Piep, piep, piep – wer Hunger hat, isst mit! Ernährung bei Kleinkindern

Rednitzhembach - Wie entwickelt sich Geschmack? Welche Nahrung benötigt ein Kind ab dem 1. Lebensjahr? Und wodurch wird die Auswahl an Nahrungsmitteln noch beeinflusst? Diese Fragen beantwortete Semira Hahn-Chabbi, Ernährungswissenschaftlerin am Landratsamt Roth, in einem 1,5 Stunden langen Vortrag während unserer Krabbelgruppenzeit. Den Vortrag hatte unsere Gruppenleiterin Cornelia Griesbeck organisiert. Unsere Krabbelgruppe trifft sich immer donnerstags um 10 Uhr im Mehrzweckraum des kath. Kindergarten in Wendelstein.

Der kindliche Geschmack wird bereits vor der Geburt durch das Fruchtwasser geprägt. Was also die Mutter isst, isst das ungeborene Kind indirekt mit. Nach der Geburt wird durch die Muttermilch zunächst die angeborene Süßpräferenz verstärkt. Die Vorliebe für Herzhaftes entwickelt sich frühestens mit dem 4. Monat. Saures und Bitteres werden eher abgelehnt.

Die Auswahl an Nahrungsmitteln ist für viele Eltern daher eine schwierige Entscheidung. Denn einerseits sollen die Speisen gesund sein, andererseits isst häufig das Kind diese dann nicht. Hier rät die Ernährungswissenschaftlerin, sich so vielfältig wie möglich zu ernähren und immer wieder die abgelehnte Kost anzubieten. Auf keinen Fall sollten Belohnungen oder Strafen eingesetzt werden! Generell gilt v.a. im 2. Lebensjahr: Brei, Auflauf, Suppe, vertraute und fremde Speisen, rohes Gemüse oder Finger Food, mit dem Kind einkaufen und kochen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wichtig sind drei Hauptmahlzeiten am Tag sowie zwei kleine Zwischenmahlzeiten. Mehr Gemüse als Obst gilt hier als Grundregel. Und dazwischen nichts! „Keine Snacks, keine Milch, keine Limo, Wasser jederzeit!“, weiß die Ökotrophologin, da sich durch die Essenspausen ein natürliches Hungergefühl entwickelt und bei den Mahlzeiten besser gegessen wird. Weniger Mahlzeiten sollen es aber auch nicht sein, da gerade bei Jungen dann das Übergewichtsrisiko steigt. So paradox das klingen mag, so wahr ist es. Denn die Kinder essen dann über ihr normales Hungergefühl hinweg und spüren kein Sättigungsgefühl mehr.

Auch andere Faktoren beeinflussen die Auswahl an Nahrungsmitteln. So können z.B. positive Erfahrungen bei Oma und Opa gemacht werden. Vielleicht wird hier das Gemüse anders zubereitet als zuhause oder die Vorbildfunktion ist so groß, dass Nahrungsmittel probiert werden, die zuhause absolut abgelehnt werden. Positiv beeinflusst zudem eine tägliche Familienmahlzeit ohne Handy oder Fernsehen das kindliche Essenverhalten. Dies ist eine Zeit der Ruhe und der Gespräche. So kann das Kind die Eltern beim Essen beobachten und deren Verhalten nachahmen. Klare Regeln, Strukturen und Grenzen unterstützen das Kind, ein sinnvolles Essverhalten zu erlernen. Ein gemeinsames Tischgebet oder Tischspruch können den Beginn des Familienessens markieren.

Die Expertin gab darüber hinaus konkrete Verzehrempfehlungen (inklusive erprobter Rezeptideen für Kinder), gab Hinweise zur Allergieprävention, zu Biolebensmitteln und modernen Esstrends, wie z.B. Quetschies. Wer Interesse an einem Vortrag mit Semira Hahn-Chabbi hat, kann sie direkt anschreiben unter semira.hahn@web.de oder schaut auf die Seite vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten www.aelf-fu.bayern.de .

Text von Maria Teepe

Von: Text von Maria Teepe, Montag, 27. August 2018 - Aktualisiert am Donnerstag, 30. August 2018
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Frauen-Union - Bezirksverband Mittelfranken« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/frauen-union-mfr
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