, Der digitale Staat (eGovernement)

Die Nutzung der digitalen Hilfsmittel hat durch die Krise einen Schub erhalten. Sehr deutlich wurde auch, dass auf allen drei Gebieten großer Nachholbedarf besteht.

Diese Entwicklung wird nach Corona nicht zurück-, sondern weitergehen. Zukunftspolitik ist es, diese Entwicklung konstruktiv und kritisch zu begleiten. Arbeitnehmer-Schutzrechte dürfen nicht an der Tür zum Homeoffice enden!

Unsere Demokratie

Die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, und die Proteste „von rechts“, haben deutlich gemacht, dass unsere in 70 Jahren bewährte Demokratie sich neuen Herausforderungen gegenübersieht. Wir müssen unsere Demokratie weiter entwickeln, schulen, trainieren und neue Formen der Schulung „in Demokratie“ finden. Unser Föderalismus gehört in Teilen (z.B. Schulsystem) auf den Prüfstand. Dass Basisdemokratie kein Allheilmittel ist, zeigt sich gegenwärtig an vielen Stellen.

Worauf baut unser Wohlstand auf?

Viele Menschen in unserem Land sind der Überzeugung, „unser Wohlstand beruht zu allererst auf unserer überragenden Tüchtigkeit und wir haben uns das alles redlich verdient. Die, denen es schlecht geht auf dieser Welt, sind selber schuld“. Ist das wirklich so?

Fakt ist:

Deutschland hatte 2019 einen Handelsbilanz Überschuss von 250 Mrd. Euro. D.h. je Arbeitstag haben fast alle Länder dieser Erde gemeinsam rd. 1 Milliarde  € (1.000.000.000) netto nach Deutschland überwiesen. Dies, nicht nur weil wir so viel tüchtiger sind als alle anderen. Das Warenaustausch -Verhältnis zwischen den von uns verkauften Industrie- Produkten und den Naturprodukten hat sich massiv zu unseren Gunsten verändert. Mussten früher Kaffee-Anbauländer z.B. 50 Sack Kaffee für einen LKW liefern, so liegt dieses Verhältnis heute bei rund dem Zehnfachen. Da hat kein/e Kaffeebauer*in eine wirkliche Chance! Dies ist nur ein Beispiel von vielen, warum wir unsere Haltung gegenüber den Armen dieser Welt überdenken müssen.

Nein, es darf nach Corona kein vorschnelles Zurück geben und wir müssen die Lektion lernen, die uns die Krise lehrt!

Die Zukunft ökologisch und gerecht gestalten. Dafür steht die SPD.

 

Von: Helmut Wirkner (SPD Sorg-Großschwarzenlohe), Montag, 26. Oktober 2020 - Aktualisiert am Dienstag, 24. November 2020
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »SPD im Markt Wendelstein« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/spd-markt-wendelstein

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