Neue Hoffnung für den Gießroboter

Schwabach - Der Einsatz eines Gießroboters auf dem Schwabacher Waldfriedhof ist seit langem umstritten. Nun konnte Gärtnereichef Heino Schwarz bei einem Ortstermin mit der CSU-Stadtratsfraktion Bedenken ausräumen, die im Bauausschuss kürzlich zu einer Ablehnung des Projekts geführt hatten. Die Kommunalpolitiker ließen sich von Argumenten und dem eigenen Augenschein überzeugen.

  • Heino Schwarz erläutert den CSU-Stadtratsmitgliedern, warum sein Gießroboter nahezu perfekt arbeitet.

    Heino Schwarz erläutert den CSU-Stadtratsmitgliedern, warum sein Gießroboter nahezu perfekt arbeitet.
    © Robert Schmitt

  • Rednitzhembachs Erster Bürgermeister Jürgen Spahl (li.) bestätigt keinerlei Probleme beim Einsatz auf dem Friedhof seiner Gemeinde.

    Rednitzhembachs Erster Bürgermeister Jürgen Spahl (li.) bestätigt keinerlei Probleme beim Einsatz auf dem Friedhof seiner Gemeinde.
    © Robert Schmitt

Nach fast sechs Jahren Vorlauf war es am 21. Juli 2025 endlich so weit gewesen. Der Probebetrieb des Gießroboters der Firma Schwarz auf dem Schwabacher Waldfriedhof hat begonnen. Im November aber war diese Kooperation schon wieder zu Ende. In einer Beschlussvorlage des Planungs- und Bauausschusses wurde über Schäden durch den Betrieb des Gießroboters berichtet. Das Gremium hat daraufhin einen Dauerbetrieb und eine einmalige Verlängerung des Probebetriebs abgelehnt. Nun hat sich die CSU-Stadtratsfraktion bei einem Ortstermin mit Heino Schwarz getroffen. Dabei hat der Gärtnerei-Chef den Feststellungen im Ausschuss entschieden widersprochen. 

Zunächst hat Fraktions-Chef Oliver Memmler dabei das Abstimmungsverhalten mit den Angaben in der Beschlussvorlage begründet. „Wir haben ja ausschließlich diese Vorlage, und darauf müssen wir uns verlassen“, sagte Memmler. Am Ende des Gesprächs samt Besichtigungstour auf dem Waldfriedhof, hat sich die Stimmungslage bei der CSU allerdings gedreht. „Herr Schwarz hat letzte Woche die erneute Aufnahme des Themas „Gießroboter am Schwabacher Waldfriedhof“ in eine Sitzung beantragt, wenn das jetzt nochmal behandelt wird, werden wir einer Verlängerung des Probebetriebs bis 30. Juni dieses Jahres zustimmen“, erklärte der Fraktionsvorsitzende.

Baubetriebsamtsleiter Matthias Eitel hatte konkrete Schäden aufgrund des Gießroboter-Einsatzes festgestellt. Es seien deutliche Spuren im Bereich der drei Tankstationen erkennbar, hieß es. Eine offenbar zu hohe Wasserdosierung habe zu Auswaschungen an einzelnen Gräbern geführt. „Das ist durch eine Softwareänderung behoben“, so Schwarz. Stadtratsmitglied Heiner Hack unterstrich die Darstellungen mit eigenen Fotografien dieser Schäden. Heino Schwarz empfindet das als unfair. „Wenn man von zwei mal 30 Quadratmetern 20 Bilder macht an denen Schäden zu sehen sind und von 30 000 Quadratmetern, wo es keinen Schaden gibt, kein einziges Bild hat und das auch nicht erwähnt, ist dies einseitig“, findet Schwarz. „Das ist ausschließlich an den Tankstationen und betrifft relativ kleine Fläche im Vergleich zum befahrenen Areal“, entgegnet Schwarz. „In den Grabfeldern waren keine solchen Schäden zu sehen.“ Viele der abgebildeten Fahrspuren seien außerdem auf die Arbeit der Steinmetze zurückzuführen. 

„An den Tankstationen wird es immer Spuren im Boden geben“, sagte Schwarz. Deswegen werden neue Tankstationen in Abstimmung mit dem Baubetriebsamt gleich am Boden befestigt. „Ansonsten wird es immer so sein, dass mal Kleinigkeiten passieren können, aber die Schäden geringer sind, als bei Traktoren oder auch beim normalen Einsatz“, war Schwarz überzeugt. Der Gärtnerei-Chef berief sich dabei auf die Kirchenverwaltung in Ansbach und die Gemeinde Rednitzhembach. Dort sei der Roboter jeweils bereits mehrere Jahre im Einsatz und es habe noch nie Probleme gegeben. Auf Nachfrage bestätigte das sowohl die Schwabacher Nachbargemeinde als auch das evangelische Friedhofsamt in Ansbach.

Zudem habe man die Schäden an den Wegen zu den Tankstationen bereits im September mit den Verantwortlichen besprochen. Für die Zukunft könne dort durchaus eine Mineralbetonbefestigung erfolgen, die Schwarz auch finanzieren wollte. Ebenso versicherte er, entstehende Schäden stets auf eigene Kosten zu beheben. „Es gibt damit keinerlei Problem, wenn uns der Friedhof erlaubt, das in der ruhigen Jahreszeit abzuarbeiten“, so Schwarz. „Alle Gewerke am Friedhof müssen die von ihnen zu verantwortenden Schäden beseitigen, sonst wird einfach die Arbeitserlaubnis nicht verlängert“, schilderte Schwarz den Prozess.

Heino Schwarz hat die Idee für einen Gießroboter selbst entwickelt und sie zusammen mit der Firma „Innok-Robotics“ umgesetzt. Aus seiner Sicht bietet er ausschließlich Vorteile. Für den Friedhof als ganzes und für jedes einzelne Grab. Läuft alles planmäßig, wird es spätestens ab 2027 einen extrem günstigen reinen Gießdienst geben. Zudem stabilisiert die automatische Gießhilfe die Pflegekosten und die zukünftigen Erhöhungen werden geringer ausfallen. Auf Dauer werde durch diese günstige Dienstleistung die Zahl der Gräber weniger drastisch sinken, schildert Schwarz seine Erfahrungen vom Einsatz in Rednitzhembach und Ansbach. „Das heißt, es gibt einen schöneren Friedhof.“

Das vollautomatische Gießen wird zu einer deutlichen Energieeinsparung führen und den Kohlendioxidausstoß fast auf Null verringern. Hinzu kommt eine deutliche Lärmreduzierung. Aktuell fährt die Gärtnerei Schwarz 30 Stunden pro Woche tagsüber mit einem Dieseltraktor zum Gießen. Keiner regt sich darüber auf. Dazu benötigt Heino Schwarz pro Woche allerdings ungefähr 40 Liter Diesel. Das entspricht ungefähr 400 Kilowattstunden Energie und gut 105 Kilogramm Kohlendioxid. Der Lärm liegt bei etwa 100 Dezibel. 

Mit der Gießhilfe reduziert die Gärtnerei die Energie auf maximal 30 Kilowattstunden. Zwei Gießhilfen verfügen jeweils über einen Akku mit drei Kilowattstunden. Er wird mit Solar- oder Ökostrom betankt. Damit kann man zwölf Stunden arbeiten. Und zwar bei einer Lärmbelästigung, die nach 20 Metern nicht mehr wahrnehmbar ist. Im Klartext: Die automatischen Gießhilfen sollten eigentlich überall Jubel auslösen. „So verstehen wir Energiewende: Ökologisch wertvoll, Artenschutz fördernd und verbraucherfreundlich.“ Daneben komme das Produkt aus Deutschland. „Im Betrieb ist es leise und weitgehend Kohlendioxidneutral“, fasst Schwarz noch einmal zusammen. „Das ist doch unser Ziel, oder?“, fragt Heino Schwarz.

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Mittwoch, 21. Januar 2026 - Aktualisiert am Donnerstag, 05. März 2026
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