Nicht integrierte frühkindliche Reflexe können das Lernen beeinträchtigen

Region - Schon gewusst? Nicht integrierte frühkindliche Reflexe können das Lernen beeinträchtigen – und es zur Qual für die ganze Familie machen.

Was sind frühkindliche Reflexe?

Bei Reflexen handelt es sich grundsätzlich um spontane Bewegungen, die durch einen Reiz ausgelöst werden und im Normalfall ein Leben lang bestehen bleiben. Ein Beispiel ist der Lidschluss-Reflex, der die Aufgabe hat das Auge zu schützen. Nähert sich ein Objekt schnell dem Auge, schließt das Lied spontan. Wir müssen nicht bewusst darüber nachdenken.
Frühkindliche Reflexe hingegen sind zuständig für die Hirnreifung und den Aufrichtungsprozess. Sie entwickeln sich im Mutterleib und werden durch Reize aus der Umwelt ausgelöst. Sie haben eine wichtige Aufgabe und sichern quasi das Überleben des Kindes. Denn ohne Saugreflex beispielsweise, würde ein Neugeborenes nicht automatisch an der Brust das Saugen anfangen, sobald seine Lippen berührt werden. Die Reflexmuster sollten allerdings nachdem ihre Aufgabe abgeschlossen ist verschwinden. Das bedeutet, dass diese Reflexe durch einen Reiz nicht mehr spontan ausgelöst werden. Beispiele für frühkindliche Reflexe sind u. a. der Moro-Reflex, der symmetrisch-tonische Nackenreflex, der tonische Labyrinth-Reflex oder der Saugreflex.
Warum Reflexe erhalten bleiben, kann verschiedene Gründe haben. Manchmal werden Entwicklungsschritte übersprungen. Auch Stress und problematische Schwangerschaften könnten die Integration verhindern.

Wie können sich nicht integrierte Reflexe auswirken?

Unser Nervensystem ist in der Lage, bestehende frühkindliche Reflexe zu unterdrücken. Dies hat aber zur Folge, dass unser System erhöht Aufmerksamkeit und Energie dafür aufbringen muss. Kinder, deren frühkindliche Reflexe nicht gehemmt sind, könnten aus diesem Grund durch verschiedenste motorische Symptome wie auch durch Schul- und Verhaltensprobleme auffallen. Konzentrationsschwäche, Ängste, Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche, mangelnde Impulskontrolle, AD(H)S-Symptomatik, sowie Defizite in der Fein- und Grobmotorik sind nur einige der möglichen Symptome.

Am Beispiel des Moro-Reflexes lässt sich die Auswirkung gut erklären. Beim Moro-Reflex handelt es sich um einen Stressschutzreflex, der sich etwa in der 12. Schwangerschaftswoche  entwickelt. Dieser wichtige Reflex bewirkt, dass das Kind im Mutterleib die Arme ausbreitet um sich von der Nabelschnur zu befreien. Ist der Reflex aber nicht integriert (dies sollte etwa 4 Monate nach der Geburt passiert sein), kann er für Kinder zu einer schlimmen Belastung werden. Die Kinder fühlen eine ständige Anspannung. Da sie alle Reize um sich herum wahrnehmen müssen, haben sie ständig das Gefühl bedroht zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass sie dem Unterricht nicht mehr uneingeschränkt folgen können, schnell wütend werden und ständig „Streit suchen“, eine niedrige Frustrationstoleranz zeigen oder aber sehr ängstlich sind. 

Weitere Beispiele für frühkindliche Reflexe und ihre möglichen Auswirkungen:

Lese- und Rechtschreibschwächen können auf einen noch aktiven symmetrisch-tonischen Nackenreflex zurückzuführen sein. Kinder mit diesem aktiven Reflex sehen oft Doppelbilder oder die Buchstaben verschwommen, weil sie Schwierigkeiten mit der Akkommodation beim Nah- und Fernsehen haben.

Kinder die als „Zappelphilipp“ gelten und deshalb ständig ermahnt werden ruhig sitzenzubleiben, können einen noch aktiven spinalen Galant-Reflex haben. Dieser Reflex kann bewirken, dass das Anlehnen an die Stuhllehne sich seltsam anfühlt und es deshalb so aussieht als würde das Kind herumzappeln.

Wirkt ein Kind sehr ungeschickt und wirft oft Dinge um, sollte man an den asymmetrisch-tonischen Nackenreflex denken. Ist dieser Reflex aktiv, können Gleichgewichts- und Wahrnehmungsprobleme Symptome davon sein.

 

Auswirkungen auf das Kind und seine Umwelt

Ein Kind, das ständig hört was es falsch macht, wird zwangsläufig anfangen an sich selbst und vor allem auch an seinen Fähigkeiten zweifeln. Glaubenssätze wie „Ich bin zu doof, das kann ich eh nicht“, „Alle sind besser als ich“ oder „Das versuche ich besser erst gar nicht, geht eh schief“ verfestigen sich und haben negative Auswirkungen auf das Selbstbild und das Selbstbewusstsein des Kindes. Hinzu kommen häufig noch Bauch- und Kopfschmerzen, wenn es um das Thema Schule geht. Das tägliche für die Schule fertig machen oder die Hausaufgaben werden zur Qual für das Kind und die ganze Familie.

 

Was kann getan werden?

Die gute Nachricht: Vorausgesetzt die Symptome sind auf frühkindliche Reflexe zurückzuführen, kann betroffenen Kindern (und Erwachsenen) geholfen werden. Durch die Reflexintegration mit Hilfe eines speziellen Bewegungstrainings können fehlende Entwicklungsschritte nachgeholt werden. Mit dem Bewegungstraining wird das Stammhirn stimuliert und so das neuronale Nachreifen angeregt.

Die Probleme verringern sich oder verschwinden im Optimalfall ganz. Schule und Lernen bedeuten keine Qual mehr.

Von: Cristina Méndez Rodríguez (Kinder- und Jugendcoach), Donnerstag, 18. Februar 2021 - Aktualisiert am Freitag, 26. März 2021
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Kinder- und Jugendcoaching« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/coaching-auf-augenhoehe

Weitere Seiten zum Thema:

Empfehlen Sie diesen Artikel:

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.