"Nürnberger Herz" für die Worzeldorfer Lebensmittelretter
Worzeldorf - Seit fast acht Jahren arbeiten die Worzeldorfer Lebensmittelretter im Stadtteil und setzen mit ihren Aktionen ein Zeichen gegen Ressourcenverschwendung und treten für Demokratie und Zusammenhalt ein. Nun sind sie mit dem "Nürnberger Herz" ausgezeichnet worden. Das Preisgeld soll für ein Sommerfest mit den gut 120 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt werden.
Die Worzeldorfer Lebensmittelretter sind mit dem „Nürnberger Herz“ ausgezeichnet worden. Die beiden Vorsitzenden des Stadtteilvereins Monika Simon-Deinlein und Theo Deinlein, Nürnberger Stadtratsmitglied, haben die große Urkunde bei einer Feier in der Tucher-Brauerei im Süden Fürths erhalten. Überreicht hat sie die Nürnberger Sozialreferentin Elisabeth Ries. „Damit gibt die Stadt Nürnberg das Signal, dass wir ehrenamtliches Engagement brauchen und dass wir wissen, was geleistet wird“, sagte Ries. Neben dem Verein für „Lebensmittelretten & Nachhaltigkeit“ sind drei weitere Organisationen aus Nürnberg ausgezeichnet worden.
Die Worzeldorfer Organisation ist 2019 auf Betreiben von Monika Simon-Deinlein und ihrem Sohn gegründet worden. Seither hat sich die Vereinigung beständig vergrößert und ihr Engagement ausgeweitet. Heute sammeln 120 Ehrenamtliche wöchentlich jeweils drei Tonnen genießbare, aber nicht mehr verkaufbare Lebensmittel ein und verteilen sie über zwei Ausgabestellen an bis zu 180 Besucherinnen und Besucher in Worzeldorf und Siedlungen-Süd. Bedürftigkeit spielt dabei keine Rolle. Seit 2019 sind so 700 Tonnen Lebensmittel nachhaltig genützt statt entsorgt worden. „Wir wollen auf Ressourcenverschwendung aufmerksam machen sowie Demokratie und Zusammenhalt stärken“, erklärte Monika Simon-Deinlein.
Damit lassen es die Lebensmittelretter aber nicht bewenden. Jede Woche findet in der Ausgabestelle in der Kirche Corpus Christi das „Begegnungscafé“ statt. Bei kostenlosem Gebäck und Getränken treffen sich die Besucher, um neue Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Dabei gibt es auch eine „Kinderecke“. Dort können Kids unter pädagogischer Anleitung lesen, basteln und malen.
Viermal pro Jahr laden die Lebensmittelretter außerdem zum „Begegnungsmenü“ in die Herpersdorfer Osterkirche ein. Eine eigene feste Gruppe Frauen kocht jeweils ein Drei-Gänge-Menü aus geretteten Lebensmitteln. Kulturelle Kurzreferate aus dem Erfahrungsschatz und dem Einsatz von Berufen, Projekten und Organisationen ergänzen das kostenlose Mittagessen. Dabei sollen Netzwerke entstehen und Verständnis für soziale Problemlagen geweckt werden.
Einmal pro Jahr organisieren die Lebensmittelretter in der Herpersdorfer Osterkirche die „Worzeldorfer Kleidertauschbörse“, zu der jeweils gut 300 Besucherinnen kommen. Rund 3000 Kleidungsstücke werden dort jeweils getauscht. Ziel ist es, ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität und für Nachhaltigkeit zu setzen. „In einer Welt, in der soziale Isolation und Entfremdung immer mehr zum Alltag werden, ist es wichtig, Formate zu schaffen, die Gleichstellung, Gemeinschaft, Zusammenhalt und Wertschätzung fördern“, erklärte Simon-Deinlein den Hintergrund des Engagements ihrer Familie, denn auch Gatte Thomas ist mit von der Partie. Er ist Schatzmeister der Lebensmittelretter.
Die Laudatio für die Preisträger aus dem Nürnberger Süden hielt mit Danielle Rodarius die Geschäftsführerin des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (LBE). „Kulinarischer Genuss, kulturelle Vielfalt und soziale Verantwortung gehen bei Euren Projekten Hand in Hand“, wandte sich Rodarius würdigend an die anwesenden Vereinsmitglieder. „Sie machen Nachhaltigkeit greifbar und machen sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt verdient“, fügte Ehrenamts-Expertin hinzu.
Mit dem „Nürnberger Herz“ wollen die Stadt Nürnberg und die Tucher Privatbrauerei auch Ideen aus dem Bereich „Anerkennungskultur“ fördern. Denn mit dem Preisgeld von 1050 Euro, eine Analogie zum offiziellen Gründungsjahr Nürnbergs, sollen die ausgezeichneten Organisationen Veranstaltungen umsetzen, die das Engagement ihrer Ehrenamtlichen belohnen und ihm einen zusätzlichen Impuls verleihen. Die Lebensmittelretter werden mit dem Preisgeld ein großes Sommerfest für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter veranstalten.
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